Sonntag, 22. Oktober 2017

Besinnung

Wort des Monats September 2017

Die Katechese und die Freude des Evangeliums

«Hört! Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen» (Mk 4,3).

Dieses Gleichnis ist eine Inspirationsquelle für die Evangelisierung. «Der Samen ist das Wort Gottes» (Lk 8,11). Der Sämann ist Jesus Christus. Er verkündigte vor zweitausend Jahren das Evangelium in Palästina und sandte seine Jünger aus, um es in die Welt zu säen. Der Boden ist stets unterschiedlich beschaffen. Das Evangelium fällt «auf den Weg» (Mk 4,4), wenn man es nicht wirklich hört; es fällt «auf harten Boden» (Mk 4,5) und dringt nicht tief in die Erde ein; oder es fällt «in die Dornen» (Mk 4,7) und wird im Herzen der Menschen, die von vielen Sorgen abgelenkt werden, sogleich erstickt. Ein Teil aber fällt «auf guten Boden» (Mk 4,8), das heisst in Männer und Frauen, die für die persönliche Beziehung zu Gott aufgeschlossen und mit dem Nächsten solidarisch sind, und bringt reiche Frucht. (Ss. 27-28, Allgemeines Direktorium für die Katechese, Kongregation für Klerus, Vatikan, 1997).

Die Glaubensweitergabe ist ein Grundrecht und eine Grundaufgabe aller Getauften. Wir versuchen es, auch wenn es in unserer Welt nicht wirklich geschätzt wird. Das Resultat mag    dreissigfach, sechzigfach, oder auch manchmal hundertfach sein. Vielfach können wir die Früchte zurzeit noch nicht sehen, aber es ist nie zu spät. Wichtig ist, dass wir dranbleiben und weiter säen (Allgemeines Direktorium für die Katechese).

Die Kirche in der heutigen Welt ist ein Thema für sich. Die Kirche sät weiterhin das Evangelium Jesu aus auf das grosse Saatfeld Gottes. Ein Jünger Jesu Christi nimmt ja von innen her an der «Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute» teil, blickt auf die menschliche Geschichte und beteiligt sich an ihr nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Glauben.

Angesichts der heutigen religiösen Situation drängt sich jedoch den Söhnen und Töchtern der Kirche folgende Prüfung auf: In wieweit sind auch sie von der Atmosphäre des Säkularismus und ethischen Relativismus betroffen?»

Eine erste Kategorie bilden «sehr viele, die zwar getauft sind, aber gänzlich ausserhalb eines christlichen Lebensraums stehen». Es handelt sich um eine Menge «nicht praktizierender Christen», auch wenn bei vielen von ihnen im Innersten ihres Herzens das religiöse Empfinden nicht völlig verschwunden ist. Sie wieder zum Glauben zu erwecken, ist für die Kirche eine echte Herausforderung.

Neben ihnen gibt es auch «das einfache Volk», das sich manchmal in sehr aufrichtig religiösen Gefühlen und in einer tief verwurzelten Volksfrömmigkeit äussert. Es hat zwar einen gewissen Glauben, kennt aber seine Grundlagen kaum.

Zudem gibt es zahlreiche gebildete Christen, die zwar in der Kindheit eine religiöse Unterweisung erhalten haben, sich aber seitdem kaum mehr dafür interessieren.

Ausserdem gibt es noch eine erhebliche Anzahl getaufter Christen, die wegen eines missverstandenen interreligiösen Dialoges oder wegen einer gewissen Scheu, lieber ihren Glauben an Jesus Christus in der heutigen Gesellschaft verbergen, als ihn zu bezeugen. Diese Glaubenssituationen verlangen eine klare Priorität im Verkündigungsdienst er Kirche, vor allem für Jugendliche und Erwachsene. Formen und Methoden können angepasst werden. Aber seine Frohe Botschaft des Heiles für die Menschheit soll laut und sichtbar werden. Jede/r Getaufte kann diese Freude empfangen und weitergeben.

«Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen» (Mk 16,15).                                                                                             

(Inhalt mehrheitlich von, Allgemeines Direktorium für die Katechese).

 

 

 

Wort des Monats August 2017

Kräutersegnung – ein schöner Brauch

 

Am 15. August feiern wir das Hochfest Maria Himmelfahrt. Der Glaube daran, dass Maria leibhaftig in den Himmel aufgefahren ist, wird bereits seit dem 6. Jahrhundert bezeugt.

Papst Pius XII. hat es in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts endgültig zum Dogma erhoben.

In den kanonischen Schriften wird dieses Ereignis zwar nicht beschrieben, die Legende besagt aber, dass die Apostel duftende Kräuter und Blumen, an Stelle des Leichnams in Marias Grab vorfanden. Dies beflügelte sicher die Entstehung dieses Brauches.

Die Kräuterweihe stellt eine Symbolhandlung dar, in der die Kräfte der Natur mit Gottes Hilfe für den Menschen nutzbar gemacht werden.

Leider ist dieser Tag nicht überall Feiertag. Auch die Kräutersegnung ist nicht mehr überall bekannt und gebräuchlich. Umso schöner ist es, dass wir in unserer Pfarrei diesen Brauch weiterpflegen. 

In meiner Kindheit war es immer ein besonderes Erlebnis, wenn wir Kinder fein angezogen mit unserer Grossmutter zur Messe gingen und duftende Sträusschen mit Kräutern und Feldblumen in Händen hielten. Ich erinnere mich noch genau, wie wunderbar alles gerochen hat. Für mich ist der 15. August noch aus einem anderen Grund besonders, denn an diesem Tag hatte mein Vater Geburtstag. Ich bin am Tag vorher geboren und war als Kind immer ein wenig traurig, dass es an meinem Geburtstag nicht so festlich zugeht.

Es wäre schön, wenn auch sie diesen Brauch mit Leben erfüllen im Gedenken an unsere Mutter Maria.

 

Anne Keuser

 

 

Wort des Monats Juli 2017

Sich erholen, Ruhe finden …

Mehr Leistung, schneller, effizienter, so lauten die Worte unserer Zeit. In gewissen Bereichen des Lebens scheint dies zuzutreffen, in den meisten Fällen aber nicht, so sagt uns die eigene Lebenserfahrung. Trotzdem werden wir unter Druck gesetzt, noch mehr Leistung zu erbringen oder unsere Arbeit schneller zu erledigen. Sonst droht die Kündigung oder der schlechte Ruf. So ist die heutige moderne Welt.

Jetzt kommt die Ferienzeit wieder und wir wollen endlich den verdienten Urlaub antreten. Manche Menschen reisen gerne, gewisse unternehmen Abenteuer, andere wollen Badeurlaub machen… so unterschiedlich sind die Ideen.

Unser Ziel ist die Erholung und das Auftanken. Aber was ist danach, wenn man ganz erholt zurückkommt? Erneut volle Leistung, Stress, Arbeit, Geld, Sorgen…?

Jesus selbst zeigt uns, wie wir mit unserem Alltag, unserer Arbeit und unserer Erholung umgehen können. Sein Eifer für die Verkündigung des Reiches Gottes hatte ihn ergriffen und er war ebenso fleissig und arbeitsam.

In folgenden Versen können wir sehen, wie Jesus mit seiner Freizeit umgeht:

Lk 5, 15-16: Sein Ruf verbreitete sich immer mehr, sodass die Menschen von überall herbeiströmten. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten. 

Lk 4, 42: Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn, und als sie ihn fanden, wollten sie ihn daran hindern wegzugehen.

Mk 1, 35:  In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.

Jesus lädt uns alle ein, mit ihm Zeit zu verbringen, damit wir gut zu den Mitmenschen sein können.

Mt. 11, 28-30: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht. 

Ich wünsche Euch/Ihnen allen eine erholsame und fruchtbringende Ferienzeit!

Euer Pfr .Donsy

 

 

Wort des Monats Juni 2017

Schulschluss - Sommerzeit

Im Monat Juni stehen für viele Familien stressige Zeiten bevor. In der Schule sind die letzten Tests. Dann die verschiedenen Anlässe zum Schulschluss. Theater, Abschlussfeiern, Feste...

Gleichzeitig ist die grosse Sehnsucht nach den verdienten Sommerferien, die schulfreie Zeit. Erholung, Urlaub, Neues sehen und entdecken und Zeit mit Familie und Freunden verbringen.

Auch wir gestalten einen Schulschluss Gottesdienst und eine anschliessende Feier.

Seit einigen Jahren darf ein OK aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen alle 2 Jahre das "Pfarreifest Jugend" planen und mit der Mithilfe der KK, des Katechetenteams und freiwilligen Helfern durchführen.

Dieses Jahr findet  zum ersten Mal der Schulschlussgottesdienst und das Pfarreifest Jugend zusammen in einem Anlass statt.

Alle Pfarreimitglieder sind herzlich willkommen!

Gemeinsam möchten wir das Schuljahr mit dem Schulschlussgottesdienst mit Band und dem anschliessenden Pfarreifest Jugend abschliessen und feiern.

Es freut uns sehr, wenn Sie alle dabei sind und mit uns die Sommerzeit mit einem gemütlichen Fest starten.

Vielen herzlichen Dank schon im Voraus allen Helfern!

Fürs OK Team    Claudia Anliker

 

 

Wort des Monats Mai 2017

 

100 Jahre -Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima

13. Mai bis 13. Oktober 1917

Lucia, Jacinta und Francisco- drei Hirtenkinder. Es war am 13. Mai 1917, gegen Mittag, dass die Gottesmutter Maria zum ersten mal in Fatima den einfachen Kindern erschien. Lucia (später Sr. Lucia) antwortete später die Fragen ihres Bischofs: „Die Erscheinungen unserer Lieben Frau flössten weder Schrecken noch Angst ein, sie hätte si nur überrascht. Über die Blitze schreibt sie: „es handle sich nicht um eigentlichen Blitze,, sondern um ein Widerschein des Lichtes, das sich näherte. Wenn wir dieses Licht sahen, sagten wir manchmal, wir sehen Unsere Liebe Frau kommen; wir könnten aber Unsere Liebe Frau erst vom Licht unterscheiden, wenn sie schon über der Steineiche war.“

Die Frau lächelte die Kinder an und sagte: „Fürchtet euch nicht. Ich tue nichts böses.“

Lucia fasste Mut und fragte: „Woher kommen Sie?“

„Ich bin vom Himmel“ Die Antwort.

Lucia schreibt: „Als sie sprach, öffnette sie zum ersten mal die Hände und übermittelte uns ein so starkes Licht wie ein Widerschein, der von ihren Händen ausging. Es drang uns in die Brust und bis in die tiefste Tiefe der Seele und lies uns selbst in Gott schauen, der dieses Licht war, viel klarer als wir uns im besten Spiegel sehen können. Durch eine innere Anregung, die uns ebenfalls mitgeteilit wurde, fielen wir nun auf die Knie und wiederholten ganz innerlich: Oh Heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an; mein Gott, mein Gott, ich liebe Dich im heiligsten Sakrament!“

Sie fügte dazu: „Betet täglich den Rosenkranz, um den Frieden der Welt und das Ende des Krieges zu erlangen“

Die Dorfsbewohner begleiteten Seherkinder mit dem Rosenkranz zur Cova da Iria, wo die Erscheinungen stattfanden.

Folgende 5 Monaten erschien sie den Kindern die Mutter Maria.

Lucia bat um ein Zeichen. Doch die Gottesmutter verwies sie auf den Oktober, da werde sie ein Wunder vollbringen, damit alle zum Glauben kommen.

Am 13. Oktober regnete es schon frühmorgens in Strömen. Die Eltern hatten Angst, ob es jetzt ein Betrug sei und zwang ihre Tochter zur Beichte zu gehen. Doch sie gingen mit den Kindern zur Steineiche. So viele Menschen suchten die Kinder um ihre Bitten mitzugeben. Es waren bereits schätzungsweise 70,000 Personen anwesend, trotz Regen und sie beteten Rosenkranz.

„Was wünschen Sie von mir?“ fragte Lucia Gottesmutter.

„Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll“ Die Frau hatte ihren Namen genannt: Unsere Liebe Frau von Rosenkranz“.

Vater von Lucia wird zitiert: „Alle hatten die Augen zum Himmel erhoben, als die Sonne still stand und danach zu tanzen begann. Sie blieb stehen, um nochmals zu tanzen, bis sie sich ganz vom Himmel zu lösen und auf uns nieder zu fallen schien wie ein riesiges Feuerrad. Es war ein schrecklicher Augenblick“. Viele Schrien: „Oh weh, wir alle sterben. Unsere Liebe Frau, hilf uns.“ Es gab Leute, die laut ihre Sünden bekannten. Schliesslich blieb die Sonne auf ihrem gewohntem Platz stehen“.

Erst als das Ereignis vorbei war, bemerkten die Menschen, dass ihre völlig durchnässten Kleider plötzlich trocken waren. Die Seher selber bemerkten kaum etwas von dem, was um sie herum geschah.

Die letzte Fatima- Zeugin, die Karmeliterin Sr. Lucia, starb am 13. Februar 2005 in der Stadt Coimbra, Portugal.

Pfr. Donsy

 

 

Wort des Monats April 2017

Leiden, Sterben und Auferstehen:

 

Wirklichkeit und Hoffnung unseres Lebens

 

In diesem Monat kommt wieder die Zeit, in der wir unseren Glauben an den auferstandenen Christus noch einmal vertiefen und erneut wagen. Ostern und Weihnachten kommen und gehen; sind es nur Rituale in meinem Leben?

Wir sind mitten in der Fastenzeit und schon bald feiern wir Palmsonntag. Damit beginnt die eigentliche Karwoche mit ihrem Hochfest Ostern. Wir sind froh über die Auferstehung und das ewige Leben, über die Hoffnung und das Licht, das der christliche Glaube der Welt zu schenken hat.

Aber auch ein Sinn für Leiden und Sterben gehört dazu. Ohne Leid und Tod bleibt das Leben unrealistisch. Wer sich auf den christlichen Glauben einlässt, trifft eine radikale Lebensentscheidung. Es kann nicht einen Rückschritt geben, auch wenn das Leben mit Christus nicht so einfach sein wird. Christi Leiden und Sterben helfen uns in unserem Alltag, den Sinn von Leid, Hingabe und Tod besser zu verstehen. Das Ergebnis des Ostergeschehens ist, dass wir auch in finsteren Zeiten des Lebens auf das Licht der Auferstehung vertrauen dürfen. Gott geht bis zum Tod sich erniedrigend mit den Menschen, aber nicht der Tod trägt den Sieg davon, sondern Jesu Tod am Kreuz und in Schande ermöglicht uns Menschen ein neues Leben:  Das ewige Leben.

Wir können die Tatsache des Leides global wahrnehmen und gleichzeitig dieser Welt Hoffnung schenken, wenn wir den Glauben an den Auferstandenen verkünden. Leid und Tod können wir nur annehmen im Vertrauen auf unseren Herrn, weil Er den Tod besiegt hat. Das ist unsere feste Hoffnung und unser Glaube: In seinem Tod und seiner Auferstehung hat Er uns das ewige Leben geschenkt.

Ich wünsche Ihnen/Euch eine besinnliche Glaubenserfahrung während der Heiligen Karwoche und ein frohes Osterfest!

„Wisst ihr den nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ Röm 6, 3-4.

Pfr. Donsy

 

 

Wort des Monats März 2017

„7 Wochen anders leben“

Wenn man das Wort Fastenzeit hört, denkt man oft, das sind 40 Tage, in denen ich nichts Süsses essen darf, auf alles verzichten soll. Vielleicht hat man das Gefühl, dass man sich am besten den Mund zukleben sollte.

Fastenzeit meint nicht, dass wir weniger essen sollten, um schlank zu werden oder zu bleiben, das kann ein glücklicher Nebeneffekt sein. Es heisst nicht, dieses oder jenes Opfer zu bringen, um dem „lieben Gott“ zu gefallen. Fastenzeit lädt vielmehr dazu ein, über sein eigenes Leben nachzudenken. Fasten ist nicht bloss ein Anliegen von vierzig Tagen, sondern eine Aufgabe, die uns Zeit unseres Lebens begleitet. 

Es wird nicht verlangt, dass man sein ganzes Leben total umkrempelt, oder etwas tun muss, dass einem überhaupt nicht liegt. Man soll den „normalen“ Alltag annehmen, so wie er ist. Über Kleinigkeiten hinwegsehen und sich nicht darüber ärgern. Einfach alles mit grosser Liebe tun. Wir sollten die Tage so nehmen wie sie sind. Aus jedem Tag und aus jeder Situation das Beste machen.

Es geht aber um die Bereitschaft. Sind wir auch wirklich bereit fürs Fasten? Machen wir das auch wirklich mit Hingabe?  Ja, das ist eine gute Frage. Manchmal fühlen wir uns nicht bereit, vielleicht auch überfordert. Nicht nur beim Fasten, auch in unseren täglichen Aufgaben und Situationen.

Man kann es aber auch so sehen. „7 Wochen anders leben“.

Wir möchten ja gerne anders sein als die anderen. Jetzt haben wir die Gelegenheit, 7 Wochen anders zu leben. Mit Hingabe und Bereitschaft auf einiges zu verzichten. Es ist eine gute Gelegenheit, seine eigenen Gewohnheiten zu überdenken. Sich über einiges Gedanken zu machen. Zum Beispiel schauen, ob wir 7 Wochen ohne Handy, TV, Facebook, Schokolade, Süsses... sein können. Nicht, weil wir müssen, sondern weil wir das wollen.

Es ist sicherlich gut, wenn wir ab und zu unser eigenes Leben überdenken. Uns auch Fragen stellen wie: Mit wem sollte ich mich schon lange versöhnen und habe es immer wieder hinausgezögert? Was sind meine Wünsche, Träume, Ziele? Was möchte ich gerne im Leben erreichen? Was läuft gut und was weniger? Aber auch, was möchte Gott aus meinem Leben machen? Was hat er mit mir vor? Welches sind seine Pläne mit mir?

Ich wünsche Ihnen spannende „7 Wochen anders leben“.

Vielleicht finden Sie Zeit, um an der Oelbergwache am Gründonnerstag Ihre Fastenzeit abzuschliessen. Seit Jahren gestalten verschiedene Gruppierungen der Pfarrei jeweils eine Stunde ab 21.00 Uhr bis 08.00 Uhr. Die Stunden werden durch Texte, Impulse, Gedanken, gemeinsames Beten, Singen und Stille verbracht.

Es wäre schön, Sie auch anzutreffen.

Claudia Anliker, Leiterin des Jugendteams

 

 

 

 

Wort des Monats Februar 2017

Für viele ist die Fasnacht, die närrische Zeit, das höchste der Gefühle. Farbenfrohe und bunte Umzüge umrahmt von mitreissender Guggenmusik. Schnitzelbänke, mit Anekdoten aus dem Dorfleben, aus Politik und der ganzen Welt, werden in Restaurants dargeboten. Für einmal darf man über (fast) alles einen Witz machen und darüber lachen. In den Bäckereien und Läden läuft jedermann das Wasser im Mund zusammen, wenn man die feinen Saisonbackwaren wie Fasnachstchüechli, Schlüferli, Schenkeli, Berliner, Zigerkrapfen… sieht und riecht.   

Es ist der Brauch der Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und Lebensfreude. Die Kinder und „Fasnächtler“ freuen sich, in ein Kostüm zu steigen, jemand anderes zu sein, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Vor vielen Jahren organisierte die Pfarrei Utzenstorf auch Maskenbälle für die „Fasnächtler“ der Kirchgemeinde.

Fasnacht oder ähnliche Feste feierten die Menschen schon im Mittelalter und sogar in der Römerzeit. Sie feierten ein 3 tägiges Fest mit viel Essen, freiem Sprechen, farbenprächtigen Umzügen, Sklave und Herr tauschten die Rolle. Eigentlich so, wie wir es heute auch kennen.

Fasnacht wurde früher ausschliesslich in katholischen Gebieten gefeiert. Das hängt mit der Fastenzeit zusammen. Früher waren die katholischen Gebiete stärker vertreten. Im 16. Jh. nach der Reformation verschwand in den evangelischen Gebieten mit dem Aschermittwoch auch die Fasnacht. Die einzige Ausnahme war die Basler Fasnacht.

Die Fasnacht  und die Fastenzeit gehören eigentlich unzertrennlich zusammen. Wenn es keine Fastenzeit gäbe, wäre auch die Fasnacht nicht entstanden. Da man sich vor der strengen Fastenzeit noch eine ausgelassene Zeit gönnte, gut und übergenug ass, da Fleisch, Eier, Schmalz, Butter, Käse alle Vorräte aufgebraucht werden mussten und es somit zu einem Fest wurde.

Es ist ein schöner Brauch. Zuerst feiert man und ist ausgelassen, danach hat man 40 Tage Zeit, um über sein eigenes Leben nachzudenken, zu schauen, was gut oder weniger gut läuft und sich auf Ostern vorzubereiten.

Ich wünsche euch allen eine schöne närrische Zeit.  

 

Claudia Anliker

Wort des Monats Januar 2017

Ein Neues Jahr mit voller Hoffnung und Segen Gottes

Alles wird neu. Wer sich auf Neues einlässt, sieht eine neue Zukunft und Hoffnung. Er träumt davon, dass er es einmal besser hat. Neues braucht Platz. Es kann nur entstehen, wenn Altes vergeht.

In der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus beginnt etwas Neues. Der alte Himmel, die alte Erde, das alte Meer wird nicht mehr. Das, was früher war, wird vergehen. Christus verheißt eine faszinierende Zukunft: Keine Tränen. Keine Trauer. Keine Klage. Keine Mühsal. Kein Tod. Ein neuer Himmel und eine neue Erde.

Wir ahnen aber auch: Es wird nicht leicht, lieb gewordene Gewohnheiten loszulassen, jahrelang Bewährtes aufzugeben, sich auf etwas Neues einzulassen.

ER sagt: Seht, ICH mache alles neu!

In diesem Vertrauen legen wir das alte Jahr zurück in Gottes Hand und bitten um seinen Segen für das Neue Jahr 2017.

Pfr. Donsy

 

„Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der alte Himmel und die alte Erde waren verschwunden. Und auch das Meer war nicht mehr da. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen wie eine schöne Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.

Ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: »Siehe, die Wohnung Gottes ist nun bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein.

Er wird alle ihre Tränen abwischen, und es wird keinen Tod und keine Trauer und kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben. Denn die erste Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen.«

Und der, der auf dem Thron saß, sagte: »Ja, ich mache alles neu!« Und dann sagte er zu mir: »Schreib es auf, denn was ich dir sage, ist zuverlässig und wahr!«

Und er sagte auch: »Es ist vollendet! Ich bin das Alpha und das Omega - der Anfang und das Ende. Jedem, der durstig ist, werde ich aus der Quelle, die das Wasser des Lebens enthält, umsonst zu trinken geben!

Wer siegreich ist, wird dies alles empfangen; ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“ (Jesaja 21, 1-7)

 

 

Wort des Monats Dezember 2016

Das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

Die vierwöchige Adventszeit bereitet uns auf die Menschwerdung Christi vor, auf Weihnachten.

In diese Zeit der Erwartung fällt ein Hochfest, das der Heilsgeschichte der Menschheit einen wesentlichen und interessanten Teil zufügt. Es ist das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, welches wir am 8. Dezember feiern. Vielleicht ist dies nicht leicht zu verstehen, aber ist Weihnachten leicht zu verstehen?

Es muss für die junge Frau Maria ein echter Schock gewesen sein. Als gläubige Jüdin wartete sie wie alle in ihrem Volk auf den Messias. Und jetzt diese Situation. Sie wird, obwohl noch nicht verheiratet, ein Kind empfangen, das eine ausserordentliche Stellung im Heilsplan Gottes haben soll.

Warum tut Gott sowas? Das Evangelium dieses Hochfestes hat in seinem Kern eine revolutionäre Botschaft, dass es sich lohnt, genauer zu lesen bei Lk 1,26–38.

Eine Tatsache dieser Welt ist, dass wir alle nicht heil sind, darum so viel Ungerechtigkeit, Hass, Gewalt, Krieg und Terror. Es gibt Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen für das Böse entscheiden. All das können wir jeden Tag erleben. 

Es existiert eine Schuldverstrickung, die die Kirche schon früh benannt hat mit dem heute so altmodischen Wort der Erbsünde. Niemand ist davon ausgenommen gewesen. Und niemand konnte darum diese fundamentale Verstrickung lösen. Wenn Gott alle Menschen zum Heil, zur ewigen, seligen, glücklichen Gemeinschaft mit sich führen will (1 Tim2,4), musste jemand gefunden werden, der doppelte Fähigkeiten besass: Er musste eine göttliche Macht haben, Schuld zu vergeben. Und er musste zutiefst das menschliche Versagen, die Schuld und Hilflosigkeit unabwendbarem Leid gegenüber, selbst erleben können. Eigentlich ein völlig unmögliches Vorhaben. 

Das bedeutete eine Art Neuanfang. Im Ja der jungen Maria, die schon vor ihrer Geburt von Gott dazu bestimmt worden war, ohne Erbschuld zu sein, konnte dieser Neuanfang geschehen. Es ist gut nachvollziehbar, dass die junge Frau völlig überrascht, ja überwältigt fragt, wie das denn geschehen könne?  Die Antwort des Engels klingt logisch: „Für Gott ist nichts unmöglich!“ Der Wahrheitsgehalt dieser Antwort ist schon mit dem Dialog des Engels mit Maria bewiesen. 

Dieses junge Mädchen sagt nicht nur ein einfaches Ja. Sie übergibt sich damit selbst ihrem Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe wie du es gesagt hast.“ Marias Ja ist das Beispiel der liebenden Antwort des Menschen auf Gottes Einladung, an seinem Heilsplan mitzuwirken. 

Im Osten kennt man dieses Fest seit dem 8. oder 9. Jahrhundert, im Westen seit dem 11. Jahrhundert. Die Auserwählung Mariens in der Heilsgeschichte durch Gott als Mutter Gottes und ihre Aufnahme in den Himmel (1950) sind ebenso Feste im der Kirche. 

1854: Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis durch Papst Pius IX.

1858: In Lourdes hat sich Maria mit den Worten “Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“ vorgestellt und das kirchliche Dogma bestätigt. Sogar Martin Luther hatte in den ersten Jahren der Reformation dieses Fest noch akzeptiert.

Pfr. Donsy

 

 

Wort des Monats November 2016

Das Jahr der Barmherzigkeit neigt sich am 20. Nov. 2016 dem Ende zu 

“Ein Jubiläum bringt es mit sich, dass wir auch zum Ablass Bezug nehmen. Dieser gewinnt besondere Bedeutung im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit. Die Vergebung unserer Sünden ist grenzenlos. … Doch trotz der Vergebung ist unser Leben geprägt von Widersprüchen, die Folgen unserer Sünden sind. Im Sakrament der Versöhnung vergibt Gott die Sünden, die damit wirklich ausgelöscht sind.“ (Papst Franziskus, Ankündigung des Jubiläums)

Wir haben noch die Möglichkeit, den Ablass zu nutzen bis zum Ende des Jubiläumsjahres. Besonders im Monat November können wir den barmherzigen Gott auch um Barmherzigkeit für unsere Verstorbenen bitten.

In seinem Schreiben vom 1. September 2015 erläutert Papst Franziskus die Elemente, die erforderlich sind zur Gewinnung des Ablasses:

“Meine Gedanken gehen zuerst zu allen Gläubigen, die in den einzelnen Diözesen oder als Rompilger die Gnade des Jubiläums leben werden. Ich möchte, dass der Jubiläumsablass jeden als wirkliche Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes erreicht, der allen mit dem Antlitz eines Vaters entgegenkommt, der annimmt und vergibt, indem er die begangenen Sünden vollkommen vergisst. Um den Ablass zu leben und zu erlangen, sind die Gläubigen aufgerufen, als Zeichen der tiefen Sehnsucht nach wahrer Umkehr einen kurzen Pilgergang zur Heiligen Pforte zurückzulegen, die in jeder Kathedrale oder vom Diözesanbischof bestimmten Kirchen und in den vier päpstlichen Basiliken in Rom geöffnet wird. Ebenso lege ich fest, dass der Ablass auch erlangt werden kann in den Wallfahrtskirchen, wo die Pforte der Barmherzigkeit geöffnet wurde, sowie in den traditionell als Jubiläumskirchen ausgewiesenen Gotteshäusern. Es ist wichtig, dass dieser Moment vor allem mit dem Sakrament der Versöhnung und der Feier der heiligen Eucharistie, einschließlich einer Reflexion über die Barmherzigkeit verbunden ist. Es wird nötig sein, dass diese Feiern das Glaubensbekenntnis ebenso umfassen wie das Gebet für mich und für die Anliegen, die mir am Herzen liegen zum Wohl der Kirche und der ganzen Welt.

Darüber hinaus denke ich an all jene, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sein wird, sich zur Heiligen Pforte zu begeben, in erster Linie an die Kranken und die alten, einsamen Menschen, die häufig das Haus nicht verlassen können. Für sie wird es eine große Hilfe sein, Krankheit und Leid als Erfahrung der Nähe zum Herrn zu leben, der im Geheimnis seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung den Königsweg aufzeigt, um dem Schmerz und der Einsamkeit einen Sinn zu verleihen. Mit Glauben und freudiger Hoffnung diesen Moment der Prüfung zu leben, indem sie die Kommunion empfangen oder an der heiligen Messe und am gemeinschaftlichen Gebet – auch über die verschiedenen Medien – teilnehmen, wird für sie die Weise sein, den Jubiläumsablass zu erlangen”.

 

Im Bistum Basel kann der Jubiläumsablass in folgenden Wallfahrtskirchen erlangt werden:

Delsberg:        Unsere Liebe Frau auf der Vorburg, Benediktinergemeinschaft
Eschenz:          St. Otmar im Werd, Franziskanergemeinschaft
Mariastein:   Mutter vom Trost, Benediktinerkloster
Luzern:           Maria auf dem Wesemlin, Kapuzinerkloster


Pfr. Donsy

 

 

 

Wort des Monat Oktober 2016

15. Oktober: Gedenktag der Heiligen Theresia von Avila (von Jesus)

Theresia von Avila hatte ein ganz besonderes Leben und hat noch immer eine einzigartige Bedeutung für die Kirche. Geboren wurde sie am 28. März 1515 in Avila, südlich von Salamanca in Spanien. Sie hatte zwei Schwestern und neun Brüder, aber sie war schon seit früher Kindheit an ganz anders als ihre Geschwister: temperamentvoll und oft sogar stürmisch. Und schon als Kind war sie fasziniert von den Berichten über das Leben und Sterben der Märtyrer – so sehr, dass sie einmal mit ihrem älteren Bruder Rodrigo das Elternhaus verliess, um bei den Mauren den Martertod zu sterben. Die Kinder wurden jedoch gefunden und nach Hause zurückgebracht. Als Theresia zwölf Jahre alt war, starb ihre Mutter, ein Schlag, den Theresia fast nicht verkraften konnte. In ihrer Verzweiflung weihte sie sich der Gottesmutter. Ihr Vater gab sie im Jahre 1531 den Augustinerinnen in Avila zur Erziehung. Dort las sie die berühmten Briefe des Hieronymus, was sie veranlasste, als 20jährige in das Karmelitenkloster in Avila einzutreten. Kurz nach ihrer Profess erkrankte Theresia schwer, fiel für vier Tage ins Koma, war dann teilweise gelähmt und für Jahre gehbehindert. Ein Bild des leidenden Christus löste 1539 erste mystische Erlebnisse aus, die sich in der Folgezeit immer mehr häuften. Dadurch rückte Theresia zunehmend ins Licht der Oeffentlichkeit und geriet bald ins Zentrum der Kritik. In ihrem Kloster galt sie als nicht glaubwürdig, berühmte Kirchenmänner ihrer Zeit anerkannten jedoch ihre mystischen Erfahrungen. Im Jahre 1560 hatte Theresia eine Vision der Hölle, worauf sie sich schwor, nach absoluter Vollkommenheit zu streben. Sie erkannte, dass der Karmelitenorden seine Regel nicht mehr genügend ernst nahm. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete sie die Kongregation der Unbeschuhten Karmeliten und 1562 ein erstes Kloster des Reformordens in Avila, mit offizieller Genehmigung des Papstes und des Bischofs von Avila. Von nun an nannte sie sich Theresia „von Jesus“ und gründete Eremitenklöster mit strengeren Regeln, als es die Karmelitenklöster bisher gekannt hatten. Dabei wurde sie vom Karmeliten Johannes vom Kreuz unterstützt, den sie 1568 kennengelernt und mit ihrer Arbeit überzeugt hatte. Dieser nahm die Erneuerung des männlichen Zweigs der Ordensgemeinschaft an die Hand. Trotz Neid und Missgunst gelang es Theresia von Jesus und Johannes vom Kreuz, insgesamt 17 Frauen- und 15 Männerklöster zu gründen. 

Theresia von Jesus erlebte immer wieder mystische Zustände in alle Höhen und Tiefen; diese hielt sie in ihren Schriften und Erklärungen fest. Sie war vielleicht die grösste Mystikerin aller Zeiten, und Papst Pius X. sagte einmal, sie sei die Meisterin der Psychologie der Mystik. In Spanien nennt man sie aufgrund ihres mystischen Werkes „seraphische Mutter“ und „Doctora mystica“. Als Theresia von Jesus am 4. Oktober 1582 während einer Visitationsreise in Alba de Tormes starb, war sie von ihrem unermüdlichen Wirken, von körperlichen und seelischen Leiden und auch von jahrelangen Angriffen völlig aufgezehrt. Nach zwei Jahren grub man ihren Körper wieder aus – er war noch vollkommen unversehrt – und bestattete ihn im Kloster Alba de Tormes, das sie im Jahre 1571 gegründet hatte. Heute ruhen ihre Gebeine in einem kostbaren Schrein über dem Altar dieser Klosterkirche, die inzwischen ein vielbesuchter Wallfahrtsort in Spanien geworden ist.

Theresia von Jesus wurde am 24. April 1614 seliggesprochen, 1617 wurde sie zur Patronin Spaniens ernannt und am 12. März 1622 von Papst Gregor XV. heiliggesprochen. Dabei legte man ihren Gedenktag auf den 5. Oktober fest. Da jedoch in ihrem Todesjahr der Gregorianische Kalender eingeführt wurde, folgte auf den 4. Oktober direkt der 15. Oktober – dieser Tag wurde also zum Gedenktag erklärt. Innerhalb des Karmelitenordens wird jedoch weiterhin der 5. Oktober als Gedenktag begangen. Papst Paul VI. erhob am 29. September 1970 diese grossartige Frau zur Kirchenlehrerin. Mit vielfältigen Attributen und in zahlreichen Darstellungen ist sie verewigt, in Erinnerung bleibt sie uns aber auch durch zahlreiche prägnante Zitate wie z.B. die folgenden:

 „Tu deinem Leib des Oefteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“
„Ich hatte viele Freunde, die mir zum Fallen halfen, beim Aufstehen jedoch war ich ganz allein, so dass ich staune, dass ich nicht für immer liegenblieb.“
„Der Mensch hat aus lauter Faulheit das Gespräch mit Gott aufgegeben.“ „Bete nicht um leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken.“
Die grosse Mystikerin Theresia von Avila beklagte sich einmal im Gebet über all die vielen Drangsale und Widerwärtigkeiten, unter denen sie zu leiden hätte. „So behandle ich meine Freunde“, antwortete ihr der Herr.Theresia erwiderte: „Darum hast Du auch nur so wenige.“
„Nichts soll dich beunruhigen; nichts ängstige dich. Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.“ 

 


Giovanni Gadenz, Diakon 

   

Wort des Monats September 2016

Christlicher Glaube in einer Krise?

Die Stimmung der westlichen Welt in Glaubenssachen erlebt eine Krisenzeit, meinen die Medien. Sie haben nicht Unrecht; es ist mit Daten belegt. Die Wirklichkeit des Glaubenslebens ist auch ein Beweis für die vielen Kirchenaustritte, die wir, egal aus welchen Gründen, zurzeit erleben. Man kann eigentlich von einer Glaubenskrise des Westens sprechen. Die Europäischen Länder distanzieren sich von den eigenen christlichen Werten bewusst oder unbewusst…

Ist es wirklich eine Gotteskrise, auch für die Kirche als Leib Christi? Hat die Kirche keine Zukunft mehr? Brauchen die heutigen Menschen Gott nicht mehr?

Ich sehe diese Tatsache umgekehrt. Es ist eine Krise der Menschheit, die eine Antwort für ihre eigenen innerlichen Bedürfnisse sucht. Die Menschen suchen überall auf der ganzen Welt. Sie suchen aber nicht mehr unbedingt die Glaubensgemeinschaft der Kirche. Der Mensch ist auf der Suche nach spirituellen Quellen, aber mehr in der globalen Welt des fernen Ostens und in anderen Kulturen der Erde. 

Es ist also nicht eine Krise Gottes. Es ist eine Krise der Menschen und des Bodenpersonals der Kirche, die Gott nicht mehr persönlich suchen und finden wollen. Eine Kirche, die nicht von der Liebe Jesu selber lebt, ist unfähig, für dürstende Menschen ein Tropfen Wasser, für hungernde Menschen ein Stück Brot, und für leidende Menschen Heil zu sein. 

Allein die Heilige Schrift und die Sakramente können uns als Quelle des Lebens dienen und Hilfe sein. Nur der gelebte Glaube kann Zeugnis ablegen. Nur eine betende Gemeinschaft kann in Christus verwurzelt bleiben. Es ist eine Krise der Getauften, die zu ihrem Herrn nicht finden oder ihre eigene Berufung als Kinder Gottes nicht erkennen. 

Es ist die Krise des Menschen, der in der Dunkelheit der Welt die Orientierung verliert. Es ist die Aufgabe der Kirche, leuchtende Lichttürme für die Welt zu sein. Und Kirche sind wir alle! 

Pfr. Donsy

Jesus Christus, der lebendige Stein: (1 Petrus 2,1-10)

1 Legt also alle Bosheit ab, alle Falschheit und Heuchelei, allen Neid und alle Verleumdung. 

2 Verlangt, gleichsam als neugeborene Kinder, nach der unverfälschten, geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt. 

3 Denn ihr habt erfahren, wie gütig der Herr ist

4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. 

5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.

6 Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, /einen Eckstein, den ich in Ehren halte; / wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. 

7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, 

zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. 

9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. 

10 Einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden. 

 

Wort des Monats August 2016

9. August: Fest der Heiligen Theresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein)

Oft hört man folgende Aussage: „Ja, früher, als die Heiligen lebten, war es viel einfacher, heilig zu werden. In unserer Zeit ist das praktisch unmöglich.“ Mit „früher“ ist meist die Frühzeit des Christentums gemeint, in der das Martyrium für die Christen an der Tagesordnung war, oder das Mittelalter, das auch grosse heilige Frauen und Männer hervorgebracht hat. Es wird aber vergessen, dass es daneben bei Gott bestimmt noch unzählig viele Heilige gibt, die nie kanonisch heiliggesprochen wurden, die aber aufgrund ihres Lebens einen besonderen Platz verdient haben. Und es gibt sie tatsächlich auch, jene grossen Heiligen aus unserer Zeit, die es aufgrund ihres besonderen Lebens oder Sterbens in den offiziellen Heiligenkalender gebracht haben.

Edith Stein (12.10.1891 – 09.08.1942) kam in Breslau zur Welt und wuchs in einer kinderreichen, streng jüdischen Familie auf. In Breslau und Göttingen studierte sie Philosophie, promovierte 1916 und wurde in Freiburg im Breisgau Mitarbeiterin des Philosophen Edmund Husserl. Nachdem sich Edith Stein mit dem Neuen Testament und mit den Schriften der Heiligen Teresa von Avila auseinandergesetzt hatte, liess sie sich im Alter von 31 Jahren taufen und konvertierte zum Katholizismus. In den nächsten Jahren wirkte sie als Lehrerin in Speyer und als Dozentin in Münster, bis ihr 1933 diese Tätigkeit von den Nationalsozialisten verboten wurde. 1933 trat Edith Stein in den Kölner Karmel ein und nahm den Namen Teresa Benedicta a Cruce (Teresia, die vom Kreuz Gesegnete) an; 1938 legte sie die Ewigen Gelübde ab. Um das Kloster und ihre Mitschwestern nicht in Gefahr zu bringen, übersiedelte sie an Neujahr 1939 in das holländische Kloster Echt. Ihre Schwester Rosa folgte ihr ein Jahr später dorthin und trat ebenfalls in den Karmeliterorden ein. Am 2. August 1942 wurden die beiden Schwestern von der Gestapo abgeholt und am 7. August nach Auschwitz deportiert. Bei ihrer Verhaftung sagte Edith zu ihrer Schwester: „Komm, wir gehen für unser Volk.“ Und die Mitgefangenen auf dem Weg in Konzentrationslager tröstete sie mit den Worten: „Was immer auch kommen mag, ich bin auf alles gefasst. Jesus ist auch hier mitten unter uns.“ Am 9. August starben Edith und Rosa Stein in der Gaskammer.  

Edith Stein wurde am 1. Mai 1987 von Papst Johannes Paul II. in Köln seliggesprochen. Die Heiligsprechung fand am 11. Oktober 1998 in Rom statt. 1999 wurde Edith Stein – zusammen mit der Heiligen Birgitta und der Heiligen Katharina von Siena – zur Patronin Europas erklärt.  

Giovanni Gadenz, Diakon 

 

 

Wort des Monats Juli 2016

22. Juli: Fest der Heiligen Maria Magdalena

Der Vatikan hat Anfang Juni 2016 den bisherigen „Gedenktag“ der Heiligen Maria Magdalena aufgewertet: zukünftig wird die römisch-katholische Kirche am 22. Juli die Heilige Maria Magdalena mit einem „Fest“ feiern. Dieser Schritt erfolgte einerseits auf Wunsch von Papst Franziskus und soll anderseits die Reflexion über die Würde der Frau in der aktuellen kirchlichen Umwelt vertiefen.

Bereits für Augustinus war Maria Magdalena die „Apostelin der Apostel“. Sie stammte aus dem Fischerdorf Magdala am Westufer des Sees von Tiberias (daher der Name Magdalena) und wurde von Jesus schon am Anfang seines öffentlichen Wirkens von sieben Dämonen befreit. Darauf begleitete Maria Magdalena mit anderen Frauen Jesus auf seinem Weg von Galiläa nach Jerusalem und unterstützte ihn und die Jünger mit ihrem Vermögen (Lk 8,1-3). Bis unters Kreuz stand sie treu bei ihm (Mk 15,40-41) und war auch bei seiner Grablegung anwesend (Mk 15,47). Am Ostermorgen kam sie als Erste zum Grab, um den Leichnam Jesu zu salben. So wurde sie zur Erstzeugin seiner Auferstehung und bekam von Jesus den Auftrag, den Jüngern diese Botschaft zu bringen (Joh 20,11-18; Lk 24,1-12; Mt 28,1-10; Mk 16,9-11).

Es gibt leider keine weiteren Angaben über das Leben von Maria Magdalena. Ihr Leben nach der Auferstehung Christi wird nur in Legenden erzählt. Was aber schon in frühchristlichen Zeugnissen nachgewiesen wird, ist ihr hohes Ansehen und ihre besondere Bedeutung in den frühchristlichen Gemeinden. Von verschiedenen Seiten wird sie als Patronin verehrt: von den Frauen, von den Magdalenerinnen, den reuigen Büsserinnen, den Schülerinnen und Studenten, von den Gefangenen und Verführten, von den Gärtnern, Winzern und Weinhändlern, von den Friseuren, Wollwebern, Bleigiessern und Parfümproduzenten, sie wird als Fürbitterin angerufen, wenn Kinder Gehschwierigkeiten haben, aber auch gegen Gewitter und Ungeziefer. 

Giovanni Gadenz, Diakon 

Wort des Monats Juni 2016

Herz-Jesu-Freitag und die Quelle der Liebe

Das Herz als Symbol der Liebe ist sehr bekannt und gleichzeitig innerste Mitte des Menschen. Ein Herz für etwas zu haben, heisst, Ganzhingabe im wahrsten Sinne des Wortes. Jesus will uns im Bild des guten Hirten zeigen, dass Er für uns sorgt und in seinem Innersten bereit ist, Sein Leben für uns einzusetzen. Herz- Jesu-Freitag ist eine Ausdrucksform des katholischen, spirituellen Lebens. Jesu Herz, als Quelle des Lebens und der Sakramente, ist für uns Sinnbild der göttlichen Liebe. Im Joh 19,34 können wir vom durchbohrten Herzen Jesu lesen. 

An gewöhnlichen Freitagen beten wir Jesus regelmässig eine Viertelstunde lang im Allerheiligsten unserer Pfarrkirche an und immer am ersten Freitag des Monats pflegen wir eine besondere einstündige Verehrung des Herzens Jesu. Immer wieder erfahren wir dabei, wie ER uns seine Liebe in der Stille, unterbrochen von oft zweistimmigen Lobgesängen und Lobpreisungen, spüren lässt. Mit tiefen Gefühlen verbringen wir diese Zeit intensiv mit dem Herrn. Diese Gefühle tiefen, inneren Friedens lassen sich vielleicht nicht gut beschreiben, man muss sie selber erfahren dürfen. Stille und Lobpreis müssen wir selber in unser Herz aufnehmen, indem wir es für die inneren Impulse Jesu öffnen. Jesus hat Sein Herz für uns weit offen und ist immer da, wenn wir IHN brauchen.

Diesen ersten Freitag des Monats, am 3. Juni, feiern wir ein Hochfest, das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Der Herr ist immer für mich da und ich darf mich von dieser Quelle immer wieder sättigen und Trost finden. Dies wäre eigentlich die Lösung für alle unsere Sorgen und da findet jeder einen festen Platz. In Seinem Herzen verborgen, darf jeder Mensch Heil erhoffen und im irdischen Leben mehr Mut und Liebe am eigenen Leib erfahren.

Doch wer begreift diese totale Hingabe und Liebe des Hirten wirklich? Doch wohl zuerst derjenige, der, wie das verlorene Schaf, von ihm aus Not und Angst gerettet wird. Wer als glaubender Mensch im Herzen spürt, wie sehr er in seiner Verlorenheit erlösungsbedürftig ist, der ist auf dem Weg, die grenzenlose Liebe und Hingabe des guten Hirten zu erkennen, sie anzunehmen und seine Liebe zu erwidern. 

Dazu lade ich Sie/Euch an diesen ersten Freitagen jeden Monats zu einer Gebetsstunde ein und wünsche allen Seine unbegrenzte und barmherzige Liebe. 

Ihr/Euer Pfr. Donsy



Wort des Monats Mai 2016

Die Unruhe von Pfingsten

Sturmwind und Feuer sind in der Pfingstgeschichte die Begleiterscheinungen und Symbole des Heiligen Geistes. Es sind unheimliche Elemente, denn was sie ergreifen, lassen sie niemals an seinem Ort und im bisherigen Zustand. Wer wahrhaft glaubt, dass der Heilige Geist die schöpferische Kraft Gottes ist und in diesem Glauben um das Kommen dieses Geistes bittet, ruft eine göttliche Störung herbei und hält sich bereit, dass Gott ihn stört in seinem „Besitz“, in seinen Gewohnheiten, in seinem Denken, wenn diese nicht mehr dafür taugen, ein Gefäss der heilsamen Unruhe und der aufregenden Wahrheit zu sein. Wer also sagt, „Komm, Heiliger Geist“, muss auch bereit sein zu bitten: Komm und störe mich, wo ich gestört werden muss!

Weil wir diese Unruhe, diese Erneuerung durch den Geist Gottes ersehnen, beten oder singen wir an Pfingsten in der Sequenz (KG 483) um das Kommen und um das Wirken des Heiligen Geistes in uns und in unserer Welt:

Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreisst, 
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,

in der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht, 
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem giesse Leben ein, 
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja. 

Giovanni Gadenz, Diakon 

 

 

Wort des Monats April 2016

Auferstehung und das Neue Leben

Nach einer langen Vorbereitungszeit von 40 Tagen, haben wir das grösste Fest unseres Glaubens gefeiert- das Osterfest. Es scheint, als sei die Welt dabei, jetzt langsam Abschied von Ostern zu nehmen.

Ostern hat aber erst begonnen. Die Glaubensgemeinschaft – die Kirche feiert weiterhin Ostern. In der Osterzeit hat das Neue Leben mit dem Auferstandenen nur begonnen. Die 50 Tage der Auferstehung bis zum Pfingstfest feiert die Kirche als eine Einheit, als einen einzigen „grossen Sonntag“. 

Am Osterfest hat der Mensch eine neue Taufe empfangen. Durch sein Sterben und seine Auferstehung hat der Sieger am Kreuz uns erneuert und uns neues Leben und neue Würde geschenkt. Diese Taufe ermöglicht uns ein neues Leben als Töchter und Söhne Gottes.

Am Weissen Sonntag empfängt das Menschenkind erstmals das Unterpfand des ewigen Lebens, das uns durch den menschgewordenen Gottessohn verheissen wurde. Die Heilige Eucharistie ermöglicht uns die Teilnahme am Leiden, Sterben und der Auferstehung des Erlösers. Er gibt sich selbst als Speise dar für unser Leben mit Ihm in Ewigkeit. 

An Pfingsten empfangen wir den Heiligen Geist, die Stärkung für unser Leben als Kinder Gottes in dieser Welt. Von diesem Geist erfüllt sind wir nicht nur Menschenkinder allein. Wir erben die Kindschaft Gottes, gemeinsam mit unserem Bruder und Herrn Jesus Christus, und werden so zu Mitarbeitern des Reiches Gottes.

Wie viele Christen sind sich dieser Würde bewusst? Was hat mir dieses Initionssakrament Gottes geschenkt? Was tue ich für die Vertiefung meines Glaubens? Was bedeuten diese Ostertage für mein geistiges Leben? Wie ernst nehme ich meine Sendung als Christ in der heutigen Welt? 

Ich wünsche Ihnen/Euch viel Freude am Glauben und einen freudenreichen Glaubensweg!

Euer Pfr. Donsy

 

 

Wort des Monats März 2016

Identität unseres Christseins- 

Hirtenbrief unseres Bischofs Felix Gmür

In einem sehr schönen und zum christlichem Leben erweckenden Hirtenbrief von Bischof Felix haben wir unsere Fastenzeit begonnen und am Ende des Monates März feiern wir bereits Ostern. Mit diesem höchsten Fest des Christentums lasst uns doch zu Herzen nehmen, was und wer wir Getaufte sind. Falls wir uns noch keine Gedanken zu dieser Thematik gemacht haben, so befinden wir uns doch in einer sehr wesentlichen und prägenden Zeit, um über uns selbst nachzudenken: Wie steht es mit meiner eigenen, ganz persönlichen und überzeugten Identität als Christin und Christ?

Die Flüchtlingswelle in Europa fordert uns Menschen in Europa heraus. Auch hier in der Schweiz macht sich die Stimmungslage für oder gegen die Integration anderer Kulturen und Religionen bemerkbar. Diesbezüglich habe ich neulich während einer Diskussion die   Äusserung eines jungen Mannes gehört: „Ich will für meinen Glauben kämpfen“. Ich durfte fragen, was er unter „kämpfen“ verstehe?  Seine Antwort lautete: „Gegen diese Glaubensrichtungen, die jetzt langsam Europa erobern und uns die Freiheit rauben“. Angst und Sorge wachsen zurzeit auch in unserem Land! Ein Kampf mit Gewalt ist aber nie der richtige Weg. Wir werden herausgefordert, den Kampf mit unserer eigenen christlichen Identität zu führen, das heisst, diese zu beleben. Das wäre eine realisierbare Möglichkeit. Nicht mit Gewalt, sondern mit Überzeugung und unserem persönlichen Glaubenszeugnis. Wir können nur unser eigenes Leben ändern. Unsere Gebete und guten Werke strahlen beispielhaft unsere christliche Identität wider.Wovor haben wir eigentlich Angst? Welche Kultur würde Europa verlieren? Ist unsere Angst gerechtfertigt? Wo ist meine mit der Taufe begonnene, christliche Identität? Ein spiritueller Weg des Kampfes mit Leib und Seele ist angesagt in diesen Tagen der Fastenzeit und auch erneute Hoffnung auf ein neues, ewiges Leben. Dahin will uns Christus, der Sieger über Leiden und Tod, zum vollen Leben auf Ostern hinführen. 

Ich wünsche Ihnen besinnliche und fruchtbare Tage und eine hoffnungsvolle Neuentdeckung unserer Identität als Christin und Christ für ein neues Europa, das fest verwurzelt im Glauben steht.

Ihr/Euer Pfr. Donsy

Wort des Monats Februar 2016

Fastenzeit – wozu?

Mit dem Aschermittwoch beginnt die vierzigtägige Fastenzeit, unsere Vorbereitungszeit auf die Feier des Todes und der Auferstehung Christi. Der eigentliche Sinn dieser Vorbereitung geht jedoch weit über das blosse Fasten hinaus: es geht nicht nur um weniger essen und trinken, sondern darum, dass der ganze Mensch frei und gesund werde, dass er sich selbst wieder finde, dass er einübe und verwirkliche, was er in der Taufe geworden ist. Wir sind also aufgerufen, neue Menschen zu werden, in denen Christus sichtbar wird. Das Ziel dieser Vorbereitungszeit können wir darum als „Erneuerung unserer Freundschaft zu Gott“ bezeichnen. Wie jede Freundschaft muss auch sie gepflegt werden. So wie wir Gott unendlich viel wert sind, so wichtig soll uns die Freundschaft mit Gott sein. 

Fasten ist nur der eine Aspekt in dieser Vorbereitungszeit, Umkehr und Busse sind weitere wichtige Gesichtspunkte, die unsere Beachtung verlangen. 

Am Anfang der Fastenzeit steht der Aschermittwoch. Im Zeichen der Asche will er uns an die Endlichkeit des Lebens erinnern. Wir sollen uns auf den Abschied, auf die Vergänglichkeit und den Tod besinnen und darum umkehren und zu einer neuen Lebenseinstellung finden. Den wahren Sinn der Fastenzeit werden wir von Ostern her verstehen, wenn wir als Getaufte das Fest unserer Rettung und das Fest des Lebens feiern. 

Uns allen wünsche ich eine gnadenreiche Zeit, in der wir die Freundschaft mit Gott rege und ganz bewusst pflegen. Möge uns Gott die nötige Kraft, Entschlossenheit und Ausdauer für eine umfassende Vorbereitung schenken.

Giovanni Gadenz, Diakon 

 

 

Wort des Monats Januar 2016

Willkommen 2016!

Jedes Jahr schenkt uns wieder neue Möglichkeiten. Ein Rückblick des Jahres 2015 war in diesen Tagen immer wieder auf verschiedenen Sendungen im Fernsehen zu sehen. Manches wurde uns mit Schrecken noch einmal ins Gedächtnis gerufen. Einige schöne Erlebnisse hingegen bleiben noch jetzt in freudiger Erinnerung haften. Doch was hat es mir persönlich gebracht?  Und was bringt mir 2016 noch Neues und Schönes? 

Vielleicht haben wir bereits Vieles vorgenommen und hegen die grosse Zuversicht, dass alles sehr positiv verläuft im neuen Jahr. Einzelne Entscheidungen stehen an. Finanzielle Ziele setzen die Firmen und Finanzinstitute für das Jahr 2016. Die Länder hoffen auf einen erfolgreichen Kurs der Wirtschaft. Sportler setzen neue Ziele. Verschiedene Anstrebungen sind überall spürbar. Eigentlich sollte dies alles die Menschen glücklich machen. 

Diese Zielsetzung des Glücklichmachens ist jedoch fragwürdig. Was für ein Ziel habe ich eigentlich? Machen mich all diese Bemühungen schlussendlich wirklich glücklich? Ist all dies die grösste Freude, die ich erwarte in meinem persönlichen Leben?

Wir haben gerade erst Weihnachten gefeiert. Das Wort ist Fleisch geworden, der menschgewordene Gott setzt sich ein für ein neues und ewiges Leben für uns Menschen, für ein Leben in Fülle.  Er hat gelebt als normaler Mensch – nicht irgendwo, sondern bei uns, Gott selbst wohnte und wohnt noch heute unter uns. Er sagt Ja zu uns und geht unseren Weg mit. Dieser Zusage dürfen wir auch im Jahr 2016 vertrauen. Das Ende von 2015 schenkt uns diesbezüglich einen neuen Anfang.

Was gibt es Schöneres, als glauben zu dürfen: Jesus, das menschgewordene Wort begleitet uns – in seinem Wort, in der Heiligen Kommunion, mit seinem Segen und Er setzt uns das wahre Ziel: Bei Ihm zu sein und mit Ihm eins zu sein. Was brauchen wir mehr?

Ihr Pfarrer Donsy

 

 

Wort des Monats Dezember 2015

Gloria in excelsis Deo!

An allen Sonntagen und Festen ausser in der Advents- und Fastenzeit stimmen wir in der heiligen Messe in den Lobgesang der Engel ein (Lk 2,14), die den Hirten die Geburt Jesu verkündet hatten. Mit diesem frühchristlichen Hymnus, der zu allen Zeiten ein hohes Ansehen hatte, bekunden wir unsere Freude an den dreifaltigen Gott. Das Gloria wurde schon gesungen, bevor die Psalmen zum eigentlichen Liederbuch der Kirche wurden. Nach Möglichkeit soll das Gloria immer gesungen werden, es kann durch ein Gloria-Lied ersetzt werden, nicht aber durch ein beliebiges Loblied.

Nach dem einleitenden Lobgesang der Engel „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ folgt im ersten Teil ein Lobgesang auf den Vater und den Sohn. Der zweite Teil ist ein begeisterter Christushymnus: Jesus Christus wird als Mensch gewordener Sohn des Vaters gepriesen, als Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt und zur Rechten des Vaters sitzt. Der Lobpreis geht über in das Bekenntnis: „Du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste...“ – eine klare Abgrenzung vom damaligen Kaiserkult – und endet mit der trinitarischen Formel „..Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters. Amen.“

Warum aber wird das Gloria in der Advents- und Fastenzeit nicht gesungen? In der Adventszeit soll sein Ausbleiben unsere Sehnsucht und Erwartung steigern, bis sich in der Heiligen Nacht die Botschaft des Mensch gewordenen Heilands als Wirklichkeit offenbart. Dieser Moment der Freude, damals in der Nacht auf dem Hirtenfeld, soll auch für uns in der Heiligen Nacht der Grund sein, mit in den Lobgesang der Engel einzustimmen.

Ebenso lassen wir den Hymnus in der österlichen Busszeit ausfallen, was dem Charakter der Fastenzeit ebenfalls entspricht. Umso heller und freudenvoller soll er dann wieder in der Osternacht erklingen, wenn wir den Sieg Christi über Tod und Dunkelheit feiern.  

Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

Wort des Monats November 2015

Glauben an das ewige Leben und das Leben auf Erden

Wir sind eine Gemeinde, versammelt um den Altar unseres Herrn. Wir wollen Sein Wort hören und mit der Stärkung durch Sein Sakrament unser Leben neu gestalten ganz in Seinem Sinne.

Christlich leben ist heute nicht weltfremd. Freudig den Glauben leben und diese Freude mit  anderen teilen, das ist das Ziel unseres Gemeindelebens. Ich glaube, wir haben diese Freude in unserer Gemeinschaft der Glaubenden in St. Peter und Paul, Utzenstorf. Deshalb darf ich Sie/Euch in unsere Gemeinschaft einladen, um an diese Freude am Glauben teilzunehmen. 

Diese Gemeinschaft leben ist manchmal gar nicht so leicht, denn viele Dinge des Alltags beeinflussen unsere Entscheidungen und unser Tun. So ist es umso wichtiger, in dieser Feier der Gemeinschaft Zeit zu haben, unserem Leben Richtung und Ziel zu geben. Zu Jesus, der unsere Mitte ist, schauen wir.

Die Botschaft Jesu könnte heute so verstanden werden: Lebendiger Glaube erblüht durch die Liebe und handelt mit Gerechtigkeit. Es kommt drauf an, lebendig und dynamisch zu bleiben und in hoffnungsfroher Liebe den Glauben zu beflügeln.

Eine wesentliche Frage für mich persönlich ist: „Was kann ich mir heute vornehmen, damit mein Glaube und meine Liebe zur Hoffnung für jemanden wird?“

Pfarrer Donsy

 

Wort des Monats Oktober 2015

Vorbei ist die Hitze des Sommers, höchstens in unserer Erinnerung wirkt sie noch nach und in den süssen Früchten an den Bäumen, an den reifenden Früchten des Feldes. Ein mildes Licht leuchtet in die kürzer werdenden Tage und eine klare Luft hat sich über Berg und Tal gelegt. Wir sind eingeladen, in Ruhe die herbstlichen Farben zu bewundern, dankbar teilzunehmen an dieser Verwandlung der Schöpfung, die auch uns selber mitnimmt auf den Weg hin zur Vollendung und Erneuerung. Natur und menschliches Schicksal – alles hat Gott auf ähnliche Weise wohl geordnet. 

Das folgende Gebet kann uns in unseren herbstlichen Betrachtungen unterstützen und dabei Worte schenken, wo wir selber vielleicht sprachlos wären.


Giovanni Gadenz, Diakon 

Herbst

Sanft leuchtet und wärmt die Sonne durch den Dunst.
Eine Stille liegt in der Luft und durchzieht die Wälder.
Ein braunes Blatt torkelt vom Busch und liegt zu meinen Füssen.
Es ist Herbst!

Eine eigene Sprache hat der Herbst in seinem weichen Licht,
in den Blättern, die noch einmal farbigst aufleuchten
um dann zu fallen.
Auf die Erde zu fallen, auf die Mutter Erde.

Wir nennen dieses Spiel, diesen Wandel: Vergänglichkeit,
Verwesung, Sterben.

Doch liegt nicht in allem, was Herbst ist, ein Keim
neuen, kommenden Lebens?
Da ist ein sich Vorbereiten in den Wurzeln, Stämmen, Aesten;
über den Winter hinaus auf den Frühling und Sommer!
Mitten im herbstlichen Vergehen: das neue Leben wird kommen,
so sicher, wie das braune Blatt vor meinen Füssen liegt.

Du hast das gewollt und geschaffen, Du Schöpfer, Du Gott.
Lass uns eintauchen in den Sinn dieses Herbstes:
Er ist der Weg zum kommenden Leben.

Und wenn ich im Herbst des Lebens stehe,
Das neue, kommende, strahlendere Leben ist mir gewiss.
Es ist mir gewiss in IHM, der den Tod am Kreuz auf sich nahm,
damit unser Tod nur ein Durchgang werde.
Ein Durchgang zur Fülle, zu Deiner Liebe, zum ewigen Leben,
so wahr, wie dieses braune Blatt zu meinen Füssen liegt.

Dank sei Dir für den Herbst:
Du Leben, Du Liebe, Du Grund meiner Hoffnung!

AMEN

Franz Stauber, Gebete aus der Tiefe
Bistum Basel, 2005

 

 

Wort des Monats August 2015

15. August: Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

Die Apostolische Konstitution „Munificentissimus Deus“ vom 1. November 1950 enthält das von Papst Pius XII. verkündete Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel. Diese Glaubenslehre erklärt, „...dass die Unbefleckte Gottesgebärerin und immerwährende Jungfrau Maria nach Vollendung des irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“ Damit hat die Kirche die Jahrhunderte alte Ueberzeugung der Gläubigen bestätigt, Gott habe Maria aufgrund ihrer engen Verbindung mit Christus nach dem Tod als erste die endgültige Vollendung des Menschen in Christus geschenkt. „Deshalb hat es die erhabene Mutter Gottes [...] schliesslich als höchste Krone ihrer Vorrechte erlangt, dass sie von der Verwesung des Grabes unversehrt bewahrt wurde und dass sie, wie schon ihr Sohn, nach dem völligen Sieg über den Tod mit Leib und Seele zur erhabenen Herrlichkeit des Herrn emporgehoben wurde, wo sie zur Rechten eben dieses ihres Sohnes, des unsterblichen Königs der Zeiten, als Königin erstrahlen sollte.“

Die Vorstellungen darüber mögen heutzutage unterschiedlich sein. Doch die Aussage ist klar: Der ganze Mensch, nicht nur ein Teil von ihm, ist zur Erlösung bestimmt. Der Mensch – als Einheit von Leib und Seele – wird auch im Tod seine persönliche Identität bewahren. Darum kann Maria für uns das Hoffnungsbild sein, das uns zeigt, was wir alle einst erwarten dürfen, wenn wir nach ihrem Vorbild leben: Auch wir werden einmal so von Gott mit seiner unendlichen Liebe in die Arme genommen werden, damit er sich uns ganz schenken kann.    

Giovanni Gadenz, Diakon 



Wort des Monats Juni 2015

27. Juni 2015: Einweihung des neuen Pfarreisaals am Pfarreifest

Wenn die Arbeiten am Umbau unseres Pfarreisaals auch in der letzten Phase so planmässig voranschreiten wie bisher, dann steht am 27. Juni der Einweihung unseres neuen Saals mit Küche nichts im Wege. Was lange geplant und berechnet wurde, was mit Fleiss und Können, aber auch mit Lärm, Staub und einigen Behinderungen für den Pfarreialltag errichtet wurde, tritt von Tag zu Tag besser und schöner in Erscheinung und kann sich nun sehen lassen. In Dankbarkeit und mit Freude dürfen wir der Einweihung der neuen Räume entgegensehen.
Die Räume einer Pfarrei sind nicht nur Orte menschlicher Begegnung, sie stehen gleichzeitig auch im Dienste der Verkündigung und der Diakonie, tragen so auch bei am Aufbau von Gemeinschaft und fördern die Begegnung der Menschen mit Gott. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).

Segensgebet: Herr, unser Gott, am heutigen Tag haben wir allen Grund, dir zu danken. Diese Räume, die heute ihrer Bestimmung übergeben werden, sollen uns helfen, deinen Auftrag zu erfüllen. Gib ihnen deinen Segen und hilf, dass alles, was in diesem Haus geschieht, dem geistlichen Wachstum deiner Gemeinde dient. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
      
Giovanni Gadenz, Diakon 

 

 

Wort des Monats Mai 2015

1. Mai: Hl. Josef, der Arbeiter

Seit etwa 120 Jahren wird der 1. Mai als „Tag der Arbeit“, als „Maifeiertag“ oder als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ bezeichnet. In vielen Ländern ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag.
Als Reaktion auf die meist sozialistisch ausgerichtete Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts hat Papst Pius XII. im Jahr 1955 den 1. Mai zum Gedenktag für Josef, den Arbeiter, erklärt. Als Bräutigam Mariens und Nährvater Jesu war Josef selber  Bauhandwerker und gilt traditionell als Patron der Arbeiter. Mit diesem Gedenktag bekam der Weltarbeitertag einen christlichen „Mehrwert“, der sowohl die Würde des arbeitenden Menschen unterstreicht wie auch die moderne Gesellschaft ermahnt, sich für den sozialen Frieden einzusetzen.  Es ist ein schönes Zeichen, dass die Kirche am ersten Tag des Marienmonats Mai auch deren Bräutigam Josef ehrt.    

Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

 

Wort des Monats April 2015

Die Heilige Woche - Eine Woche, gemischt mit Hosanna, Trauer und Sieg
Wir feiern den Palmsonntag mit Hosanna, aber gleichzeitig startet die Karwoche mit der Leidensgeschichte Jesu. Es geht wirklich um Leben und Tod. Das Geheimnis unseres Glaubens wird wiederbelebt. Wir wollen wieder neu beginnen.
Wir hören in diesen Tagen so viele Gespräche über unseren Glauben und die Kirche, besonderes über die Katholische Kirche in der Schweiz. Es wird sehr viel über Strukturen, mangelnde Berufungen, das Frauenpriestertum, den Segen für gleichgeschlechtliche Paare und über verheiratete Priester diskutiert. Die Kirche wird sehr schnell kritisiert, besonders von Leuten, die vom Glauben der Kirche keine grosse Ahnung mehr haben. Ein Grossteil der getauften Christen steht der Kirche ziemlich gleichgültig gegenüber. Eine kleine Gruppe ‚Neuzeit-Theologen‘ will Neuerungen versuchen oder die Kirche auf die Probe stellen. Dazwischen steht eine bedeutende Zahl hilflos Gläubiger herrenlos und verwirrt in der Wüste der Glaubenskrise. Eine Kerngruppe Gläubiger bleibt überzeugt im traditionellen Glauben stehen. So könnte ich aus meiner Sicht die heutige Kirche in unserem Land beschreiben. Ein Land, das über viele Generationen Glaubenstreue hinweg und seinen Missionaren, der Welt Segen gebracht hat!
Worüber diskutieren wir eigentlich? Alle möglichen Struktur- und Personalveränderungen sind sicher ein Thema. ABER DER GLAUBE VERSCHWINDET. Christliche Werte werden verachtet, die Lehre der Kirche wird lächerlich gemacht und die Wahrheit verleugnet. Wohin führt dies alles? Was ist die Rolle der Kirche als Leib Christi und als Instrument des Heiles in der heutigen Gesellschaft? Warum sind wir so schüchtern und zurückhaltend, die Wahrheit auszusprechen?
Oder sind wir in einer ähnlichen Zeit wie die falschen Propheten mit ihren Falschaussagen und Lügen, welche die Leute mit leeren Weissagungen getröstet haben? ( Jer 23, 21-22, 25-32; Jer 28,1-17)
Wenn wir vom christlichen Glauben sprechen, geht es immer um einen radikalen Weg. Es gibt nicht einfach ein bequemes Leben in der Kirche. Der Herr fordert uns heraus. Wie die Jünger auf seine Lehre reagiert haben, lesen wir im Johannesevangelium: “Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“ (Joh 6,60); Darauf zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Joh 6, 66-67).
Viele haben ihn verlassen. Aber Petrus antwortete ihm: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6, 68-69).
Es geht auch nicht um die Mehrheit der Meinungen und ihre Lautstärke, sondern um die Treue zum Hernn und seiner Lehre und natürlich um das Zeugnis und die Aufrichtigkeit unseres Glaubens und Lebens. Dem Herrn und seinem Volk dienen heisst, die Wahrheit zu verkünden und die Heilung zu bringen.
„Himmel und Erde werden vergehen. Doch meine Worte werden nicht vergehen“ (Mk 13, 31).
Der Herr hat uns das ewige Leben verheissen. Ostern ermöglicht uns diesen Weg. Aber ohne Karfreitag gibt es kein Ostern. Trotz aller drohenden Situationen in der Kirche wollen wir aber eine Auferstehung erwarten: Jesus spricht: „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 20b).
Eine Auferstehung des Glaubens ist dringend nötig für unsere Schweiz. Damit wir auf ewig leben mit Christus, unserem Erlöser, Sieger und König. Halleluja!

Ein frohes und hoffnungsvolles Osterfest wünscht Euch allen
Euer Pfr, Donsy

 

 

Wort des Monats März 2015

Damit wir das ewige Leben haben

„Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn – wenn fasten, dann fasten“, soll die heilige Theresa von Ávila ausgerufen haben. Damit wollte sie sagen: Alles hat seine Zeit – und alles zur rechten Zeit. Seit dem Aschermittwoch bereiten sich Christen in besonderer Weise auf das höchste Fest vor. Von Ostern her bestimmt sich, was zu tun oder auch zu lassen ist: Wasser oder Wüste; weitermachen wie bisher oder umkehren wie noch nie.

Die Fastenzeit als Zeit der Buße und Umkehr ist eine Einladung Gottes und wir gehen damit einen Weg, an dessen Zielpunkt das bedeutendste Fest der Christen steht: Die Auferstehung unseres Herrn, Ostern. Es ist eine Zeitspanne, die besonders unter Gottes Wort stehen soll. Auf diesem Weg sind wir nicht allein sondern wir sind mit Gott unterwegs.

Bei der Eröffnung des Pastoralraums am 1. März hörten wir die Predigt von Bischof Felix mit dem Zitat aus Paulusbrief an die Römer : „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? (Röm 8, 31b)“  Das ist eine rhetorische Frage. Denn wenn Gott für uns ist, kann kein Gegner uns wirklich schaden. Damit äußert sich Paulus ganz im Sinne Jesu: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“ (Mt 10,28).

Mut machendes Beispiel Jesu, dass Gott auf unserer Seite steht, beweist Paulus mit dem Hinweis auf Jesus, besonders auf den Kreuzestod Jesu: Gott „hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben“.
Damit stimmt Paulus ganz mit dem Johannesevangelium überein: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder … das ewige Leben hat“ (Joh 3,16).
Gott ist nicht nur für uns, sondern er teilt uns auch großzügig seine Gaben aus. Er will uns „alles schenken“ (Röm 8,32). Da stockt einem der Atem. Für Paulus hängt das damit zusammen, dass wir Kinder Gottes sind: „Sind wir aber Kinder, dann auch Erben.“ (Röm 8,17).

Ich wünsche allen eine fruchtbare Fastenzeit und gute Vorbereitung auf das Höchste Fest der Auferstehung.

Pfr. Donsy

 

Wort des Monats Februar 2015

Hl. Matthias, Apostel

Fest: 24. Februar
Matthias (hebräisch: Geschenk Gottes) lebte im 1. Jahrhundert. In der Apostelgeschichte lesen wir (Apg 1,15-26), wie Matthias nach der Himmelfahrt Jesu durch das Los in den Kreis der Apostel berufen wurde, um an die Stelle des Verräters Judas Iskariot zu treten. Matthias war die ganze Zeit bei Jesus und den Aposteln gewesen, von der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer am Jordan bis zum Tage seiner Aufnahme in den Himmel. Damit erfüllte er die Voraussetzung, um Zeugnis von Jesus und seiner Auferstehung zu geben. Ueber sein Leben ist wenig überliefert: zunächst missionierte Matthias eifrig und mit Inbrunst in Judäa, dann in den Gebieten, wo nur Heiden lebten, bis hin nach Aethiopien. Vermutlich um das Jahr 63 soll er dort den Tod erlitten haben, darüber gibt es verschiedene Ueberlieferungen. Zuerst soll er von den Heiden gesteinigt und dann mit einem Beil erschlagen worden sein.

Der Trierer Bischof Agritius soll Anfang des 4. Jahrhunderts die Gebeine des Heiligen, ein Geschenk der Kaiserin Helena, nach Trier gebracht haben, wo sie seit 1127 in der Benediktinerabtei St. Matthias bis heute verehrt werden. Sein Grab ist das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen. Die Kirche S. Maria Maggiore in Rom besitzt das berühmte Matthias-Kopfreliquiar und auch in S. Giustina in Padua sollen Reliquien des Heiligen aufbewahrt werden.
Um den Apostel Matthias hat sich ein vielfältiges Brauchtum entfaltet: traditionelle Wallfahrten zu den Reliquien, Matthias als beliebter Taufname und Bestandteil von Familiennamen, als Wetterheiliger – der Matthias-Tag gilt auch als Vorbote des nahenden Frühlings. Auf den wenigen Abbildungen, die es von ihm gibt, wird Matthias als Apostel mit Buch und Rolle dargestellt, oder mit Marterwerkzeugen wie Beil, Schwert, Lanze oder Steinen. Er ist Patron des Bistums Trier und verschiedener Städte in Deutschland sowie von Berufen wie Bauhandwerker, Metzger, Zuckerbäcker, Schmiede und Schneider. Auch wird er bei verschiedenen Krankheiten angerufen.

Giovanni Gadenz, Diakon

 

Wort des Monats Januar 2015

Ein Jahr in Seiner Gnade

Wieder ein neues Jahr! Januar ist ein Monat, in dem wir sehr vieles neu beginnen, neue Entscheidungen für das Leben treffen, mit neuer Hoffnung nach vorne blicken, auch Feierlichkeiten und viel Freude haben. Das Neujahr wollen wir eigentlich neu gestalten und hoffen, dass es immer wieder lichtvoller und segensreicher wird. So kommen viele Menschen in die Kirche, auch um das neue Jahr mit Gottesgnade zu beginnen.
In der Kirche beginnen wir am 1. Januar mit dem Hochfest der Mutter Gottes. Mit Maria natürlich sind wir auf dem richtigen Weg, die Erzieherin und Begleiterin des Mensch gewordenen Gottessohnes auf der Erde.

Wir begehen noch ein Hochfest bald danach, am 6. Januar (im Kanton Bern am Sonntag) „Epiphanie“ oder „Erscheinung des Herrn“. Selbstoffenbarung Gottes vor den Menschen aller Welt. Die drei Weisen aus dem Morgenland wissen von der Menschwerdung Christi und sie suchen den Herrn und finden Ihn und huldigen Ihm.

In der Adventzeit haben wir uns vorbereitet für die Menschwerdung Christi. Zu Weihnachten feierten wir die Menschwerdung Christi. Die ganze Welt hat Weihnachten gefeiert. Deshalb kommen jetzt sogar von fernen Osten die Weisen. Das Hochfest der Epiphanie ist die gute Botschaft für das Neujahr auf unseren weiteren Wegen. Unsere Sternsinger bringen diese Friedensfrohbotschaft auch in unsere Häuser. Sie soll weiter verkündet werden.

Dieses Sich auf den Weg machen“ ist ein guter Start für uns ins Neujahr. Mit der Gnade und im Licht des Herrn finden wir den richtigen Weg im Neuen Jahr.

Ich wünsche Ihnen/Euch am Anfang des neuen Jahres den Priestersegen aus dem Buch Numeri:
„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil“ (Num 6,23-26)

Ihr/Euer
Pfr. Donsy

 

Wort des Monats Dezember 2014

Rorate caeli desuper...

Rorate-Messen oder Rorate-Lichtfeiern haben in der Adventszeit in vielen Pfarreien einen festen Platz. Ursprünglich waren dies Votivmessen zu Ehren der Gottesmutter Maria, die nur an den Samstagen gefeiert wurden, an manchen Orten jedoch an allen Werktagen des Advents. In manchen Gegenden wurden sie auch Engelsmessen genannt, dies wegen des Evangeliums von der Verkündigung des Herrn durch den Engel Gabriel.
Ein Anliegen der Liturgiereform von 1969 war, diese Marien-Messen klar von der eigentlichen Adventsthematik zu unterscheiden. So wurde der Akzent der Rorate-Messen wieder stärker auf die Erwartung des Herrn gesetzt. Mit dem Eröffnungvers des 4. Adventssonntags, dem Ruf „Rorate caeli desuper, et nubes pluant justum.“ (Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten!) drückt das Volk Gottes seine sehnsüchtige Erwartung auf die zweite Ankunft des Herrn in Herrlichkeit am Ende der Zeit aus. Wegen der Eigentexte der Messen vom 17. bis 23. Dezember sollen nach dem 16. Dezember keine Rorate-Messen mehr gefeiert werden.
Neben vielen Kerzen und meditativen Elementen hat in den Rorate-Messen auch der Wechselgesang „Rorate caeli desuper“ (KG 300) seinen eigentlichen Platz. Vier Strophen werden von einer Schola (lateinisch, nach einer gregorianischen Melodie) gesungen und der Kehrvers vom Volk mitgesungen. Leider sind die Strophen in deutscher Sprache nicht singbar. Der gesamte Text beruht auf Worte des Propheten Jesaja.

Kv. Tauet, Ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten! (Jes 45,8)

1. Herr, zürne nicht länger und gedenke nicht mehr unserer Missetaten.
Siehe, die heilige Stadt ist zur Wüste geworden,
Zion ist verlassen, Jerusalem verödet, unsere heilige Stätte,
wo du verherrlicht wirst, wo dich gepriesen haben unsere Väter. (vgl. Jes 64,8-10) Kv.  

2. Wir sind unrein geworden und haben gesündigt.
Wir sind abgefallen wie dürres Laub, beladen mit Schuld;
und unsere Missetaten haben uns wie ein Sturmwind hinweggefegt.
Du hast dein Angesicht von uns abgewendet
und uns zerschmettert durch die Wucht unserer Sünde. (vgl. Jes 64,5-6) Kv.  

3. Sieh an, Herr, deines Volkes Jammer und sende, den du senden willst.
Entsende das Lamm, den Beherrscher der Erde,
vom Felsen der Wüste zum Berg der Tochter Zion,
dass es von uns hinwegnehme das Joch unserer Knechtschaft. (vgl. Jes 16,1) Kv.  

4. Tröste dich, mein Volk, tröste dich. (vgl. Jes 40,1) Bald wird kommen dein Heil.
Warum verzehrst du dich in Trauer, warum ergreifen die Schmerzen dich von neuem?
Ich rette dich, fürchte dich nicht!
Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Erlöser. (vgl. Jes 43,3) Kv.  
 
Der Prophet Jesaja will dem Volk Israel die Augen öffnen für den neuen Weg, auf dem Gott selber sein Volk aus Fremde und Unterdrückung in die Heimat und damit in die Freiheit führen will. Ebenso möchte der Advent auch uns die Augen öffnen für das grosse Geschenk, das Gott für uns bereithält: seine Zuwendung, Barmherzigkeit und Liebe.

Giovanni Gadenz, Diakon

 

Wort des Monats November 2014

Hoffnung des Ewigen Lebens

Wir haben wieder ein Allerheiligen und Allerseelen im November. Die schönen Gedanken dieser Tage sind, dass wir viele Vorbilder für unser christliches Leben durch das Leben der Heiligen haben; dass wir überhaupt so ein heiliges Leben wagen und anstreben dürfen. Die Heiligen waren einmal normale Menschen wie wir und haben versucht, ihr Leben nach dem Evangelium zu gestalten. So bieten sie uns viele verschiedene Formen der Einsetzung des Evangeliums an und haben es selbst im eigenen Leben ausgeübt. Sie sind die Zeugen des Evangeliums und die Ermutigung für unser christliches Leben heute.
Allerseelen erinnert uns an unsere eigene Zukunft nach dem Tod und auch an die lieben Menschen, die wir oft als ‚Verlust‘ von dieser Welt bezeichnen. Im Glauben an Christus und die Auferstehung ist aber ein ‚Tod‘ für uns Christen, nur eine Wende von diesem irdischen Leben und die Hoffnung für ein neues Leben mit Gott in Ewigkeit. So erfahren wir Barmherzigkeit und Liebe Gottes. Somit ist dieser Tag ein Hoffnung gebender Tag, für alle unsere Verstorbenen aber auch für uns Lebende, die für sie beten. Es ist ein gewisses ‚Miteinandersein‘ über die Zeiten der Ewigkeit.
Wir gedenken unseren lieben Verstorbenen am 2. November und beten besonders für sie in diesen Tagen.
Herr, Gib ihnen ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihnen.
Lass sie ruhen in Frieden. Amen

Pfr. Donsy

 

Wort des Monats Oktober 2014

„Heilige Schutzengel“ Gedenktag 2. Oktober

Engel sind sehr beliebt in unserer Zeit. Viele Darstellungen sind zu sehen auf Bildern, in Texten und mittels Figuren. Viele schenken gerne Engelsfiguren. Engelsgestalten haben eine unendliche Vielfalt. Wir kennen in der Bibel auch drei Erzengel: Michael (Wer ist wie Gott), Raphael (Gott heilt) und Gabriel (Gott ist stark).
Das Wort Engel kommt vom griechischen ‚Angelos‘ und sein hebräischer Ursprung ist ‚Mal’aha‘ und bedeutet Bote oder Gesandte. Sie sind Boten oder gesandte Gottes, sehr oft in menschlichen Gestalten. Sie kommen mit einem Auftrag Gottes, um seinen Willen anzukündigen im Alltag.
Biblische Erzählungen zeigen einige Engelsbilder mit verschiedenen Aufgaben: Neues Leben wird geboren, sehr oft unerwartetes, unvorstellbares, wunderbares, aber auch Warnungen und Hinweise für das menschliche Leben.
Damals lebte in Zora ein Mann namens Manoach, aus der Sippe der Daniter; seine Frau war unfruchtbar und hatte keine Kinder. Der Engel des Herrn erschien der Frau und sagte zu ihr: „Gewiss, du bist unfruchtbar und hast keine Kinder; aber du sollst schwanger werden und einen Sohn gebären (Ri 13,2-3). Hagar, der Magd Abrahams, kündet er die Geburt Ismaels an (Gen 16,11). Sara, die alte Frau Abrahams lacht, als sie vom Engel Gottes die Ankündigung der Geburt Isaaks hört (Gen 18,10). Der Priester Eli darf der bis anhin unfruchtbaren Hanna die Erhörung ihres Gebetes zusagen und der Prophet Samuel erblickt das Licht der Welt (1Sam 1,1-19). Im Neuen Testament erhält dieser Engel einen Namen: Gabriel, die Kraft Gottes, die Unmögliches möglich macht. Er kündet Zacharias die Geburt des Johannes an (Lk 1,13) und überbringt Maria die Botschaft, dass sie einen Sohn gebären wird, dem sie den Namen Jesus geben soll (Lk 1,31).
Daneben kennt die Bibel auch den Engel des Verderbens (1 Chr 21,15). Engel führen auch die Vergeltung Gottes durch. So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen (Mt 13,49). Begegnungen mit der göttlichen Botschaft durch seinen Engel sind immer auch herausfordernd, weil sie uns in seinen Dienst hineinnehmen wollen.
Dazu sind Offenbarungsengel wichtig. Wie die Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, damit er seinen Knechten zeigt, was bald geschehen wird; und er hat es durch seinen Engel, den er sandte, seinem Knecht Johannes gezeigt (Offb 1,1; vgl. Sach 1,9). Die Autoren dieser Bücher stellen sich Gott als im Himmel thronenden König mit Dienern vor. Seine Hofleute sind Cherubim, Seraphim und Erzengel.
Ermutigung und tatkräftige Unterstützung der Menschen sind nämlich weitere Aufgaben der Schutzengel. Der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte Elija an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich (1 Kön 19,7). Der Engel stellte die stärkende Speise neben seinen Kopf.
Die Anbetung hingegen gebührt Gott allein und nicht den Engeln. Engel sind für die Bibel eigentliche Botschafter Gottes für konkrete Menschen. Nie geht es um ihr Wesen oder gar um ihre Verehrung. Der Autor des Kolosserbriefes findet für die junge, christliche Gemeinde scharfe Worte für Menschen, die Engel als Himmelswesen verehren (Kol 2,18).
Der Name, den der Engel nennt, verweist eindeutig auf Gott: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Er allein tut Wunder (Ps 72,18)“. Gott allein kommt die Ehre zu, nicht dem Engel als Boten.
Mein Engel wird dir vorausgehen, ist die Zusage Gottes an sein Volk. Wenden wir uns dem Herrn zu, von dem alles Gute kommt, genauso wie unsere Engel.

Pfr. Donsy

 

 

Wort des Monats September 2014

Unser Landespatron: der hl. Niklaus von Flüe (Hochfest am 25. September)

Geboren wurde Niklaus von Flüe, oder „Bruder Klaus“, wie wir ihn auch gerne nennen, im Jahre 1417 auf dem Flüeli bei Sachseln OW, und er starb am 21. März 1487 in seiner Einsiedelei in der Ranftschlucht. Bereits in seiner Kindheit hatte Niklaus Visionen und als Jugendlicher ging er gerne in die Einsamkeit, in die Stille zum Gebet. Er wurde Landwirt auf seinem eigenen Hof und nahm als Offizier in den Jahren 1440 bis 1444 am Krieg gegen Zürich und 1460 als Soldat am Feldzug gegen den Thurgau teil. Wegen seiner Klugheit und Gerechtigkeit war er hoch angesehen und wurde Ratsherr und Richter, doch er wehrte sich gegen höhere politische Aemter. Um das Jahr 1444 heiratete er Dorothea Wyss und in den folgenden Jahren wurde er Vater von zehn Kindern.
Am 16. Oktober 1467 verliess Niklaus Frau und Kinder und legte alle politischen Aemter nieder, um von nun an als Einsiedler zu leben. Seine Familie und seine Umgebung konnten diesen Schritt nur schwer nachvollziehen. Niklaus wollte eigentlich ins Elsass wandern, wo damals viele Mystiker lebten. Doch schon auf dem Weg dorthin zog ihn das Heimweh wieder zurück. In der Ranftschlucht baute sich Niklaus eine Zelle, die er während den folgenden Jahren bis zu seinem Tode bewohnte. Als feste Speise nahm er während mehr als 19 Jahren nur die Eucharistie zu sich, was auch eine von seinem Bischof angeordnete Untersuchung bestätigte. Viele Menschen kamen in den Ranft, um bei „Bruder Klaus“, wie er sich nun selber nannte, Rat zu holen. Es waren einfache Bauern aus der Umgebung, aber auch Grosse und Mächtige, die auf sein Wort hörten und ihm vertrauten. Am 22. Dezember 1481 gelang es ihm, auf der „Tagsatzung“ zu Stans Frieden zu stiften und eine Spaltung der Eidgenossenschaft zu verhindern. Auch wenn die damaligen Menschen sein asketisches Leben neugierig und auch etwas misstrauisch beobachteten, waren sie von ihm fasziniert und verehrten ihn als Friedensstifter, als „lebendigen Heiligen“ und als „Vater des Heimatlandes“.  
Bruder Klaus starb am 21. März 1487 in seiner Einsiedelei. Am 8. März 1669 wurde Niklaus von Flüe seliggesprochen, doch seine Heiligsprechung erfolgte erst am 15. Mai 1947 durch Papst Pius XII. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass der letzte grosse Mystiker des Mittelalters jahrhundertelang nicht verstanden wurde. Seine Reliquien wurden 1934 in einem silbernen Schrein in der Kirche von Sachseln beigesetzt. Das Grab und auch die Einsiedelei im Ranft sind das Ziel vieler Wallfahrten und Zeichen für die tiefe Verehrung des Heiligen. Die Schweiz feiert ihn mit einem Hochfest am 25. September.
Sein wohl schönstes und bekanntestes Gebet singen oder sprechen wir gerne in unseren Gottesdiensten oder auch beim persönlichen Beten in der Stille:   
Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich führet zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
o nimm mich mir
und gib mich ganz zu Eigen dir.
Ebenso ist auch sein „Radbild“ sehr bekannt geworden, ein Meditationsbild, das im Zentrum Christus mit der Dornenkrone darstellt. Mit dieser Mitte sind durch Speichen oder Strahlen sechs Medaillons verbunden, die Szenen aus der Heilsgeschichte darstellen.



Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

Wort des Monats August 2014

Mitten im Sommer

Haben Sie sich schon einmal überlegt, was Ihnen der Sommer bedeutet oder wie sich diese Jahreszeit auf Ihr Leben auswirkt? Ist der Sommer für Sie eine Zeit intensiver Arbeit, weil Sie vielleicht in der Landwirtschaft tätig sind, oder können Sie ihn in vollen Zügen geniessen, endlich baden oder in die Berge gehen, in die Ferne verreisen oder zuhause ganz gemütlich und ohne Programm die Sommertage geniessen? Freuen Sie sich auf die Wärme oder ist Ihnen die Hitze unerträglich, sind Ihnen die Gewitter eher ein Schrecken und die Regengüsse mit den Wasserfluten eine Bedrohung?

Was immer Sie auf diese Fragen antworten und wie immer Sie zum Sommer stehen – es freut mich, wenn Sie sich einmal ganz bewusst Gedanken darüber machen. Und gerne gebe ich Ihnen die folgenden Gedanken zum Sommer weiter, die Franz Stauber als Gebet aufgeschrieben und in seinem Werk „Gebete aus der Tiefe“ (Bistum Basel, 2005) veröffentlicht hat:

Sommer   

Sommer ist’s;
jubelnder, strahlender Sommer!
Auf die satten, grünen Wälder
strahlt das warme Licht der Sonne.
Wolken segeln am blauen Himmel,
und über alles triumphiert die Sonne.

Die Sonne bist Du!
Sie ist ein Bild Deiner Wärme, Deines Lebens
Deines Lichtes, Deiner Gegenwart:
Du, das Leben,
Du, der allumfassend Heilige,
Du, die letzte, tiefste Gegenwart,
Du, das grosse, unendliche Schenken
und die grosse, unendliche Liebe.
Du heilige Quelle allen Seins!

Sei gepriesen, Du Vater!
Sei gepriesen, Du Sohn!
Sei gepriesen, Du Heiliger Geist.

Alles, was da leuchtet,
was wächst,
was strahlt,
was sich hinhält in die Sonne,
was sich da bewegt und segelt, und schwimmt
und von den Bäumen zwitschert,
verherrlicht unbewusst Deinen Namen:
Dein Wesen!

Wo aber bleibt der Mensch?
Er, dem Du dieses Strahlen, diese Fülle
anvertraut hast, den Du so geschaffen hast
dass er erkennen kann!
Und dass er Antwort geben kann!
Bewusste Antwort!
Wo bleibt der Mensch?
 
Giovanni Gadenz, Diakon


Wort des Monats Juli 2014

Geniessen, Batterie aufladen und Verantwortung tragen

Wir haben schöne Tage vor uns: Ferienzeit, Sommer, Sonne, Berge und Meer. Endlich frei sein und einmal nichts tun. Auch Zeit haben, um fremde Länder zu bereisen.
Nach einer anstrengenden Arbeitsperiode kann man wieder etwas Luft schnappen. Viele Gläubige unserer Pfarrei sind ebenfalls unterwegs in diesen Tagen, um sich zu erholen, um etwas Anderes zu erleben und vielleicht, um einen anderen Erdteil zu entdecken und zu erforschen.
Gott schenkt uns diese Tage und Orte, damit wir seine Schöpfung neu entdecken und bewundern dürfen. Wir haben so eine wunderschöne Erde, wunderbare Luft und Licht. Jetzt können wir die Sonnenseite unseres Lebens geniessen. Nach der biblischen Erzählung der Schöpfungsgeschichte hat sich Gott ebenfalls erholt von seiner Schöpfungsarbeit. Und er hat den siebten Tag frei gemacht. Er segnete diesen siebten Tag und erklärte ihn für heilig, denn in ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte (Gen 2,3). Das ist der Sabbat. Der Heilige Tag, an dem wir uns erholen und neue Energie für das Leben tanken dürfen.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut (Gen 1,31). Und Gott anvertraute seine Schöpfung den Menschen. Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und behüte (Gen. 2, 15).
Jeder Mensch trägt also in sich eine Verantwortung für die Welt und die Erde. Schöpfungsverantwortung ist ein sehr wichtiger Teil unseres Glaubenslebens.
Deshalb wünsche ich Allen eine sehr erholsame und verantwortungsvolle Ferienzeit und Gott behüte Sie/euch auf allen Ihren/euren Wegen!


Pfarrer Donsy

 

Wort des Monats Juni 2014

Hl. Johannes der Täufer

Hochfest: 24. Juni

Das Lukasevangelium erzählt uns ausführlich über die Verheissung der Geburt (Lk 1,5-25)  und über die Geburt des Täufers (Lk 1,57-80). Als Sohn des Priesters Zacharias und dessen Frau Elisabet wurde Johannes der Ueberlieferung nach ein halbes Jahr vor Jesus geboren. Die Eltern gaben dem Neugeborenen übereinstimmend und entgegen der Tradition den Namen Johannes, das bedeutet: Gott ist gnädig. Denn beide, Zacharias und Elisabet, waren bereits in vorgerücktem Alter und Elisabet galt als unfruchtbar.
Als Erwachsener zog Johannes zunächst in die Wüste hinaus und begann etwa um das Jahr 28 als Bussprediger öffentlich aufzutreten. Er verkündete überall das Kommen des Messias, rief zur Umkehr auf und spendete am Jordan die Taufe zur Vergebung der Sünden. Seine Leidenschaft irritierte viele Menschen, die sich fragten, ob nicht Johannes selber bereits dieser Messias sei. Doch Johannes antwortete ihnen in aller Bescheidenheit, dass er dem Messias nur den Weg bereite und nicht wert sei, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Auch Jesus kam eines Tages mit dem Volk an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Als Jesus aus dem Wasser stieg, öffnete sich der Himmel und der Geist kam wie eine Taube auf ihn herab. Und eine Stimme sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden (vgl. Mk 1,9-11). Mit der Taufe durch den Täufer Johannes am Jordan begann das öffentliche Wirken Jesu.
Johannes fiel bei König Herodes Antipas in Ungnade, weil er ihm eine unrechtmässige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Johannes wurde gefangen genommen und als Salome, die Tochter der Herodias, nach einem Tanz dem Herodes einen Wunsch äussern durfte, forderte sie gemäss dem Willen ihrer Mutter den Kopf des Johannes auf einer Schale. Obwohl Herodes den Täufer schätzte, liess er ihn widerwillig und selber traurig enthaupten, weil er der Salome geschworen hatte, ihr jeden Wunsch zu erfüllen (Mk 6,14-29). Dies geschah auf der Festung Machaerus in der Nähe des Toten Meeres im heutigen Jordanien. Syrische Legenden erzählen, dass der Leichnam des Täufers durch die Apostel Andreas und Johannes in Samaria beigesetzt worden sei. Auch Hieronymus bestätigt dieses Grab, über dem im 4. Jahrhundert eine Kirche errichtet wurde und deren Reste 1931 ausgegraben wurden. Ausserbiblisch wird das Wirken und die Tötung von Johannes durch Herodes Antipas auch vom römischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus erwähnt.  
Eine „Kirche des Heiligen Johannes“ steht in Ein Kerem, dem Geburtsort des Täufers, und am Ort der Begegnung seiner Mutter Elisabet mit Maria, der Mutter Jesu, wurde die „Kirche der Heimsuchung“ gebaut. Einige Kilometer vor der Einmündung des Jordans in das Tote Meer, bei Qasr el Jahud, wird jene Stelle gezeigt, wo Johannes gepredigt und getauft hat, darunter auch Jesus.
Sein Gedenktag wurde nach den Angaben im Lukasevangelium (1,26.38) von der Geburt Jesu her errechnet, d.h. drei Monate nach Mariä Verkündigung und sechs Monate vor Weihnachten. Der 24. Juni als antikes Datum der Sommersonnenwende und des Tages des Sieges der Sonne und des Lichtes über Tod und Dunkelheit war auch begründet durch den Hinweis des Täufers auf Jesus: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30). Neben Jesus und Maria ist Johannes der einzige, dessen Geburtstag gefeiert wird; dies macht seine besondere heilsgeschichtliche Bedeutung deutlich.
Seit dem 4. Jahrhundert wurden dem Heiligen Johannes viele Kirchen geweiht, darunter auch die Basilika S. Giovanni in Laterano, damals als Sitz des Papstes, aber auch viele Taufkirchen und –kapellen.
Sowohl in der Ost- wie auch in der Westkirche wird das Gedächtnis an den Heiligen, Propheten, Täufer Jesu und Märtyrer mit zahlreichen Gedenktagen lebendig gehalten. Johannes wird dargestellt im Fellgewand, als Lamm oder mit dem Spruchband „Ecce Agnus Dei“, mit Kreuzstab oder Taufschale, mit seinem Kopf auf einer Schale. Weiter ist er Patron vieler Länder und Regionen, zahlreicher Berufe und wird bei manchen Krankheiten und Leiden angerufen. Und nicht wenige Bauernregeln hat man an den Heiligen oder an seinen Gedenktag festgebunden.  

Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

Wort des Monats Mai 2014

Die Brücke

Die Religionslehrerin stellt der Klasse folgende Frage: „Wie heisst das grosse Fest, das wir zwischen Ostern und Pfingsten feiern?“ Die Klasse antwortet mit Stille und Ratlosigkeit. Die Religionslehrerin hilft etwas nach: „Dieses Fest feiern wir genau 40 Tage nach Ostern, d.h. an einem Donnerstag.“ Da meldet sich ein Mädchen und fragt: „Ist es ‚die Brücke’?“ Die Religionslehrerin schüttelt den Kopf und erklärt nun selber, dass dieses Fest „Christi Himmelfahrt“ oder auch „Auffahrt“ heisst und dass es sogar ein Hochfest ist, dass es im Kirchenjahr die gleiche Bedeutung und Wichtigkeit hat wie Ostern, Pfingsten oder Weihnachten, weil wir an diesem Tag die Aufnahme Jesu in den Himmel feiern.

Lange denkt die Religionslehrerin darüber nach, wie das Mädchen wohl auf „die Brücke“ kommen konnte. Und plötzlich dämmert es ihr: Richtig, viele Schulen und Betriebe haben am folgenden Freitag geschlossen, machen also die Brücke zum ohnehin freien Wochenende.

Die freien Tage werden zwar gerne angenommen, möglicherweise sitzt man einen schönen Teil der geschenkten Freizeit ab in einer Autokolonne zu einem bestimmten Reiseziel und dann auch wieder zurück, aber den eigentlichen Grund, warum wir an einem bestimmten Tag frei haben und eigentlich ein wichtiges Fest feiern dürfen, geht mehr und mehr verloren oder wird nicht mehr verstanden.
„Die Brücke“ ist aber auch ein starkes Symbol: In diesem Beispiel verbindet sie zwei oft gegensätzliche Welten, die eigentlich unzertrennlich zu unserem Leben gehören: Den Alltag und die Zeit, die wir Gott schenken, die Geschäftigkeit und die Besinnung, das Handeln und die Ruhe. Der heilige Benedikt würde sagen: ora et labora – bete und arbeite (nicht: arbeite und bete!).
Dieses Jahr feiern wir am 29. Mai wieder das Hochfest Christi Himmelfahrt. „Die Brücke“ lädt uns ein, die geschenkte Freizeit bewusst zu nutzen – vielleicht dem eigentlichen Sinn dieses freien Tages nachzuspüren und ihn mit der Gemeinschaft der Glaubenden zu feiern.
 
Giovanni Gadenz, Diakon

 

Wort des Monats April 2014

Die Glaubenswege von Ostern

Wir hören in diesen Tagen die uns vertrauten katholischen Worte und Begriffe und wir feiern während dieses ziemlich langgezogenen Kirchenrahmens das Leiden, Sterben und die Auferstehung unseres Herrn.

Wir begannen mit dem Aschermittwoch, die Fastenzeit, dem Palmsonntag, die Karwoche, den Gründonnerstag, den Karfreitag, das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn – dieOsternacht, den Ostersonntag, den Ostermontag, die Osteroktav, die Osterzeit, den Weißen Sonntag / Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit. Eine ganze Woche lang, acht Tage, feiert die Kirche Ostern.
Von der Osterfreude ist da häufig die Rede. Wen sie erfüllt, der soll sich dankbar freuen.

Was aber bedeutet diese Zeit mir als gläubige/r Christ/in? Bin ich wirklich ein überzeugte/r Christ/Christin? Ist mein Glaube am Auferstandenen nur eine äusserliche Feierlichkeit, wo nur Osterhasen und Ostereier geschenkt werden. Oder habe ich doch sogar Zweifel an den Auferstandenen?
Auch die Apostel brauchten offensichtlich einige Zeit, bis sie überzeugt waren von der Wirklichkeit der Auferstehung Jesu. Machen wir uns deshalb auf den österlichen Weg. Laden wir IHN ein in unsere Mitte, denn ER will uns begegnen.

Die Emmausgeschichte ist die Geschichte des Glaubens, oder besser gesagt: die Geschichte, die uns erzählt, wie wir zum Glauben an den Auferstandenen kommen können. Wir sind unterwegs auf den Wegen unseres Lebens. Und wenn es uns ernst ist mit den Fragen unseres Glaubens, dann geht es nicht anders, als dass wir auch darüber reden. Ohne die anderen kommen wir nicht voran mit dem Glauben, und indem wir das tun, ist ER schon selbst dabei. Und wir merken es nicht. Da sind ja nur Menschen, die reden. Worte allein überzeugen noch nicht. „Erkennen“ bedeutet in der Sprache der Bibel nicht einen gedanklichen Vorgang, sondern ein „Eins-werden-mit …“. Und so „erkennen“ die Jünger den Auferstandenen erst, als sie „beim Brotbrechen“ mit ihm eins werden. Da gehen ihnen die Augen auf.

Seien wir also unterwegs, hören wir auf SEIN Wort, werden wir eins mit IHM im heiligen Mahl. Es könnte sein, dass auch „unser Herz brennt“. Und wir würden hingehen und unseren Brüdern und Schwestern bezeugen: Der Herr ist wirklich auferstanden. Er lebt.

Euer Pfarrer Donsy

 

Wort des Monats März 2014

Suchen und Finden - Christsein in der Fastenzeit

Was macht unser Menschsein aus? Auf diese Frage gibt es unterschiedliche Antworten. Letztlich muss jeder Mensch seine persönliche Antwort finden. In diesen Tagen der Vorbereitung auf das Osterfest lassen wir solche Fragen an uns heran. Dieser Zeitraum möchte uns helfen, eine Antwort im Glauben an den lebendigen Gottessohn zu finden.

„Wer sucht, der findet.“(Mt. 7,7-11) Oft genug trifft dieses Wort uns zu. Nur: Findet jeder immer das, was er sucht? Findet sich jede im Überangebot der Orientierungsmöglichkeiten noch zurecht?


Die Fastenzeit ist eine Einladung mit Jesus noch einmal auf die Suche zu gehen. Lassen wir uns von Jesus an die Hand nehmen: Er hat uns gefunden, bevor wir ihn suchen, er sucht uns und lässt sich finden wenn wir seinen Namen anrufen.

Wir suchen Orientierung in unserem Leben, wir suchen Sinn und Erfüllung.

Welche Rolle spielt dabei der Glaube an Gott?

Wann und wo suche ich die Begegnung mit Christus:
Im Gebet?
Im Gottesdienst?
In Menschen, die mir nahe stehen?
In Menschen, die mir im Alltag begegnen?

Wie können andere durch mich zu Christus finden:
Weil ich Zeugnis gebe von meinem Glauben?
Weil ich für Schwache eintrete?
Weil ich vergeben kann?
Weil ich gütig und liebevoll bin?

Die Vergebung, die wir erfahren dürfen, ist uns ein Anlass, unser Leben an dem einen oder anderen Punkt neu auszurichten.
Mt 18, 12-14
In jener Zeit fragte Jesus seine Jünger: Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - Amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht.

Gott. Du bist uns nahe, noch bevor wir zu dir kommen.

Du bist bei uns, noch bevor wir uns aufmachen zu dir.

Sieh unsere Sehnsucht nach Glück, unseren Willen zum Guten und unser Versagen.

Erbarme dich unserer Armut und Leere. Fülle sie mit deinem Reichtum, deinem Leben, deiner Liebe.

Pfr. Donsy

 

 

Wort des Monat Februar 2014

Heiliger Cyrill und Heiliger Methodius – zwei Schutzpatrone Europas

Am 14. Februar feiert die Kirche das Fest zweier Heiligen, der Brüder Cyrill und Methodius aus Saloniki, die auch als „Apostel der Slawen“ bezeichnet werden. Bei uns sind sie zwar wenig bekannt, doch ihre Verdienste um die christliche Missionierung der slawischen Völker können nicht hoch genug gewürdigt werden. Ihr Wirken stand im Spannungsfeld zwischen griechisch-byzantinischem und römisch-deutschem Einfluss. Gegen viele Widerstände erreichten sie bei den Slawen eine echte Inkulturation des Christentums. Papst Johannes Paul II. ernannte die Brüder am 31. Dezember 1980 (zusammen mit dem Heiligen Benedikt von Nursia) zu Schutzpatronen Europas.

Cyrill (826/827 – 14.2.869) sein Taufname war Konstantin. Wie sein Bruder erhielt auch er in Konstantinopel eine theologische und humanistische Ausbildung. Konstantin war eher der Künstler, hatte schon früh die slawische Sprache erlernt und übersetzte Evangelientexte und Gebete ins Slawische, wurde zum Priester geweiht und wirkte als Bibliothekar des Patriarchen. Nach einem Aufenthalt im Kloster wurde er Lehrer der heiligen und profanen Wissenschaften. Von Kaiser Michael III. wurde Konstantin 854 zusammen mit dem Patriarchen zu Glaubensgesprächen mit den Arabern nach Samarra gesandt. 863 gingen beide Brüder im Auftrag des Kaisers ans Schwarze Meer, weil sie die Sprache der Slawen beherrschten. Dort sollten sie die byzantinischen Gesetzesbücher übersetzen. Hier fanden sie aber auch die Gebeine von Clemens I., dem vierten römischen Papst, die sie später nach Rom überführten. Konstantin und Method übersetzten das Evangelium, die Psalmen und Teile des Alten Testamentes sowie liturgische und kirchenrechtliche Texte ins Slawische. Dazu erfand Konstantin die „glagolitische“ Schrift, die sein Schüler Klemens von Ohrid später in die heute als „kyrillische“ Schrift weiterentwickelte. Dass die beiden Brüder das Slawische auch als liturgische Sprache verwendeten, wurde ihnen vorerst zum Vorwurf gemacht. 867 wurde das Slawische von Papst Hadrian II. als liturgische Sprache anerkannt. In Rom erkrankte Konstantin, verbrachte seine letzten Monate dort in einem Kloster, nahm den Ordensnamen Cyrill an und starb mit 42 Jahren. Er wurde in der Kirche S. Clemente in Rom beigesetzt. 

Method (um 815 – 6.4.885) Sein Taufname war Michael. Auch er stand zunächst im Staatsdienst von Konstantinopel. 840 trat er in ein Kloster ein und nahm den Ordensnamen Method an. Nach dem Tod seines Bruders wurde Method 869 Erzbischof von Mähren und Pannonien. Weil er Cyrill auf dessen Sterbebett versprochen hatte, die Slawenmission weiter zu fördern, verzichtete er darauf, in die Stille eines Klosters zurückzukehren. Der deutschen Reichskirche waren die slawische Sprache und die Unabhängigkeitsbemühungen im Osten ein Dorn im Auge. Auf Betreiben von Erzbischof Adalwin von Salzburg wurde Method sogar inhaftiert, kam aber 873 nach zweieinhalb Jahren, nach einer Intervention von Papst Johannes VIII., wieder frei. Methods Bemühungen, in Mähren eine eigenständige Kirche aufzubauen, die sowohl die lateinische wie auch die slawische Liturgie benutzen konnte, scheiterten schliesslich. 881/882 kehrte er nach Konstantinopel zurück und arbeitete an Uebersetzungen in die kirchenslawische Sprache. 16 Jahre nach seinem Bruder starb Method, vermutlich in Weligrad im heutigen Tschechien. Nach seinem Tod verbot Papst Stephan VI. 896 die kirchenslawische Sprache wieder. Doch deren Anhänger wandten sich an Fürst Igor von Bulgarien, der ihrem Anliegen wohlgesinnt war. Hier wurden die „glagolitischen“ Zeichen weiterentwickelt und verbreiteten sich als „kyrillische“ Schrift unter den Ostslawen und den orthodoxen Südslawen.
 
In den slawischen Ländern reichen die Anfänge der Verehrung der beiden Brüder bis in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts zurück. Kaiser Karl IV. führte 1345 zu ihrem Gedenken in Böhmen und Mähren einen kirchlichen Feiertag ein. Auch in den anderen slawischen Ländern erfuhr ihre Verehrung eine Blühte, besonders im 19. Jahrhundert. In der westlichen Kirche wurde ihre Verehrung erst 1880 durch Papst Leo XIII. angeordnet, und hundert Jahre später wurden die beiden Heiligen von Papst Johannes Paul II. zu Patronen Europas ernannt.

Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

Wort des Monats Januar 2014

„Christus hat unser Leben erneut“

Der achte Tag, vom Fest der Geburt Christi an gerechnet, der Oktavtag, wie man auch sagt, ist Erster Tag des Neuen Jahres. Unser Blick richtet sich nach vorne, auf das Jahr hin, das fast gänzlich unbeschrieben wie ein weißes Blatt vor uns liegt.
Als Beginn des Jahres wurde über Jahrhunderte hinweg das Geburtsfest Jesu verstanden und so auch gefeiert. Auch zählt man bis heute die Jahre „nach Christi Geburt“. „Im Jahre 2014 nach Christus“ sagen wir beispielsweise oder auch „Anno domini“, was soviel heißt wie „im Jahr des Herrn“.
Das Weihnachtsfest hängt mit dem alten Datum der Wintersonnwende zusammen, nach der die Tage beginnen wieder länger und heller zu werden.

Schon in römischer Zeit wurde dieser Tag festlich begangen und als „Geburt der unbesiegbaren Son-ne“ gefeiert. Die Christen haben schon bald in Jesus Christus die „wahre Sonne“ gesehen, die unsere Welt erleuchte hat.
Als einer der heilt, der zum Heiland der Menschen wurde, ist der Gottessohn in die Welt gekommen. Seine Geburt beendet die „Nacht“ und schenkt hellen Tag. Es ist eine Neue Hoffnung für uns. Er schenkt uns immer wieder eine neue Möglichkeit. So ist es auch dieses neue Jahr ein neues Angebot Gottes.

Wir wollen dieses neue Jahr mit Christus gehen. Jesus selbst geht den Weg mit uns, wenn wir uns ihm anvertrauen, und er will uns dorthin führen, wo er selbst herkommt: zu Gott, von dem aller Glanz ausgeht.
Gehen wir also mit ihm, dem Heiland, auch den Weg in das Jahr 2014, das von ihm erneut ist.
Ein Gesegnetes Neues Jahr 2014!

Euer/Ihr  Pfr. Donsy

 

 

Wort des Monats Dezember 2013

Ein Licht in der Finsternis 

Finsternis ist der eigentliche Urzustand im Universum. Finsternis war von allem Anfang an da, noch vor der Erschaffung der Erde, noch vor dem Urknall. Die Finsternis musste nicht erschaffen werden. Finsternis ist nichts Erstrebenswertes. Finsternis offenbart das Fehlen des Lichtes, weist also auf einen Mangel hin. Bei der Erschaffung der Erde beseitigte Gott in seinem allerersten Schritt diesen Mangel: er rief das Licht hervor (Gen 1,2ff). Im Lichte konnte Gott sehen, dass seine Tagewerke jeweils gut waren. Aber die Finsternis verschwand nicht ganz: Ihr gehört die Nacht, während der Tag die Zeit des Lichtes ist.
   
Auch wir Menschen brauchen Licht. In völliger Dunkelheit sind wir verloren, darum orientieren wir uns an den Lichtern des Himmels oder haben uns eigene Lichtquellen geschaffen, die in unsere Umgebung leuchten. Wir sind auf das Licht angewiesen, die Tätigkeiten der Menschen richten sich natürlicherweise nach den Tageszeiten. Und wenn es dunkel oder eben Nacht wird, brauchen wir künstliches Licht. Die Nacht oder gar die völlige Dunkelheit ist nicht unser Lebensbereich. So sprechen wir im übertragenen Sinne auch von Dunkelheit, wenn wir schlechte Gefühle, Niedergeschlagenheit und Bedrücktheit schildern, wenn wir von Schuld und Sünde sprechen, wenn jemand im Leben die Orientierung verliert oder seelisch krank ist. Hier herrscht ein Mangel an Licht und Leben!

Um die Menschheit von einem solchen Mangelzustand zu erlösen, sandte Gott seinen Sohn als Licht in die dunkle Welt. „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. […] Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,4-5.9-14)
Machen wir uns auf in dieser Adventszeit, gehen wir unserem Licht entgegen, damit wir Jesus mit offenem Herzen aufnehmen, wenn er an Weihnachten in sein Eigentum kommt!

Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

 

Wort des Monats November 2013

Die Novemberseele der Hoffnung

 


Wunderbare Herbsttage. Es wird schnell dunkel und das Tageslicht kürzer. Die Blätter welken und fallen. Im November herrscht eine besondere Stimmung.
Allerheiligen am 1. und Allerseelen am 2. haben in der Liturgie einen besonderen Akzent, so auch im Leben der Verstorbenen wie der Lebenden. Das Fest Allerheiligen ist auch ein Fest der Verstorbenen, welche aber bereits die Seligkeit bei Gott erleben. Es schenkt Hoffnung für die Erlösung unserer lieben Verstorbenen, für die wir an Allerseelen besonderes beten und gedenken.
Es ist klar, dass wir uns an diesen Tagen auch Gedanken zum Tod und Leben machen. Der Tod ist tatsächlich eine Wahrheit des Lebens, obwohl diese uns Menschen schwer fällt. Hier schenkt uns unser Glaube die Hoffnung und das Wissen, dass Sterben nicht das Ende ist, sondern nur die Türe, die uns zum ewigen Leben führt.
Es geht hier um eine Bereitschaft, den Blick und die Perspektive zu wechseln und zu weiten. Das ahnen und wissen noch viel mehr Menschen aus dem gesamten Volk Gottes, und jene mit Nahtoderfahrungen bezeugen es.
Die Kirche wird gebraucht als ‘Trösterin’ und ‘Helferin’, als eine Kraft, die unseren Glauben anregt und uns vor dem ewigen Tod schützt.
Wir sind aber dem Leben, dem ewigen Leben geweiht durch unsere Taufe in Jesus Christus. Wir haben einen besonderen Weg mit ihm gewählt. Wir leben jetzt in Christus, dem Sieger über den Tod.
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ Joh 11,25-26.

Euer Pfarrer Donsy

 

Wort des Monats Oktober 2013

Hl. Franz von Assisi

 


Gedenktag: 4. Oktober
In den ersten Tagen des Monats Oktober feiert die Kirche einen ganz grossen und beliebten Heiligen: Franz von Assisi. Geboren um die Jahreswende 1181/82 in Assisi als Sohn des reichen Kaufmanns Pietro Bernardone und der Französin Johanna Pica erhielt er den Taufnamen Giovanni, wegen der französischen Abstammung seiner Mutter wurde er jedoch von Geburt an Francesco (das Französlein) genannt. In den ersten 25 Jahren seines Lebens genoss er als fröhlicher und lebenslustiger Jüngling den Reichtum und Wohlstand seiner Familie. Mit dem Ziel, Ritter zu werden, zog er 1202 in den Städtekrieg zwischen Assisi und Perugia. Während einer einjährigen Gefangenschaft in Perugia erkannte Franz, dass es im Leben noch etwas anderes geben musste als Wohlstand und Genüsse. Auf einer Pilgerreise nach Rom faszinierte ihn die Verehrung, welche die Menschen Jesus Christus entgegen brachten. Und im Jahre 1205 erfolgte das einschneidende Ereignis im Leben von Franz, als er in der kleinen, verfallenen Kirche von S. Damiano unterhalb von Assisi die Worte vernahm, die Jesus ihm vom Kreuz herab zusprach: „Franz, stelle mein verfallenes Haus wieder her!“ Gegen den Willen seines Vaters spendete Franz dem Pfarrer die nötige Summe für die Renovation der Kirche. Kurz darauf wurde er in der damals noch kleinen Kirche S. Maria degli Angeli in der Ebene unterhalb von Assisi von den Worten aus dem Lukasevangelium gepackt: „Nehmt weder Beutel noch Tasche mit und keine Schuhe.“ Da erkannte er seinen zukünftigen Lebensweg: als „Poverello“, als Aermster unter den Armen, zog er, in einer braunen Kutte gekleidet und ohne Schuhe, als Bettler umher. Die Menschen in Assisi hatten ihn zwar als verrückt erklärt, aber mehrere Gleichgesinnte schlossen sich ihm an, um in Armut wie Jesus, predigend durch Umbrien zu ziehen.
1210 bestätigte Papst Innozenz III. die erste einfache Franziskaner-Regel, die später verloren gegangen ist. Aber der Franziskaner-Orden war als Bettlerorden geboren. Zwei Jahre später gründete Klara von Assisi, eine treue Gefährtin von Franz, den Klarissen-Orden, den so genannten Zweiten Orden, als weiblichen Zweig der Franziskaner. Von den Benediktinern bekam Franz die Kirche S. Maria degli Angeli mit einem Stück Land geschenkt, wo später das Stammkloster der Franziskaner entstand. Franz unternahm auch Reisen, nach Dalmatien und Spanien, und 1219 nahm er am 5. Kreuzzug teil, wo er in Aegypten vergeblich den Sultan zu bekehren versuchte.
Auch Laien und Verheiratete interessierten sich für das Leben in Armut, und so gründete Franz für sie den Dritten Orden, die Terziaren. Papst Honorius III. bestätigte im November 1223 die neue Ordensregel der Franziskaner, die so genannte „Endgültige“.
Mit seiner Demut und Bescheidenheit hatte Franz einen ungeahnten Einfluss auf Kirche und Gesellschaft im Abendland. Seine grenzenlose Liebe zu allen Geschöpfen findet den Höhepunkt in seinem „Sonnengesang“. Sein Lebensziel war, Christus immer ähnlicher zu werden. In seiner Bescheidenheit blieb Franz sein Leben lang Diakon und verzichtete aus Demut auf die Priesterweihe. Am 24. September 1224 bekam er in einer tiefen Ekstase auf dem Berg bei La Verna die Wundmale Jesu Christi. Die letzten Jahre seines Lebens waren geprägt von schweren körperlichen Leiden, Gliederschmerzen und Blindheit. In der Nacht des 3. Oktober 1226 starb Franz von Assisi. 
Schon zu Lebzeiten wurde Franz wie ein Heiliger verehrt. Bereits am 16. Juli 1228 erfolgte seine Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. 1230 wurden die Gebeine des Heiligen in die eben fertig gestellte Unterkirche der Basilika S. Francesco bestattet, an einem geheimen Ort, damit sie vor Reliquienräubern sicher seien. Erst 1818 hat man sie wieder gefunden und in jenes Grabmal bestattet, das seither von unzähligen Pilgern besucht und verehrt wird. Franz von Assisi wird u.a. verehrt als Patron von Italien, von Assisi, des Bistums Basel, der Franziskaner, der Armen, der Sozialarbeiter, des Umweltschutzes, der Kaufleute, Schneider und Weber, Flachs-, Tuch- und Tapetenhändler, gegen Kopfschmerzen und Pest.

Es sollten 787 Jahre vergehen, bis ein Papst den Namen Franziskus annahm. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio hat ihn nach seiner Wahl zum Papst im März 2013 angenommen, um seine Solidarität mit den Armen zu unterstreichen. Sein Leben in Bescheidenheit ist ein glaubwürdiges Zeugnis seiner Nähe zum Heiligen Franz von Assisi. Beten wir, dass ihm sein Namenspatron hilft, heute die Kirche Gottes nochmals zu erneuern.

Giovanni Gadenz, Diakon
           

 

 

Wort des Monats September 2013

Hl. Hildegard von Bingen
Gedenktag: 17. September
Die herausragende Frau des deutschen Mittelalters wird erst in unserer Zeit richtig entdeckt. Ihre Vielseitigkeit ist beeindruckend: Aebtissin, Mystikerin, Kirchenpolitikerin, Aerztin, Naturwissenschaftlerin, Mystikerin, Komponistin und Dichterin. „Deutschlands grösste Frau“ wurde um 1098 in Bermersheim/Rheinland-Pfalz geboren. Als achtjähriges Mädchen kam Hildegard in die Abtei Disibodenberg, wo sie bei der Reklusin Jutta von Sponheim Lesen, Schreiben und etwas Latein lernte. Nach dem Tod von Jutta übernahm Hildegard 1136 die Leitung des Klosters, zog aber zehn Jahre später mit der Gemeinschaft in ihr neu gegründetes Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen. Dort wirkte sie über drei Jahrzehnte, unternahm trotz ihrer angegriffenen Gesundheit zahlreiche und weite Reisen, besuchte die Grossen ihrer Zeit. Sie war gefürchtet und geachtet. Bischöfe, Fürsten und Könige holten bei ihr Rat, ebenso das einfache Volk. Die Visionen, die sie seit Kindheit hatte, liess sie von einem Schreiber in lateinischer Sprache in ihren berühmten Schriften aufschreiben. Es waren die ersten Werke der deutschen Mystik. Als erste schreibende Aerztin befasste sie sich mit Gesundheitsthemen. Ihre Schriften werden seit Jahren immer mehr beachtet. Hildegard von Bingen starb am 17. September 1179 in ihrem Kloster auf dem Rupertsberg. Dort ist auch ihre letzte Ruhestätte.
Hildegard wurde bereits zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt. Ein erstes Verfahren zur Heiligsprechung wurde bereits im 13. Jahrhundert durch Papst Gregor IX. aufgenommen, aber nie abgeschlossen. In dieser Zeit wird sie in der Klosterkirche Rupertsberg mit einem Heiligenschein bildlich dargestellt. 1584 wird sie in die Erstausgabe des Martyrologium Romanum (dem Heiligenverzeichnis der katholischen Kirche) aufgenommen, ohne dass ein weiteres Kanonisationsverfahren aufgenommen worden wäre; dies war damals auch nicht zwingende Voraussetzung. Papst Benedikt XVI. hat am 10. Mai 2012 die Verehrung der heiligen Hildegard auf die ganze Kirche ausgedehnt und sie offiziell in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen. Am 7. Oktober hat er sie zur Kirchenlehrerin erhoben. Sie wird als Patronin der Naturwissenschaftler und Sprachforscher verehrt.

Giovanni Gadenz, Diakon


Als kurze Kostprobe aus dem literarischen Schaffen der heiligen Hildegard diene uns das folgende Gebet:

Himmlisches Glück

Wenn ich mit offenen Augen betrachte,
was du, mein Gott, geschaffen hast,
besitze ich hier schon den Himmel.

Ruhig sammle ich im Schoss
Rosen und Lilien und alles Grün,
während ich deine Werke preise.

Dir schreibe ich meine Werke zu.
Freude entspringt der Traurigkeit,
und die Freude macht glücklich.  


   

Wort des Monats August 2013

Pfarreiwallfahrt

Wir, die Pfarrei St. Peter und Paul, bereiten uns auf die diesjährige Wallfahrt zum Dom von Freiburg in Breisgau und zum Hl. Basilius vor, welche am 11. August stattfindet. Wieder einmal sind wir gemeinsam unterwegs, betend und uns besinnend. Wir suchen Stärkung und innere Ruhe für Geist und Seele.

Die Kirche auf Erden ist auf Pilgerfahrt. Zusammen mit dem Leib Christi sind wir sicher auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel, das nicht auf dieser Erde liegt. Die Wallfahrten sind dabei eine Hilfe und eine Stärkung für diesen Weg. Immer wieder werden wir durch den Heiligen Geist geführt. Als Glaubensgemeinschaft ist die Kirche auch Wegbereiterin für viele Menschen auf dieser irdischen Fahrt. Wenn wir -vom Heiligen Geist erfüllt - uns auf den Weg machen, sind wir selbst wie Leuchttürme auf dem Berg.

Eine Pfarreiwallfahrt ist eine Mikroform dieser irdischen Pilgerfahrt der kosmischen Kirche. Wir in der Pfarrei, als kleine Kerngemeinschaft der Weltkirche, sind mit Jesus auf dem Weg. Wir machen diese Wallfahrt nicht nur für uns selbst , sondern stellvertretend für alle in unserer Pfarrei und auch für viele andere Menschen, damit sie durch unsere Glaubensgemeinschaft die innere Bindung mit Gott wagen und dadurch das Gemeinschaftsleben mit Gott erfahren dürfen.

Eine Wallfahrt ist ebenso eine innerliche Fahrt, welche Seele und Körper labt. Sie tut auch der ganzen Gemeinschaft der Menschen gut. Ich wünsche Ihnen/euch an dieser Wallfahrt und durch die Sommertage im Monat August viel Energie für Ihr geistliches Leben und viel Freude an unserem Glauben.

Euer Pfarrer Donsy

 

 

Wort des Monats Juli 2013

Liebe Freunde im Herrn

Es war nicht unbedingt ein schöner Frühling. Es war auch nicht unbedingt ein schöner Start in den Sommer und trotzdem beginnen jetzt die lang ersehnten Sommer- und Ferientage.

Wir durften aber einen Glaubensfrühling in der Kirche mit unserem neuen Papst Franziskus erleben. Dafür sind wir dankbar. Trotz Regen, der glücklicherweise am späteren
Nachmittag des 29. Juni rechtzeitig wieder aufhörte, durften wir mit dem Pfarrreifest von Peter und Paul miteinander einen fröhlichen Sommeranfang beginnen.

Zweitesmal stand diese Feier unter der Leitung unserer Jugend. Sie wurden dabei tatkräftig unterstützt von verschiedenen Pfarrei-Gruppierungen und auch vom Kirchgemeinderat

Trotz Regenwetter war die Kirche prall gefüllt während der Feier der Eucharistie. Nachher gab’s im Zelt ein Festessen, wo Gespräche geführt, Kinder draussen spielten, Jugendliche sich unter Freunden wohlfühlten und alle – Jung und Alt - das Tanzbein schwingen durften. Der Glaube bereitet in so einer Gemeinschaft viel Freude.

Von diese Freude wird die katholische Weltjugend vom 21. bis 28. Juli 2013, in Rio de Janeiro, zusammen mit dem Heiligen Vater Franziskus, der Welt Zeugnis ablegen. Echter Glaube hat immer mit Freude zu tun und diese will geteilt werden.

Wir wollen unseren jungen Generationen verkünden, wie Paulus es zum Ausdruck bringt: Nicht Herren eures Glaubens sind wir, sondern Diener eurer Freude" (2 Kor 1,24).

Der Juli ist ein Ferienmonat, wo viele eine längere Pause machen, um neue Kräfte aufzutanken. Ich wünsche Ihnen allen viel Spass und Erholung in den Ferien, aber auch viel Freude am Glauben. Gott schütze alle und behüte Sie auf Ihren Wegen in diesen Tagen der Erholung.  

Euer Pfarrer Donsy

 

Wort des Monats Juni 2013

Unser Fest des Glaubens

Am 29. Juni feiern wir unser Patrozinium noch einmal mit dem Akzent Jugend, besonders im Hintergrund vom Glaubensjahr der Weltkirche. Es ist viel versprechend, wenn wir in unsere Jugend investieren und gleichzeitig eine riesen Freude für die ältere Generation, da wir unsere Glaubensfreude für die nächste Generation bezeugen und weiter schenken.

Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass so viele Menschen heute Freude am Glauben haben und finden. Wir sind dankbar und glücklich darüber, dass wir diese Freude in unserer Glaubensgemeinschaft als eine Gemeinde in Christus hier in Utzenstorf erfahren dürfen.

Dieses Jahr wollen wir mit so vielen jungen Familien mit Kindern, Jugendlichen und selbstverständlich mit allen Gläubigen ein weiteres Mal unser zentrales Fest der Pfarrgemeinde feiern.

Ich lade Sie alle herzlich zum Mitfeiern unseres Festes am 29. Juni ab 15 Uhr ein. Kommen Sie zahlreich und unterstützen Sie mit Ihrem Besuch die Feierlichkeit unserer jungen Generation.

Viel Freude wünsche ich Ihnen dabei und ein frohes Pfarreifest 2013. 

Ihr Pfr. Donsy Adichiyil

 

 

Wort des Monats Mai 2013

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.

Mit dem Hochfest von Pfingsten (dieses Jahr am 19. Mai) findet die Osterzeit ihren feierlichen Abschluss. 50 Tage nach Ostern (griechisch Pentekoste – Pfingsten) wird die Auferstehung Jesu mit der Sendung des Heiligen Geistes vollendet. Dies macht deutlich, dass Pfingsten mit Ostern eine Einheit bildet.
Das erste Pfingstfest in Jerusalem, von dem die Apostelgeschichte berichtet (Apg 2,1-11), war ursprünglich ein grosses jüdisches Wallfahrerfest, das Wochenfest Schavuot. Später wurde dieser Tag als Erntedank für die Weizenernte und als Erinnerung an den Bundesschluss Gottes mit seinem Volk durch die Uebergabe der Zehn Gebote am Sinai gefeiert.
Für die Jünger Jesu bricht mit der Ausgiessung des Heiligen Geistes die verheissene messianische Zeit an (vgl. Joël 3,1-3). In diesem Bewusstsein verstehen sie auch die missionarische Tätigkeit der Jungen Kirche als Frucht des Heiligen Geistes.

Wenn wir an Pfingsten den Geburtstag der Kirche feiern, ist das für uns – wie bereits im Alten Testament – ein Erntefest, das Fest der Fülle und der Vollendung, der Gemeinschaft mit Gott und mit seiner Kirche. Bitten wir Gott um seinen Heiligen Geist, damit er uns erfülle und in uns bleibe, damit er durch uns die Welt neu gestalte.

 

Die Ausgiessung des Heiligen Geistes auf die Apostel
Mitte 15. Jh., Moskau

Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

 

 

Wort des Monats April 2013

Frühling! Schönheit, Licht, Blumen, Vögel, Sonne, Lachen, Freude: Ja es gibt mehr Leben in der Natur. All dies hat grosse Auswirkung auf unser Leben. Es ist schön, die Veränderungen zu betrachten.

Eine Frage an unser Christsein:
Hat unser Glaube Auswirkungen auf unser tägliches Leben und insbesondere auf den Umgang mit unseren Nächsten?

Christlicher Glaube trägt eine soziale Komponente in sich und macht ihn gerade dadurch für andere erfahrbar.
Wenn ein Mensch dem Gebot der Liebe folgt, verändert er sich zunächst selbst, und dann damit auch seine Welt um ihn herum.
Wie groß muss die Liebe sein, wenn man dafür das Wertvollste und Wichtigste opfert was man hat.

Wie sehr liebt Gott diese Welt, dass er nicht einmal seinen Sohn verschont hat, sondern ihn hingab mit dem einzigen Ziel: die Welt zu retten, den Menschen zu erlösen.

Das Leben Jesu hatte ein großes Ziel: die Welt zu retten.

Es ist gut, sich dies immer wieder in Erinnerung zu rufen: Wir sind geliebt von Gott, der uns erschaffen hat. Wir sind ihm nicht einfach egal. Er will unser Heil. Er will, dass wir als Kinder des Lichtes leben inmitten einer Welt, die sich von Gott entfernt hat.
Er will, dass wir unser Denken und Tun in seinem Licht betrachten und ihm unseren Glauben und unser Vertrauen schenken.

Bitten wir Gott, dass er uns stets dabei hilft, und rufen wir in Dankbarkeit immer neu in unsere Erinnerung: Wir sind von Gott geliebt. Diese Liebe befähigt uns, auch uns zu lieben und damit Licht in die Finsternis der Welt zu bringen.
Es klingt fast zu schön um wahr zu sein, wenn man hört, wie die ersten Christen miteinander lebten. Ein Herz und eine Seele. Nur eine Fantasie?
Es liegt an uns, es auszuprobieren.

An einen Glaubensfrühling dürfen wir sicher hoffen mit unserem neuen Papst Franziskus. Die Freude ist gross, auch die Hoffnung. Die Welt freut sich. Wir freuen uns mit der Kirche und hoffen, dass die Freude am Glauben Bestand hat.

Ihr Pfarrer Donsy

 

 

Wort des Monats März 2013

Im Dienst Gottes und Seines Volkes

Die Kirche versteht sich als Leib Christi. Er ist der Weinstock und wir sind die Reben: „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ Joh 15,5. Wir, die Kirche, sind die Glaubensgemeinschaft in Christus, geführt vom Heiligen Geist. Seine Worte versichern uns: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe“ Joh 15,9.

Jesus vertraute das Glaubensgut seinen Aposteln an. Er verspricht auch, uns nie zu verlassen, wenn er sagt: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ Mt 28.20.
Er verspricht uns die Gabe aus der Höhe, den Heiligen Geist Lk 24,49; Joh 16,7 und 20,22; Apg 1,8 und 2,1-4.

Haupt der Kirche ist Jesus Christus selber. Er hat seinen ersten Stellvertreter Petrus auf der Erde ausgewählt mit den Worten: „Weide meine Schafe“ Joh 21,17. Er gab ihm den Auftrag: „Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ Mt 16,18-19.  Im Auftrag Christi führen Petrus und seine Nachfolger unsere Kirche auf dieser Erde weiter.

Unsere Kirche ist vielfältig und doch nur eine Kirche, sie wird von Gott geführt durch Menschen auf dieser Erde - ihr Ziel ist jedoch das Himmelreich. Unsere Gemeinde gehört zur Universalkirche genauso, wie alle andern Kirchgemeinden irgendwo auf dieser Erde. Jesus Christus ist unser Haupt und dieser Glaube hilft uns, auf sicheren Wegen zu gehen. Nicht allein die Strukturen der Welt führen unsere Kirche durch die Zeiten, sondern der Heilige Geist. Gott selber führt uns durch alle Krisen hindurch zum ewigen Leben mit IHM. In diesem Glauben dürfen wir Christen unsere Zweifel und Ängste loslassen.

Im festen Glauben, dass wir unseren Herrn mitten unter uns haben und dass wir vom Heiligen Geist geführt werden, der uns nie alleine lässt, wollen wir die Liebesbotschaft Christi in dieser Welt fortsetzen: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ Joh 16,33b.

Pfarradministrator A. Donsy Adichiyil

 

 

Wort des Monats Februar 2013

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 6, 1-6,16

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen;
sonst habt ihr kein Lob von eurem Vater im Himmel zu erwarten.

Wenn du Almosen gibst, lass also nicht vor dir her posaunen, wie es die
Heuchler in der Synagoge und auf den Gassen tun, um von den
Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren
Lohn bereits erhalten.

Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine
rechte tut.

Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das
Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim
Gebet an die Strassenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden.
Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schliess die Tür zu;
Dann bete zu deinem Vater der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch
das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie
geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie
fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,
damit die Leute merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der
auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.

 

 

Wort des Monats Januar 2013

Menschen verbinden mit Gottesbeziehung 

Wieder ein Neues Jahr! Nach einem Rückblick: vorwärts in die Zukunft! Vieles haben wir uns vorgenommen. Vieles müssen wir tun. Vieles dürfen wir mitmachen. Noch sehr vieles wird auf uns treffen, ob wir es wollen oder nicht. Ein Neues Jahr gibt uns grosse Möglichkeiten, was wir im Laufe des Jahres erleben werden und eine offene Zukunft, was uns erwartet.

Einfach Schicksal? Oder gestalten wir unsere Zukunft mit? Aktiv oder passiv – wir sind dabei, das Neue Jahr und dadurch auch unsere Zukunft und unser eigenes Leben mitzugestalten – mit den Menschen und für die Menschen.

So sind wir Christen, gleich wie Jesus selbst, der mit den Menschen gelebt hat, für Menschen Mensch geworden. Ihm, dem Mensch gewordenen Gott, war die Beziehung zu den Menschen wichtig. Er verlor aber dabei etwas Wichtiges nicht: seine Beziehung zu Gott. Erst aus dieser Beziehung gestaltete er sein ganzes Leben im Dienst an den Menschen. Im Gebet pflegte er diese Beziehung.

Unser gemeinsames Beten, Feiern, Singen, das alles ist auch Beziehungspflege zwischen Gott und uns. Immer mit Gott beginnen, dann wird Gott mit uns gehen. Dann können auch die Beziehungen unter den Menschen eine Qualität der Gottesbeziehung haben.

Das Neue Jahr schenkt uns eine offene Zukunft. Wie wir sie für uns mitgestalten, hängt ab von uns oder unserer Gottesbeziehung.

Wir können durch unser Handeln den Menschen Zukunft schenken – Zukunft mit viel Liebe, Leben und Freude. Und durch unser Wirken können wir Ängste nehmen – die Ängste um Existenz, Gesundheit oder Beziehung.

Eine heilsame und Hoffnung und Freude schenkende Zukunft gestalten wir mit – für uns und unsere Mitmenschen - mit unserem Gott. Das wünschen wir uns im Neuen Jahr 2013!

 

 

Wort des Monats Dezember 2012

Alte Lieder der Sehnsucht: Die grossen O-Antiphonen

Sie werden vom 17. bis 23. Dezember in der Vesper zum Magnificat gesungen. Alle sieben Antiphonen sind gleich aufgebaut:

Sie beginnen mit O, dem sich eine preisende Anrede des erwarteten Messias anschliesst. Diese Anrufung ist ein Wort aus dem Alten Testament, das auf Christus gedeutet wird.
Der zweite Teil beginnt mit einer flehentlichen Bitte „Komm“ und führt hin zum erbetenen Ziel.
Die Antiphonen reichen mindestens bis ins 7. Jahrhundert zurück, sind aber noch immer aktuell und drücken unsere Erwartung des Erlösers in unübertroffener Weise aus. Wir finden sie auch im Adventslied KG 304, Herr send herab uns deinen Sohn, in den Strophen 2 – 8.

17. Dezember – O Weisheit
O Weisheit, hervorgegangen aus den Munde des Höchsten (Sir 24,3) – die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles (Weish 8,1): o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht (Jes 40,14).

18. Dezember – O Adonai
O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel (Ex 6,3ff) – im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen (Ex 3,2) und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben (Ex 19ff): o komm und befreie uns mit deinem starken Arm (Jes 62,8a).

19. Dezember – O Wurzel Jesse
O Spross aus Isais Wurzel (Jes 11,10), gesetzt zum Zeichen für die Völker – vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker (Jes 52,15): o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger! (Hab 2,3)

20. Dezember – O Schlüssel Davids
O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel (Gen 49,10) – du öffnest und niemand kann schliessen, du schliesst, und keine Macht vermag zu öffnen (Jes 22,20): o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes! (Jes 42,7; Ps 107,10)

21. Dezember – O Morgenstern
O Morgenstern (Jes 60,2), Glanz des ewigen Lichtes (Jes 62,1), der Gerechtigkeit strahlende Sonne: o komm und erleuchte, die da sitzen in der Finsternis und im Schatten des Todes! (Jes 9,1; Ps 107,10)

22. Dezember – O König
O König aller Völker (Ps 47,9), ihre Erwartung und Sehnsucht (Jes 26,9); du Schlussstein (Eph 2,20), der den Bau zusammenhält (Eph 2,14): o komm und errette den Menschen, den du aus Lehm gebildet hast (Gen 2,7).

23. Dezember – O Immanuel
O Immanuel (Jes 7,14), unser König und Gesetzgeber (Jes 33,22), du Erwartung und Heiland der Völker (Gen 49,10): o komm, heile uns, du unser Herr und Gott (Ps 105,7).

Lasst uns in dieser Sehnsucht die Ankunft unseres Erlösers erwarten!

Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

Wort des Monats November 2012

Längst sind die Blumen des Sommers verblüht, die leuchtenden Farben des Herbstes haben ihren Glanz auch verloren und der Wind treibt die fallenden Blätter durch Gärten, Strassen und Felder.

Leer und trostlos scheinen uns Sträucher und Bäume, und ins Grau der Natur mischt sich auch das Grau unserer Seele: Abschied, Wehmut, Traurigkeit, ein Gefühl von Einsamkeit, Angst in der Dunkelheit, Gedanken an die eigene Vergänglichkeit…

Gerade wenn unser Auge nur die trostlosen Bilder aufnimmt, wenn unsere Stimmung vielleicht auf dem Nullpunkt ist, sagt uns eine innere Stimme, dass es immer noch Blumen gibt, dass Gott immer für uns da ist, dass er uns in seinen Garten einlädt und wir auf sein Licht und auf seine Liebe und Treue zählen dürfen.

 Giovanni Gadenz, Diakon

Es gibt noch Blumen!

Hinter jedem Herbst,
hinter jeder Traurigkeit,
hinter jeder Verlassenheit,
gibt es noch Blumen!

Hinter jeder Not,
hinter jeder Trostlosigkeit,
hinter jeder Verzweiflung,
blühen noch Blumen!

Hinter jedem Abschied,
hinter jedem Ende,
hinter jedem Sterben,
duften noch Blumen!

Es gibt keine Blumen,
die wir gepflanzt,
die wir begossen,
die wir gepflegt haben.
Es sind Blumen aus Deinem Garten, heiliger Gott.

Der Garten bist Du.
Und Du bist die Blume,
die Blume aller Blumen.

Du hast uns das Leben gegeben,
und unverwelkliches Leben verheissen.
Du lädst uns ein in den Garten,
wo die Blumen stehen, die nie verblühen:
Du lädst uns ein zu Dir!

Treuer Gott,
bewahre uns in aller Hoffnungslosigkeit
das gläubige Vertrauen in die Wirklichkeit
Deiner Liebe. Amen.

Franz Stauber, Gebete aus der Tiefe
Bistum Basel, 2005

 

Wort des Monats Oktober 2012

Der Rosenkranzmonat

Traditionell gilt der Oktober als Rosenkranz-Monat und ist, wie der Monat Mai, in besonderer Weise Maria geweiht. Er wird zum Anlass genommen verstärkt das Leben Jesu mit dem Gebet des Rosenkranzes zu betrachten. Diese Gebetsform ist schon seit dem 12./13. Jahrhundert bekannt. Damals nannte man den Rosenkranz jedoch noch Pater-Noster-Schnüre, weil es im 13. Jahrhundert in ganz Europa den Berufsstand der "Pater-Noster-Macher" gab. Der heute übliche Rosenkranz hat sich im 15. Jahrhundert aus alten Mariengebeten entwickelt. 

Eine Legende besagt, dass der heilige Dominikus, der Stifter des Predigerordens der Dominikaner, die heutige Form des Rosenkranzes 1208 bei einer Marienerscheinung empfangen und in seinem Orden eingeführt haben soll. Die fromme Erzählung berichtet weiter, dass Maria den Rosenkranz Dominikus als Waffe im Kampf gegen die Albigenser geschenkt habe. Seit jeher spielt daher der Rosenkranz in der Spiritualität der Dominikaner eine Rolle.

Die verschiedenen Geheimnisse

Aber wie geht das Rosenkranzgebet? Mit Hilfe einer Schnur mit 59 Perlen und einem Kreuz wird Jesu Leben mit den Augen Mariens betrachtet. Dabei gibt es vier verschiedene Geheimnisse. In den freudenreichen Geheimnissen wird Jesu Kindheit betrachtet, angefangen von der Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist. In den schmerzhaften Geheimnissen wird das Ave Maria durch Einschübe (so genannte Gesätze) ergänzt, in denen der Beter über das Leiden Jesu meditiert. Als Zeichen des Sieges über den Tod wird in den glorreichen Geheimnissen Jesu Auferstehung in den Blick genommen.

Papst Johannes Paul II. hat im Oktober 2002 anlässlich des 24. Jahrestages seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche mit dem Schreiben "Rosarium Virginis Mariae" eine vierte Fünfergruppe von Rosenkranzgeheimnissen, die lichtreichen Geheimnisse, hinzugefügt. Sie betrachten das öffentliche Leben und Wirken Jesu.

Ebenso hat der verstorbene Papst im "Jahr des Rosenkranzes" (2002/2003) dazu eingeladen, das jahrhundertealte Gebet neu zu entdecken und mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten. In seiner Tiefe und Schlichtheit bliebe der Rosenkranz auch im dritten Jahrtausend ein Gebet von großer Bedeutung und sei dazu bestimmt, Früchte und Heiligkeit hervorzubringen.

Auch heute aktuell

Und was ist davon noch aktuell? Auch heute wird der Oktober in vielen Gemeinden zum Anlass genommen, das Rosenkranzgebet wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Traditionell wird er vielerorts vor der Eucharistiefeier eines jeden Tages gebetet. Die Gestaltungsform kann jedoch variieren. Es gibt beispielsweise neben den traditionellen Geheimnissen, auch die trostreichen Geheimnisse, die besonders in schwierigen Lebenslagen Hoffnung geben sollen.


Verfasser unbekannt

 

 

Wort des Monats September 2012

Du bist ein Engel!

Am 29. September feiern wir drei Erzengel, deren Namen uns die Bibel überliefert: Michael, Gabriel, Rafael – Namen, die für Gottes Wirken in dieser Welt stehen. Gottes Wirkkraft ist in der Welt, vielfältig, kreativ, schützend, beglei­tend, heilend. Das Wort „Engel“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Bote. Die Engel sind Gottes Boten und haben eine dienende Funktion. Sie zeigen und sagen uns, wie Gott ist. In den Engeln erfahren wir, wie sehr Gott sich um uns sorgt und uns in unseren Zweifeln, in unserer Angst und Schuld, in unserer Not und Bedrängnis entgegenkommt.

Die Engel sind personifizierte Gestalten der Nähe und Gegenwart Gottes. Eine „aktive“ Nähe Gottes finden wir in unserem Leben, wenn wir spontan seine Hilfe und Führung erfahren dürfen, z. B. als Schutz in einer Gefahr, als Hilfe in einer schwierigen Situation. Oft wird uns dann erst im Nachhinein bewusst, dass hier eine größere Macht im Spiel war. Hinter dem Eingreifen eines guten Engels dürfen wir dann die Liebe und Fürsorge Gottes sehen und erfahren. So dürfen wir die Engel um ihre Hilfe bitten, doch die Hilfe selbst schenkt uns Gott. Er allein kennt unseren Lebensweg und durch die Engel wirkt er hinein in unser Leben. Das Fest der heiligen Erzengel Michael, Gabriel und Rafael will uns bewusst machen, dass wir nicht alleine auf dem Weg sind, sondern Gott uns durch den Schutz seiner heiligen Engel führt und behütet.

Die Namen der drei Erzengel sind Programm. In ihnen wird der Auftrag Gottes deutlich und seine Botschaft für uns Menschen. Michael bedeutet „Wer ist wie Gott?“ Er kämpft gegen die abgefallenen Engel und verweist die Menschen auf die Größe und Einzigartigkeit Gottes. Gabriel heißt übersetzt „Gottes Kraft“. Er verkündet Maria, dass sie Jesus, den Sohn Gottes, gebären wird. Sein Wort bewirkt, was es meint, es ist lebendiger Ausdruck von Gottes Kraft, die menschliches Begreifen übersteigt. Rafael – „Gott heilt“ – ist im alttestamentlichen Buch Tobit der treue Wegbegleiter des jungen Tobias auf seiner gefährlichen Reise. Sein Rat wird Menschen zum Heil und zur Heilung. Diesem Schutz und dieser Führung dürfen auch wir unser Leben anvertrauen und so auf die heilsame Begegnung mit Gott hoffen.

Also die drei Erzengel Michael, Gabriel und Rafael, begegnen uns als Boten, die die Frohe Botschaft verkünden, Gottes Schutz greifbar machen und als Begleiter der Menschen Heil und Heilung spüren lassen. In ihnen feiern wir unseren Gott, dessen Wesen in ihrer Existenz aufscheint. Er hat sich uns anvertraut, ins Herz, auf die Hand und in den Mund gelegt, dass wir heute als seine Boten, begleitet und beschützt, getragen und behütet leben können. Es ist etwas Wunderbares, wenn Menschen zu uns sagen: Du bist ein Engel. – In diesem Satz dürfen wir Gottes Berufung für uns her­aushören: Du bist mein Engel. Ich sende dich zu den Menschen. Sei ganz bei ihnen. Überall, wo Menschen Gott die Ehre geben und seine Liebe im Leben verwirklichen, da entsteht Raum für Gott, da ist Gott. Daher werden solche Menschen zu Platzhaltern für Gott, also zu Engeln.

Pfr. Bijoy

 

Wort des Monats August 2012

Augustus – der Erhabene
August, der achte Monat im Gregorianischen Kalender, ist nach dem ersten römischen Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) benannt. Augustus war allerdings nicht der Name des Kaisers – dieser hiess ursprünglich Gaius Octavius – sondern ein Ehrentitel, „der Erhabene“, den ihm der Senat im Jahr 27 v. Chr. verliehen hatte. Augustus war in seiner Jugend ehrgeizig, grausam und skrupellos, als Kaiser setzte er seine Macht jedoch klug ein und schaffte eine Staatsordnung für das Römische Reich, die 300 Jahre bestehen sollte.

Augustinus – der Kirchenvater
Auch die Kirche gedenkt in diesem Monat eines grossen, „erhabenen“ Heiligen. Am 28. August ist der Gedenktag des heiligen Augustinus, Bischof von Hippo Regius in Numidien (heute Algerien) und Kirchenvater (geb. 13. Nov. 354 in Thagaste/Algerien, gest. 28. Aug. 430 in Hippo Regius). Sein Vater blieb bis kurz vor seinem Tode dem römischen Götterglauben treu, seine Mutter, Monika, war jedoch Christin. Sie hatte grossen Einfluss auf Augustinus und versuchte, ihn von ihrem christlichen Glauben zu überzeugen – vorerst allerdings ohne Erfolg. Gönner hatten Augustinus ein umfassendes Studium ermöglicht, das er aber im Alter von 16 Jahren aus Geldmangel abbrechen musste. Ein Jahr später konnte er in Karthago das Studium der Rhetorik beginnen und dann auch erfolgreich abschliessen. In den nächsten Jahren hatte er ein Verhältnis mit einem Mädchen und wurde Vater eines Sohnes. Die Religion seiner Mutter verachtete Augustinus und die ungelehrte Sprache der Bibel stiess ihn ab. Stattdessen war er fasziniert vom Manichäismus, einer geistig-religiösen Strömung, welche die Welt streng in Gut und Böse einteilte.

In Thagaste war er 13 Jahre lang Professor für Rhetorik und kam 384 als Hochschullehrer nach Mailand. Hier brach er auf Druck seiner Mutter die Beziehung zu seiner Geliebten ab.

Die Predigten des Mailänder Bischofs Ambrosius faszinierten ihn und eine Biografie über den Mönchsvater Antonius hatte ihn beeindruckt. Eine Kinderstimme löste bei Augustinus die grosse Bekehrung aus: unter einem Feigenbaum hörte er die Aufforderung: „Nimm und lies.“ Sogleich schlug er die Bibel auf und las den Satz bei Röm 13,13-14: „Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne massloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen.“

 Darauf gab Augustinus seinen Beruf auf, liess sich taufen und kehrte nach Thagaste zurück. Hier verkaufte er seinen Besitz und lebte vorerst in einer klosterähnlichen Gemeinschaft und liess sich 391 zum Priester weihen. 395 wurde er Bischof von Hippo Regius. Bald hatte er über seine Diözese hinaus grossen Einfluss und wurde zum geistigen Führer der abendländischen Kirche und zu einem der grössten Theologen der Kirchengeschichte.

Der literarische Nachlass von Augustinus ist gewaltig: fast 1000 Predigten, 218 Briefe und 113 Bücher versuchten damals und versuchen heute, den Menschen den guten Geist Gottes näher zu bringen.

Augustinus war stark vom griechischen Philosophen Plato geprägt, lehnte „das Böse an sich“ ab, da alles Böse ein Mangel an Gutem sei und Gott doch allmächtig und gut ist. So sind die Gedanken und Worte des Augustinus von einer unerhörten Tiefe und von einem grenzenlosen Vertrauen in Gott geprägt, wie etwa das folgende Zitat: „Gott erhört dich vielleicht nicht nach deinem Willen, aber er erhört dich zu deinem Heil.“ 

Augustinus starb in Hippo Regius während der Belagerung durch die Vandalen an einem Fieber. Er ist der Patron der Theologen, Buchdrucker und Bierbrauer.

Uebrigens: einen Tag früher, am 27. August, gedenkt die Kirche seiner Mutter, der Heiligen Monika, Patronin der Frauen und Mütter und Fürbitterin für die Seelenrettung der Kinder.          

 

 Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

Wort des Monats Juli 2012

Ruhetag Gottes

Sonntag ist dem Herrn geweiht. Mindestens ein Ruhetag für Gott? Ist dieser Ruhetag für uns oder für Gott?

Der Sabbat war der heiligste Tag und ein großes Gebot für Israel. An zwei Stellen im Pentateuch (Ex 20,9-11; Ex 31,15.17) ist das Sabbatgebot begründet. 27-mal bekommt der siebte Tag allein in Genesis die Aufmerksamkeit. Am siebten Tag vollendete Gott sein Schöpfungswerk, segnete, und erklärte ihn für heilig. Der Schöpfer ruhte an diesem Tag (Gen 2,1-3). Es war damals an einem Samstag, der siebente Tag nach der jüdischen Tradition. Der Sabbat wird noch heute am Samstag gefeiert.

Wir Christen feiern den Tag des Herrn am Sonntag, den Auferstehungstag, an dem unser Herr die Erlösung der Menschheit durch Leiden und Sterben des Karfreitags und die siegreiche Auferstehung am dritten Tag die Heilsgeschichte vollendete. So feiern wir jeden Sonntag als Herrentag, kommen zusammen als „eine Kirche“ um gemeinsam die Eucharistie zu feiern. Diese Feier realisiert unsere Teilhabe an seinem Leib und Blut. Wir sind in Christus eine Kirche.

Der Sonntag gehört dem Herrn. Dem Sonntag gehört auch Ruhe. Wir haben die ganze Woche gearbeitet und wir verdienen auch Ruhe. Eine Gottesdienstteilnahme ist aber keine Arbeit, sondern ein Zeichen für unsere Dankbarkeit und Verbundenheit mit unserem Erlöser und auch ein Zeichen für Mitmenschen, woher wir unsere Kraft schöpfen.

Mit dem Monat Juli beginnt die Ferienzeit. Wir haben nach so viel Arbeit den Urlaub verdient. Mich hat es auch beeindruckt, dass so viele christliche Urlauber, egal wo sie sind, mit der Familie an den Sonntagen eine Kirche aufsuchen und das während den Ferien. Diese Erfahrung in vielen Kontinenten - Australien, Nord- und Süd-Amerika, Asien, Europa oder Afrika - machte mich aufmerksam, den Glauben auch in den Ferien zu leben und meine Beziehung mit meinem Herrn an den Sonntagen der Ferien zu pflegen.

Dieser Ruhetag Gottes lädt uns ein, mit ihm die Geschichte zu feiern und gleichzeitig den Alltag mit dem Segen Gottes zu verbringen. Ich wünsche Ihnen gute Erholung und interessante Begegnungen in den Sommertagen. Gott begleite Sie auf all Ihren Wegen!

Ihr/Euer

Pfr. Donsy Adichiyil

 


Wort des Monats Juni 2012

Halbzeit im Juni
mit Zwischenhalt und Neustart, aber niemals mit Stillstand

Der sechste Monat im Gregorianischen Kalender heisst Juni, benannt nach der römischen Göttin Juno, der Gattin des Jupiters und Beschützerin der Stadt Rom. Im Römischen Kalender war der Juni noch der vierte Monat und hatte 29 Tage.

Die alten deutschen Bezeichnungen für den Juni sind: Brachet, Brachmond oder Brachmonat. Diese Namen weisen auf die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft hin, wo im Juni die Bearbeitung der Brache begann, also jenes unbestellten Grundstücks, das sich während eines Jahres regeneriert hatte.

Am 21. Juni (je nachdem auch einen Tag früher oder später) ist der längste Tag – von da an werden die Nächte wieder länger. Wenn am 30. Juni das erste Halbjahr endet, ist es bereits an der Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen: Wie sieht es mit dem Wachstum in der Landwirtschaft aus, wie laufen die Geschäfte im Vergleich mit den Prognosen, wo stehe ich in der Schule oder in der Ausbildung, wie entwickeln sich meine persönlichen Pläne? Wo und was muss ich korrigieren, damit ich im zweiten Halbjahr meine Jahresziele noch erreiche?  

Der liturgische Kalender hat in diesem Monat eine ganze Reihe von Hochfesten bereit, in diesem Jahr sind es folgende: Dreifaltigkeitssonntag (3.6.), Fronleichnam (7.6.), Heiligstes Herz Jesu (15.6.), Geburt des Hl. Johannes des Täufers (24.6.) und Hl. Petrus und Hl. Paulus, die Patrone unserer Kirche in Utzenstorf (29.6.). Zudem empfangen am 17.6. zwanzig Jugendliche unserer Pfarrei das Sakrament der Firmung. Ihnen, die sich jetzt darauf vorbereiten, möchten wir das folgende Gebet mit auf den Weg geben:

Heiliger Geist

Geist des Vaters. Geist des Sohnes.
Heiliges Band der innergöttlichen Liebe.
Dritte Person der Dreifaltigkeit.

Verheissung des Sohnes!
Geschenk des Vaters!
Licht, Kraft, Mut,
Erleuchtung der Glaubenden!

Quelle der Offenbarung. Quelle des Lebens.
Quelle der Einheit. Quelle der Visionen.
Heiliges Band, das alle vereint,
die zu deiner Kirche gehören.

Du Sturm! Du Feuer!
Du Glanz! Du Heiliger!
Du Mitte und Tiefe aller, die heilig sind!

Heiliger Geist, aus Dir hat Maria empfangen.
In Dir haben die Jünger in Jesus
den Sohn Gottes erkannt.

Aus Dir ist die Kirche geworden
und in ihr Heil und Erlösung.

Komm Heiliger Geist,
komm in unsere bitter arm gewordene Welt.
Stärke Deine Kirche!
Erneuere uns selber!

Wider alle Bedrängnis; wider allen Glaubenszerfall
rings um uns: belebe, stärke, entzünde uns neu!
Dein ist das Reich,
und Dein sind wir in all unserer Schwäche.
Komm, Heiliger Geist. AMEN.

 (Franz Stauber, Gebete aus der Tiefe, 2005, Bischöfliches Ordinariat, Solothurn)

Giovanni Gadenz, Diakon

 

 

50 Jahre Pfarrei St. Peter und Paul

Seit der Einweihung unserer Pfarrkirche im Juni 1961 ist viel Wasser die Emme hinuntergeflossen. Aber nicht nur die Emme war im Fluss – nein – auch in unserer Pfarrei hat sich in den letzten 50 Jahren vieles bewegt.

Auf der einen Seite hat jeder der fünf gewählten Pfarrherren die Gemeinde auf seine Art und Weise geprägt und das „Schiff Pfarrei St. Peter & Paul“ mit seinem Kurs durch ruhige und stürmische Zeiten gesteuert. Auf der anderen Seite haben sich unzählige Matrosen (Pfarreimitglieder) mit ihrer Freiwilligenarbeit sozial und karitativ engagiert und ihre Freude am christlichen Glauben und der Gemeinschaft ganz konkret vorgelebt.

Zum Dank und in Erinnerung an alles, was zu diesen 50 Jahren Pfarrei St. Peter & Paul gehört, werden während der nächsten zwei Monate noch verschiedene Anlässe organisiert.

Am 6. Mai werden wir eine Familien-Wallfahrt in die „Abbaye de Saint-Maurice“ im Wallis durchführen und dort das älteste Kloster des Abendlandes besichtigen, das ohne Unterbrechung in Betrieb ist. Es wurde 515 n.Chr. gegründet und seit 1128 leben Augustiner Chorherren dort. Interessante Infos dazu unter: www.abbaye-stmaurice.ch. Eine willkommene Bereicherung wird die Besichtigung der Feengrotten von St. Maurice sein, dort werden auch die Kinder viel Spass haben. Auch hier ein Link mit weiteren Informationen: www.myswitzerland.com/de/durch-die-feengrotte-zum-wasserfall.html.

Am Muttertag wird der uns schon bekannte Chor aus den Phillippinen unseren Gottesdienst mit Musik, Tanz und Gesang verschönern und auch die „Himmelstürmer“ (unsere Jüngsten) werden einen besonderen Tag erleben. 


Der Höhepunkt der Jubiläumsfeiern wird jedoch das Konzert der Jungen Chöre München sein. Die weltberühmten Chorbuben und Chormädchen werden uns am Freitag, den 1. Juni 2012 mit alter und neuer geistlicher Chormusik verzaubern. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr.

Am 24. Juni 2012 werden wir mit unserem alljährlichen Pfarreifest die Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr abschliessen. Auch dieses Fest wird in einem besonderen Rahmen stattfinden. So haben wir diverse Persönlichkeiten aus Kirche, Gemeinden und Politik eingeladen. Ehrengast und Hauptzelebrant des Gottesdienstes wird Bischof Dr. Joseph Kalathiparambil sein. Er ist der Sekretär des päpstlichen Rates für Seelsorge von Migranten und Menschen unterwegs und kommt aus dem Vatikan zu uns.

Wir freuen uns auf bereichernde Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen aus unserer Pfarrei und deren Umfeld und auf offene Gespräche über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft unserer Pfarrei!

Im Namen des Kirchgemeinderates
Susanne Hiltebrand

 

Wort des Monats Mai 2012

In diesem Jahr fällt die zweite Hälfte der Osterzeit in den Monat Mai. So haben wir an dieser Stelle eine gute Gelegenheit, uns über das Hochfest Christi Himmelfahrt einige Gedanken zu machen. Dabei geht es nicht darum, den arbeitsfreien Donnerstag zu würdigen oder nachzusinnen, mit welchen Aktivitäten wir die „Brücke“ (also vier freie Tage von Donnerstag bis Sonntag) ausfüllen können. Meistens vergessen wir ja, dass besondere Feiertage, die von Staat und Privatwirtschaft durchaus respektiert werden, ihren Ursprung in einem biblischen Ereignis haben und bis auf den heutigen Tag von der Kirche gefeiert werden. 

In der Apostelgeschichte heisst es, Jesus sei (nach Ostern) den Jüngern während vierzig Tagen erschienen und habe ihnen vom Reiche Gottes erzählt (Apg 1,3). Beim letzten gemeinsamen Mahl hat er ihnen den Heiligen Geist verheissen, damit sie mit dessen Kraft seine Zeugen seien „in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1,8) Also liegt in den letzten Worten Jesu, die uns der Evangelist Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte in seinem zweiten Buch überliefert, ein wesentlicher Auftrag an die Jünger, ein Auftrag, auf den auch Markus am Ende seines Evangeliums hinweist. Jesus wurde in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Der Messias besteigt nun als König seinen Thron und tritt damit seine Herrschaft an. Uns aber lässt der auferstandene und in den Himmel aufgenommene Herr nicht in Ruhe: er sendet uns in die Welt und macht uns für diese Welt verantwortlich – die ganze Menschheit ist in die Entscheidung gerufen.

Ihr Christen, hoch erfreuet euch,
der Herr fährt auf zu seinem Reich.
Er triumphiert, lobsinget ihm,
lobsinget ihm mit lauter Stimm!

Sein Werk auf Erden ist vollbracht,
Zerstört hat er des Todes Macht.
Er hat die Welt mit Gott versöhnt
und Gott hat ihn mit Ehr gekrönt.

Er ward gehorsam bis zum Tod,
erhöht hat ihn der starke Gott.
Ihm ward zuteil ein Name hehr;
es ruft das All: Du bist der Herr.

Die Engel mit Erstaunen sehn,
was Wunder mit der Welt geschehn.
Sie lag im Tod, nun ist sie frei:
im Siege Christi ward sie neu.

 Er ist das Haupt der Christenheit,
regiert sein Volk in Ewigkeit.
Er triumphiert, lobsinget ihm,
lobsinget im mit lauter Stimm.

(Text nach Erasmus Alber 1549 und Johann Samuel Dietrich 1765) KG-Lied 473

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats April 2012

Liebe Freunde im Herrn,

Wie schnell geben sich im Leben Ruhm und Schmach die Tür in die Hand! Ein Mensch im öffentlichen Leben – an einem Tag ist er hoch gefeiert, Tage später muss er zurücktreten. Jeder von uns erlebt wohl irgendwann ähnliche Wechselbäder von Glück und Unglück, Erfolg und Misserfolg. „Hosanna dem Sohne Davids“ – „Kreuzige ihn“!

In dieser Spannung steht die Heilige Woche, in die wir Christen heute eintreten. Diese Spannung macht sich auch in der Feier des Palmsonntags bemerkbar: Mit Zweigen in den Händen denken wir an die Huldigungsrufe beim Einzug Jesu in Jerusalem. In der gleichen Feier werden wir an das Leiden und Sterben Jesu in der gleichen Stadt erinnert. Ein merkwürdiger Bruch.

Wenn wir Christen unsere Augen zum Gesicht des Gekreuzigten erheben, dann betrachten wir die unerklärliche Liebe eines Gottes, der sich bis zum Tod für unser Heil hingegeben hat. Wenn wir ihn genauer anschauen, dann werden wir bald in jenem Gesicht das Gesicht von vielen anderen Gekreuzigten entdecken, die, fern oder nah, an unsere solidarische und barmherzige Liebe appellieren.

Aber so gebrochen kann das Leben manchmal sein.

Der Herr will uns durch alle Höhen und Tiefen des Lebens hindurch nahe sein – und begleiten zur Auferstehung.

Feiern wir die Nähe unseres Herrn und huldigen wir ihm auf seinem und unserem Weg!

Frohe Ostern! Ihr Pfarrer Donsy.

 

Wort des Monats März 2012

Vom Kriegsgott zum Gott des Lebens und der Liebe

März – so heisst der dritte Monat im Gregorianischen Kalender. Martius nannten ihn die Römer zu Ehren ihres Kriegsgottes Mars. Im römischen Kalender war der März der erste Monat, daher waren der September der siebte, der Oktober der achte Monat usw. in der Zählung. Die alten deutschen Namen für den März sind Märzen, Lenzing, Lenzmond, Lenzmonat, Frühlingsmonat. Damit ist schon angedeutet, dass im Monat März der Frühling beginnt (astronomischer Frühlingsbeginn zwischen dem 19. und dem 21. März) mit der ersten Tagundnachtgleiche des Jahres.

Ostern ist am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, so wurde es 325 n. Chr. im ersten Konzil von Nicäa festgelegt. Das Osterdatum kann also zwischen dem 22. März und dem 25. April schwanken. Ostern, die Auferstehung Jesu Christi, ist das wichtigste Fest der Christen. Nach seinem Datum richten sich die meisten beweglichen Feiertage des Kirchenjahres, auch der Aschermittwoch, der Beginn der 40-tägigen österlichen Busszeit. Ob wir das Osterfest bereits im März feiern oder erst im Monat April – Ostern prägt so oder so den dritten Monat unseres Kalenders, entweder mit der Vorbereitungszeit oder aber mit dem Fest selber und mit der folgenden Osterzeit.

Ausgerechnet der römische Kriegsgott, dessen wichtigstes Andenken im Namen dieses Monats weiterlebt, hat vor dem Gott des Lebens, des Friedens und der Liebe weichen müssen.    

Freuen wir uns, dass wir uns dieses Jahr während des ganzen Monats März auf das Osterfest vorbereiten dürfen, nützen wir die österliche Busszeit oder die Fastenzeit zur Umkehr zu unserem Gott.

 

Wacht auf, ihr Christen, seid bereit
in dieser heilgen Gnadenzeit
vom Schlaf euch zu erheben.

Lasst uns mit unserm Heiland Christ,
der uns vorangegangen ist,
eingehn ins neue Leben.

Er trägt sein Kreuz in Schmerz und Schmach.
Kommt, folgen wir ihm willig nach,
dann wird die Trauer schwinden.

Er geht ja mit, bleibt immer da.
Er selber trägt nach Golgota
all unsre Last und Sünden.

Wer seinem Ruf sich jetzt verwehrt
und seine Stimme überhört,
darf sich nicht Jünger nennen.

Wir müssen durch sein Blut erkauft
in seinen Tod hineingetauft,
zu Christus uns bekennen.

(KG 383, Text Silja Walter 1982 nach Friedrich Dörr 1955)    

 

Giovanni Gadenz, Diakon  

Wort des Monats Februar 2012

Der Monat Februar lässt uns in besonderer Weise auf unsere Kranken schauen, um mit ihnen und für sie zu beten: Am 11. Februar feiert die Kirche das Gedächtnis Unserer Lieben Frau von Lourdes, zu der zahllose Kranke pilgern in der Hoffnung auf ihr fürbittendes Gebet um Gesundung. Es ist zugleich der „Welttag der Kranken“, auch von daher sind sie unserem Gebet anvertraut.

Im kranken Mitmenschen können wir Jesus erkennen: „Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ So sagt er es im Gleichnis vom Endgericht. Die Barmherzigkeit hat uns Jesus zur Aufgabe gemacht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist, sagt er ein anderes Mal. Ja, wie er selbst auch barmherzig zu den Menschen war, voll Mitleid in seinem Inneren.

Die Menschen können aber auch in unserem barmherzigen Tun Jesus erkennen, der durch unsere Hände und durch unser Gebet, in unserer Nähe zu den Kranken gegenwärtig wird und ihnen zum Heiland wird.

Am 12. Feb, den 6. Sonntag im Jahreskreis lesen wir Mk 1,40–45 in der Messe.

Der Aussätzige im Evangelium ist berührt worden von Jesus.
Als Aussätziger berührt werden? Eine absolute Unmöglichkeit!
Einen Aussätzigen kann und darf man nicht berühren.
Zum einen ist die Ansteckungsgefahr viel zu groß, zum anderen verbietet es – ein strenges Gesetz.

Jesus denkt nicht an die Gefahr, er denkt an den Menschen. Und er schenkt ihm das, was dieser Mensch seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt hat, wonach er sich mehr sehnt als nach allem anderen auf der Welt: dass ihm ein anderer Mensch nahe kommt und ihn berührt, ihm Wärme und Mitmenschlichkeit schenkt.

Was da passiert, ist mehr als Berührt sein und Betroffenheit! Es ist nicht in Worte zu fassen: Ein Mensch, der unter Lebenden als Toter gelebt hat, darf sich plötzlich wieder als Mensch fühlen.

Menschen, die von Jesus geheilt wurden, gingen als verwandelte Menschen weiter auf ihrem Weg. Auch wir wollen gestärkt und verwandelt unserer Wege gehen und die Dinge angehen, die auf uns zukommen.

Ihr Donsy Adichiyil, Pfarradministrator

 

Wort des Monats Januar 2012

Gute Vorsätze – gute Taten

Zum Beginn eines neuen Jahres gehören, wie die guten Wünsche, immer wieder auch viele Vorsätze für die kommenden 365 Tage. Ja, die meisten von uns sehen im Jahreswechsel eine günstige Gelegenheit, das eigene Leben etwas umzukrempeln, alte Versäumnisse zu korrigieren oder neue Tugenden zu entdecken, und das ist auch gut so. Gemessen an den vielen Vorsätzen wird jedoch nur ein kleiner Teil davon in die Tat umgesetzt, nicht nur, weil der Wille zwar vorhanden wäre, das Fleisch aber schwach ist. Auch der Alltag hat uns schneller eingeholt, als uns lieb ist: wie bald sind doch die Vorsätze wieder vergessen oder wir merken, dass wir uns mit den gesteckten Zielen einfach überfordert haben. Kein Wunder, wenn nur ein kleiner Teil unserer Vorsätze den Monat Januar überlebt! Gute Absichten sind zwar lobenswert, was zählt, sind aber die Taten! Nehmen wir uns nicht zu viele oder zu hohe Ziele vor, damit wir den Mut nicht verlieren, diese aber mit Ausdauer und Freude erreichen. Wir können ohnehin nicht die ganze Welt verbessern, wenn wir aber in unserer unmittelbaren Umgebung jenes verwirklichen, das in unserer Macht steht, können wir bereits Grosses erreichen.

Auch die Heilsgeschichte Gottes ist eine Geschichte seiner Taten und seines Handelns an uns Menschen: von der Erschaffung der Welt über die Gründung seines auserwählten Volkes, von dessen Befreiung aus der Knechtschaft über die unzähligen Aufträge an die Propheten, dieses Volk vor dem Verderben zu bewahren und es wieder auf die Wege Gottes zu führen – kein einziger Schritt ist blosse Idee Gottes geblieben, sondern wurde immer wirksam und lebendig, indem die Absicht Gottes in die Tat umgesetzt wurde. Zuletzt ist Gott sogar selber Mensch geworden, auch dies ist nicht nur eine Idee geblieben. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14)

  

 Die Menschwerdung Gottes

Möge uns die Menschwerdung Gottes bewegen, gute Taten nicht nur zu planen, sondern sie mit der Kraft und der Hilfe Gottes auch zu verwirklichen, nicht nur am Beginn des neuen Jahres, sondern ein ganzes Jahr, ja ein ganzes Leben lang. Dabei begleite Sie der dreifaltige Gott mit Seinem Segen.

Giovanni Gadenz, Diakon   

 

 

Wort des Monats Dezember 2011

Dezember – das letzte Monatsblatt im Kalender hängt an der Wand. Noch ein Monat, und dann ist das Jahr 2011 schon Vergangenheit. Dezember – das tönt nach Aufräumen, Reinemachen, Abschluss, Abschied oder Vollendung. Im alten römischen Mondkalender mit 354 Tagen war er noch der zehnte Monat, daher „decem“, zehn. Im Jahre 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn um zwei Monate nach vorne verschoben, der Dezember verlor seinen (zehnten) Platz, behielt aber den Namen.

Doch vor dem Ausklang am 31. Dezember können wir uns auf einen äusserst aktiven Monat mit einem vollen Programm einstellen: Es ist zuerst einmal Adventszeit, die Zeit unserer Vorbereitung auf die Menschwerdung Gottes, dann feiern wir aber auch einige wichtige Feste und bekannte Heilige: z.B. den hl. Nikolaus, Bischof von Myra (6.12.), das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria (8.12.), das Hochfest der Geburt des Herrn (25.12.), den hl. Stephanus, erster Märtyrer (26.12.), den hl. Johannes, Apostel und Evangelist (27.12.), das Fest der Unschuldigen Kinder (28.12.), das Fest der Heiligen Familie (30.12.) und den hl. Sylvester (31.12.). Der Dezember ist also im liturgischen Kalender ein wahres Schwergewicht, reich befrachtet mit Hochfesten, Festen und Gedenktagen, mit Zeiten der Stille und der Besinnung und zuletzt noch mit einem Abschied vom Jahr 2011, wo uns vielleicht wieder bewusst wird, wie kostbar, vergänglich und unwiederbringlich unsere Zeit ist.

Giovanni Gadenz, Diakon

Der du die Zeit in Händen hast

1. Der du die Zeit in Händen hast,
Herr, nimm auch dieses Jahres Last
und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ
die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.

2. Da alles, was der Mensch beginnt,
vor seinen Augen noch zerrinnt,
sei du selbst der Vollender.
Die Jahre, die du uns geschenkt,
wenn deine Güte uns nicht lenkt,
veralten wie Gewänder.

3. Wer ist hier, der vor dir besteht?
Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht:
Nur du allein wirst bleiben.
Nur Gottes Jahr währt für und für,
drum kehre jeden Tag zu dir,
weil wir im Winde treiben.

4. Der Mensch ahnt nichts von seiner Frist.
Du aber bleibest, der du bist,
in Jahren ohne Ende.
Wir fahren hin durch deinen Zorn,
und doch strömt deiner Gnade Born
in unsre leeren Hände.

5. Und diese Gaben, Herr, allein
lass Wert und Mass der Tage sein,
die wir in Schuld verbringen.
Nach ihnen sei die Zeit gezählt;
was wir versäumt, was wir verfehlt,
darf nicht mehr vor dich dringen.

6. Der du allein der Ewge heisst
und Anfang, Ziel und Mitte weisst
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.

Text: Jochen Klepper, 1938
KG-Lied 355

 

Wort des Monats November 2011

Der November ist ein eher grauer, verschleierter Monat. Nebel soweit das Auge reicht. Manchmal vom Morgen bis am Nachmittag oder sogar bis am Abend. Viele Menschen sind schlechter gelaunt als sonst, deprimiert, gestresst. Der Nebel umschleiert ihr Gemüt.

Das ist eigentlich sehr schade. Denn der Herbst hat auch sein Schönes. Die vielen wunderschön gefärbten Blätter an den Bäumen und auf dem Boden. Man muss sich einfach die Farbtupfer selber geben.

Man könnte diesen Monat speziell als „Seelenwärmer“ erküren. Nehmen wir uns doch im November einmal mehr ganz bewusst Zeit um zum Beispiel bei Kerzenlicht Musik zu hören, ein Buch zu lesen das schon lange auf dem Nachttisch liegt, sich wieder mal ein Entspannungsbad zu gönnen oder bei einem guttuenden Anlass dabei zu sein. Ein Konzert zu besuchen, ein feines Abendessen geniessen, einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen, in der Kirche eine Kerze anzünden, innehalten und sich Gott nahe fühlen.

Es gibt bestimmt noch mehr Ideen.

Toll ist es auch, wenn man Zeit mit Menschen verbringt, die man mag. Sei es mit der Familie, mit Freunden, in einem Verein, in einer Gruppierung oder in einem Club, oder war da nicht gar ein Besuch der längst schon fällig war? Jetzt wäre doch der richtig Augenblick um genau diesem Menschen mit unserem Besuch Licht und Freude in den Novembertag zu bringen.

Auch bei uns in der Kirche gibt es viele tolle Angebote. Schauen Sie mal, ob etwas für Sie dabei ist!

Der Jugendchor sucht als Verstärkung für Weihnachten singfreudige Menschen bis 50 Jahre. Vielleicht wäre das was für Sie? Singen ist gut für die Seele und den Geist und erfreut das Gemüt.

Auch der Kirchenchor startet für Weihnachten ein Projekt. Wer gerne bei der Christkindelmesse von Ignaz Reimann dabei sein möchte, darf gerne zu den Proben stossen. Auch hier freuen sich alle über Zuwachs.

Claudia Anliker

 

Wort des Monats Oktober 2011

Auf gleicher Augenhöhe

Franziskus war ein faszinierender Mensch, der vor mehr als 800 Jahren gelebt hat. Bereits 16 Jahre nach seiner „Neuorientierung“ folgten ihm fast 5000 Brüder und Schwestern, welche versuchten so zu leben wie er. Auch heute noch folgen tausende von Menschen den Spuren die er hinterlassen hat. Was ist wohl der Grund für seinen Erfolg?

Franziskus erkannte, dass alle Geschöpfe, Menschen, Tiere, Pflanzen den einen und selben Vater haben, Gott. Dieser liebt die ganze Schöpfung ob reich, arm, krank oder gesund. Franziskus kannte keine Grenzen vor Kulturen und Religionen. Alle Menschen auf „gleicher Augenhöhe“ zu sehen egal ob Bettler, König, Jung oder Alt zeigte sich in seiner Persönlichkeit und seinem Handeln auf markante Weise.

In seiner Spiritualität steht Gott väterlich und erhaben über dem Weltgeschehen und der ganzen Schöpfung. Brüderlich ist er mitten unter den Menschen durch Christus. Durch die göttliche Kraft und Liebe werden Menschen verschiedener Religionen inspiriert.

Adolf Holl schreibt in seinem Buch über Franziskus „der letzte Christ“ anregende Gedanken zur Haltung der Kirche gegenüber den Randständigen:

Fast fünfhundert Jahre lang, von Gregor VII. bis zu Martin Luther, sprachen viele Päpste, Einsiedler, Theologen von einer Reform der Kirche. Hinter diesen Parolen standen verschiedene Interessen. In Wirklichkeit aber, brachten sie „den armen Teufeln“, ausser schönen Worten, weiterhin nur die knapp zweitausend Kalorien pro Tag, aus Hirsebrei und Bohnensuppe bestehend. Viele schöne Worte wurden gesprochen, die Konsequenzen blieben aber oft aus.

Holl kann uns mit seinen Aussagen nachdenklich stimmen. Hat sich bis heute eigentlich etwas geändert?

Franziskus machte nicht grosse Worte, sondern versuchte, das Evangelium in Taten umzusetzen. Er brachte ein „Rad zum Rollen“ das auch heute noch in Bewegung bleiben will. Helfen wir mit?

Paul Füglistaler

Wort des Monats September 2011

Gedanke zu unserem Agapefest
am 10. September

September– Spätsommertage, reicher Fruchtschmuck in den Gärten, der nächste Urlaub vielleicht zum Greifen nahe.

Gott schenkt uns ein Leben in Fülle – manchmal hinter Wolken versteckt. Wir wollen doch teilen und empfangen was wir haben.

Was wir Menschen schaffen und bewirken ist in vielen Bereichen hilfreich und so auch gut. Menschliches Mühen ist bisweilen ein Segen und es würde manches fehlen, wenn wir nicht unsere Gaben einbringen würden. Was wir tun können, hat einen Grund und ein Fundament: den Schöpfer und seine Liebe. Der Mensch und die Schöpfung leben und wirken nicht aus sich selbst heraus. Diesen Gedanken greift Paulus in seinen Worten auf, wenn er schreibt, dass alles durch Christus und auf ihn hin geschaffen ist (Kol 1,16). Nichts ist davon ausgenommen.

Alles trägt Gott in seiner Liebe. Dieses Wort ist zunächst ein Wort an mich. Es ist geschrieben und verkündet zur Stärkung und zur Ermutigung, um daraus Lebensbejahung und Lebensfreude zu schöpfen. Und weil ich dieses Wort höre und dieser Botschaft glaube, sehe ich die ganze Welt mit Gottes Augen. Wo immer dieser Perspektivenwechsel mein Leben bestimmt, verändert sich meine Beziehung zu den Menschen. Und es kann in meinem Umgang mit der Welt etwas von der Versöhnung aufleuchten, die allen in Christus geschenkt ist.

Ein Segensgebet noch: Der fürsorgliche Gott sei euch nahe. Er sende euch ehrliche Wegbegleiter, die ihr Herz sprechen lassen. Er öffne eure Augen für die Menschen am Rande, denn nur in Gemeinschaft können sich Begabungen als Geschenke Gottes entfalten und ergänzen.     Amen

Ihr Donsy Adichiyil, Pfarradministrator

 

 

Wort des Monats August 2011

Blitz und Donner, Sturm und Hagel

Sommerzeit ist Gewitterzeit. Wenn die Hitze schier unerträglich wird und die hohe Luftfeuchtigkeit uns zu schaffen macht, dann türmen sich am Himmel schon die ersten Gewitterwolken in die Höhe und wir spüren es förmlich: da braut sich etwas zusammen! Und wenn sich dann die ganze Spannung tatsächlich entlädt, dann können wir oft nur hoffen und beten, dass dabei keine grösseren Schäden entstehen und keine Menschen dem Unwetter zum Opfer fallen. Wir wissen: Blitze schlagen in Bäumen und Häusern ein oder treffen Menschen und Tiere, Stürme reissen Hausdächer weg und knicken Bäume oder gar ganze Wälder, Hagelschläge verhacken Rebberge und Pflanzungen und Wolkenbrüche verursachen Ueberschwemmungen, Erdrutsche und damit auch Unterbrüche von Verkehrsverbindungen. Die Schäden sind meist enorm und die Menschen kommen sich klein und hilflos vor, denn diesen Naturgewalten sind wir meist ausgeliefert – unsere Schutzmassnahmen können die Folgen nur bedingt lindern oder sind gar wirkungslos. Oft reden wir bereits von Glück, wenn im ganzen Unglück keine Menschenleben zu beklagen sind.                                                   

Im Mittelalter zog man einem herannahenden Unwetter mit Glockengeläut und Gebet entgegen und segnete die Wetterwolke mit einer Kreuzpartikel, einer Reliquie oder mit dem Allerheiligsten. Aus diesem besonderen Wettersegen entwickelte sich ein allgemeiner Wettersegen, der von Kreuzauffindung (3. Mai) bis Kreuzerhöhung (14. September) nach der täglichen Messfeier erbittet wurde.
Weil dabei eine grosse Gefahr von Missverständnissen bestand, wurde der Brauch von Theologen und Bischöfen vielfach bekämpft.

Doch das Anliegen des Volkes, um Bewahrung vor Wetterschaden zu beten, bleibt berechtigt. Heute wird oft in den Fürbitten eine entsprechende Intention aufgenommen oder am Schluss der Messfeier in der Zeit vom 25. April bis zum 14. September anstelle des Schlusssegens ein Wettersegen erteilt. Daheim kann man bei aufziehendem Unwetter eine besondere Wetterkerze entzünden, Palmzweige oder Holzscheite bzw. Holzkohle aus dem Osterfeuer verbrennen.

Feierlicher Wettersegen

Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter: er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern.

Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.

Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.   Amen.

Giovanni Gadenz, Diakon  

 

 

Wort des Monats Juli 2011

Das Licht der Welt

In diesen Wochen geniessen wir die längsten Tage des Jahres. Am Morgen, wenn wir aufstehen, ist es schon hell und auch die Abendstunden laden uns noch lange ein, draussen zu verweilen. Dazwischen scheint während vielen Stunden die Sonne, spendet uns Energie und Wärme, Licht und Leben. Das haben wir gerne, wir freuen uns an der Sommerzeit und schätzen diese langen Tage, die es uns erlauben, so viel Licht zu tanken und die Natur intensiv zu erleben.

Gerade die „Randstunden“ mit den ersten Sonnenstrahlen am Morgen oder ein Sonnenuntergang am Abend sind für mich immer wieder ganz besondere, meditative Momente. Ein Sonnenaufgang oder eine erste Morgenröte führt mich jeweils an den Anfang der Schöpfungsgeschichte: „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis, und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.“ (Gen 1,3-5)  Wenn abends die Sonne in feurigen Farben am Horizont versinkt, etwa hinter einer Bergkette oder vielleicht ins Meer, weiss ich, dass sie nun weiter wandert und während der Nacht anderen Menschen leuchtet, um mir am nächsten Morgen einen neuen Tag zu erhellen.

Und all diese Bilder erinnern mich, dass Jesus Christus das wahre Licht der Welt ist, das uns in der Taufe erleuchtet hat. „Empfange das Licht Christi.“ – mit diesen Worten übergibt der Taufspender dem getauften Kind oder seinen Eltern die brennende Taufkerze und fährt fort: „Liebe Eltern und Paten, Ihnen wird dieses Licht anvertraut. Christus, das Licht der Welt, hat Ihr Kind erleuchtet. Es soll als Kind des Lichtes leben, sich im Glauben bewähren und dem Herrn mit allen Heiligen entgegengehen, wenn er kommt in Herrlichkeit.“. Dies ist also der Auftrag an uns, an jede Christin, an jeden Christen: an allen Tagen unseres Lebens das Licht der Welt zu sein, getreu den Worten Jesu: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,14)

Giovanni Gadenz, Diakon  

 

 

Wort des Monats Juni 2011

Grund zum feiern!

Dieses Jahr findet das Pfarreifest am Samstag, 25. Juni 2011 statt. Die Jugend durfte Ideen, Wünsche und Vorschläge einbringen. Die LeiterInnen der Schönstatt Gruppe haben diesen Anlass genutzt und feiern am Pfarreifest 15 Jahre Schönstatt Gruppe!! Wir hoffen, dass wir mit einem abwechslungsreichen Programm ein schönes und unvergessliches Fest feiern können. Dazu laden wir alle Pfarreiangehörigen ganz herzlich ein!

„Weisch no?“

Vor 15 Jahren haben Pfarrer Fugel und Philipp Wirth die Schönstatt Jugendgruppe gegründet. In diesen Jahren kamen sehr viele Mädchen und Buben in unsere Gruppenstunden, Sommerlager, Pfingst- und Adventsweekend, Thementage und vielem mehr…

Wir haben einiges zusammen unternommen und erlebt. Sei es in den Gruppenstunden  mit den Kindern oder als Leitungsteam.

Ich erinnere mich an das gemeinsame Spielen: „Isch d Fläsche offe oder zue?“, das Spiel der freundlichen Leute, Bohnechlopfe, die Zugfahrten mit Phippu und seiner Gitarre: „Jitz chunt s Wägeli, jetz chunt s Wägli, Kafi, Sandwich, Bier, Minerau,……“, an die grosse Leitersitzung in Luzern, als uns wortwörtlich die Decke auf den Kopf fiel. An den Bildstock aus Schnee, das Iglu und das Tipizelt im Pfarrgarten und vieles mehr. Bestimmt hat jeder seine ganz eigenen Erinnerungen und muss ab und zu schmunzeln, wenn er an gewisse Erlebnisse zurück denkt!

Es freut mich enorm, dass die Schönstatt Gruppe, mit kleinen Veränderungen, seit 15 Jahren besteht. Hätte jemand gedacht, dass wir ein solches Jubiläum feiern können?  

Zum Schluss danke ich allen Kindern und Jugendlichen, die in die Gruppe kamen und kommen, dass sie immer wieder einen spannenden Nachmittag erleben wollten und wollen, den Eltern für ihr Vertrauen in uns LeiterInnen, den LeiterInnen für ihre Zeit und ihr freiwilliges Engagement, das sie seit Jahren leisten. Ohne euch alle gäbe es kein grosses Fest!

Auf weitere spannende, erlebnisreiche und schöne Jahre!

Claudia Anliker, Leiterin Schönstatt - Gruppe

 

Wort des Monats Juni 2011

An frischen Quellen

Dieser Frühling war bisher arm an Niederschlägen, die Felder sind trocken, die Wasserstände in den Flüssen sind tief und die Menschen sehnen sich nach Regen. Ohne Wasser wachsen keine Pflanzen, ohne Wasser dürsten Menschen und Tiere. In höheren Lagen ist die Situation noch nicht derart problematisch, denn dank der Schneeschmelze fliesst in den Bächen gegenwärtig reichlich Wasser und aus den Quellen sprudelt das kostbare Nass munter hervor.

Wer je einmal auf einer Wanderung oder gar in der Wüste durstig war, weiss, wie willkommen, wie unbezahlbar und wie lebenswichtig so eine sprudelnde Quelle ist. Auf viele sonst nützliche Dinge des Alltags verzichten wir dann gerne, manchen Ballast lassen wir ohnehin in der Zivilisation zurück und wenn es nicht anders ginge, würden wir es einige Tage mit wenig oder sogar ohne Nahrung aushalten. Aber ohne Wasser? Undenkbar!

Unweigerlich muss ich dann an den Anfang von Psalm 42 oder an das bekannte Psalmlied mit den ähnlichen Worten denken:

„Wie der Hirsch nach frischer Quelle
schreit mit lechzender Begier,
also schreit auch meine Seele
voll Verlangen, Gott, nach dir.

Nur nach dir, lebend´ger Gott,
dürstet sie in ihrer Not.
Ach, wann wird es doch geschehen,
dass ich kann dein Antlitz sehen?“

Ja, dieser Vergleich ist in keiner Weise abwegig, denn ohne eine Gottesbeziehung, ohne eine beständige Verbindung zu Gott trocknen wir längerfristig aus. Im Alten Testament werden die Quellen und deren Schöpfer immer wieder gepriesen, wenn sie aber versiegen und austrocknen, wird Unheil und Verderben befürchtet. Quellen sind auch Orte besonderer Begegnungen, wie etwa die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,1-26). Hier offenbart sich Jesus selber als das „lebendige Wasser“ und verspricht: „…wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (V 14)  Wir haben vor wenigen Wochen Ostern gefeiert, das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus; am 8. Mai feiern wir in unserer Pfarrei Erstkommunion, und fünfzig Tage nach Ostern, an Pfingsten, feiern wir die Sendung des Heiligen Geistes und dazwischen dürfen wir immer wieder miteinander Gottesdienst feiern – das Kirchenjahr will uns also regelmässig zu den „frischen Quellen“ hinführen. Es liegt an uns, daraus zu trinken, damit wir auch im Glauben nicht verdursten, damit unsere Gottesbeziehung nicht austrocknet.

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats Mai 2011

An frischen Quellen

Dieser Frühling war bisher arm an Niederschlägen, die Felder sind trocken, die Wasserstände in den Flüssen sind tief und die Menschen sehnen sich nach Regen. Ohne Wasser wachsen keine Pflanzen, ohne Wasser dürsten Menschen und Tiere. In höheren Lagen ist die Situation noch nicht derart problematisch, denn dank der Schneeschmelze fliesst in den Bächen gegenwärtig reichlich Wasser und aus den Quellen sprudelt das kostbare Nass munter hervor.

Wer je einmal auf einer Wanderung oder gar in der Wüste durstig war, weiss, wie willkommen, wie unbezahlbar und wie lebenswichtig so eine sprudelnde Quelle ist. Auf viele sonst nützliche Dinge des Alltags verzichten wir dann gerne, manchen Ballast lassen wir ohnehin in der Zivilisation zurück und wenn es nicht anders ginge, würden wir es einige Tage mit wenig oder sogar ohne Nahrung aushalten. Aber ohne Wasser? Undenkbar!

Unweigerlich muss ich dann an den Anfang von Psalm 42 oder an das bekannte Psalmlied mit den ähnlichen Worten denken:

„Wie der Hirsch nach frischer Quelle
schreit mit lechzender Begier,
also schreit auch meine Seele
voll Verlangen, Gott, nach dir.

Nur nach dir, lebend´ger Gott,
dürstet sie in ihrer Not.
Ach, wann wird es doch geschehen,
dass ich kann dein Antlitz sehen?“

Ja, dieser Vergleich ist in keiner Weise abwegig, denn ohne eine Gottesbeziehung, ohne eine beständige Verbindung zu Gott trocknen wir längerfristig aus. Im Alten Testament werden die Quellen und deren Schöpfer immer wieder gepriesen, wenn sie aber versiegen und austrocknen, wird Unheil und Verderben befürchtet. Quellen sind auch Orte besonderer Begegnungen, wie etwa die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,1-26). Hier offenbart sich Jesus selber als das „lebendige Wasser“ und verspricht: „…wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (V 14)  Wir haben vor wenigen Wochen Ostern gefeiert, das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus; am 8. Mai feiern wir in unserer Pfarrei Erstkommunion, und fünfzig Tage nach Ostern, an Pfingsten, feiern wir die Sendung des Heiligen Geistes und dazwischen dürfen wir immer wieder miteinander Gottesdienst feiern – das Kirchenjahr will uns also regelmässig zu den „frischen Quellen“ hinführen. Es liegt an uns, daraus zu trinken, damit wir auch im Glauben nicht verdursten, damit unsere Gottesbeziehung nicht austrocknet.

Giovanni Gadenz, Diakon

 

Wort des 2011 Monats April

Wer’s nicht glaubt, zahlt einen Taler!

Mit diesem Satz endet manches Märchen, und am ersten Tag des Monats April ist es durchaus angebracht, etwas mehr Vorsicht als sonst während des Jahres im Umgang mit unseren Mitmenschen walten zu lassen und nicht jede Aussage, jeden Wunsch oder Auftrag für bare Münze zu nehmen. Allzu leicht möchten sie uns „in den April“ schicken und wir hätten nachher noch den Spott zu tragen. Auch die Medien versuchen, ihre Abonnenten und Leserinnen ins Bockshorn zu jagen, um sich am folgenden Tag für diesen Scherz zu entschuldigen. Darum: hütet euch am 1. April! Denn bei den Aprilscherzen geht es zwar nicht um Leben oder Tod, aber wenn wir leichtgläubig in die Falle tappen, ärgern wir uns selber am meisten.

Ein ganz solides Vertrauen verdient dagegen die Heilige Schrift. Die Frohbotschaft vom Reich Gottes setzt alles daran, dass unser Leben gelingt und dass alle Menschen sich eines Lebens in Fülle erfreuen können. Wie ernst es Jesus damit meint, vernehmen wir in den

Evangelien. „Dein Glaube hat dir geholfen.“ – „Dein Glaube ist gross.“ – „…weil du geglaubt hast...“ mit diesen Worten begründet Jesus die Heilung von Kranken, Blinden, Lahmen und die Befreiung Besessener von den Dämonen. Und als die Jünger den Herrn bitten: „Stärke unseren Glauben!“ antwortet ihnen Jesus: „Wenn euer Glaube auch nur so gross wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen.“ (Lk 17,5-6)  Damit verlangt Jesus von seinen Jüngern eine harte Arbeit, nämlich zu glauben, was mit dem Verstand nicht zu erfassen ist. Auch die Auferstehung unseres Herrn und Erlösers am Ostermorgen, sein Hinübergehen vom Tod zum Leben, kann nur vom Glauben her verstanden werden. Doch unser Glaube an Jesus Christus kostet uns keinen Taler und unser Gewinn aus dem Glauben an die Worte und Taten Jesu ist unbezahlbar: mit keinem anderen Gut auf Erden könnten wir uns die Nachfolge Jesu und das Reich Gottes erkaufen.

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats März 2011

Fasching (Fastnacht?)  - Carne vale - Fastenzeit

Liebe MitchristInnen, 

Die Karnevalszeit geht ihrem Höhepunkt zu. Und an vielen Orten wird gesungen und gelacht. Wir haben viel Spass und Freude in diesen Tagen. Überall gibt es gute Stimmung, Menschen feiern, alt und jung, arm und reich. Eigentlich eine Vorbereitung auf die Vorbereitungszeit zu unserem höchsten christlichen Fest: Ostern.

Karnevalszeit hat auch die Verbindungen zu den Frühlingsfesten, die in den verschiedenen deutschsprachigen Räumen gefeiert wurden. Man hat sich als Dämon und Geist gekleidet und von den Städten und Dörfern in großen Festlichkeiten die Wintergeister vertrieben. In späteren Zeiten begannen auch die Umzüge und die Trink-, Tanz- und Essfeste. Natürlich, das Fleisch war ein wesentliches Feierlichkeitsessen, und kurz vor dem Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch hat man noch richtig gegessen und getrunken. So wird das Narrenfest groß gefeiert. Dann aber sagen wir Adieu zum Fleisch - Carne Vale (Abschied vom Fleisch, oder: Fleisch, lebe wohl).

Dann plötzlich ist Fastenzeit. Die Zeit für Ruhe, Gebet, Reue, Buße und Umkehr – und neue Hoffnung. Eine besinnliche und wesentliche Zeitwende zur Vorbereitung auf unser Glaubensfest der Auferstehung Christi. Es ist eine Zeit der Hoffnung und Zuversicht, die nicht von dieser Welt ist, die mehr ist als oberflächlicher Spaß. Die Auferstehung braucht aber eine Anstrengung für uns selbst: die Umkehr.

Umkehr: Das heißt nicht einfach „vierzig Tage ohne“, beispielsweise ohne Schokolade, Alkohol, Zigaretten oder Fernsehen. Umkehr meint mehr: den Verzicht auf beschönigende Selbstbespiegelung oder falsche Selbstüberheblichkeit. Wir fühlen uns oft im Recht – und sind doch blind vor Wut. Wir halten uns für fehlerlos – und sich doch blind vor Eifersucht. Solche Situationen zu durchschauen und dem schonungslosen Blick auf uns selbst nicht auszuweichen, ist eine große Herausforderung, jedes Jahr neu. Gelingen wird uns dieser Weg der Umkehr nur mit Gottes Hilfe.

Donsy Adichiyil, Pfarradministrator

 

Das Wort der Woche / erschienen in "D'REGION"

Verwurzelt

Die Wurzel ist jener Teil der Pflanze, der uns meist verborgen bleibt, weil die Wurzel im Boden steckt. Dort erfüllt sie zwei für die Pflanze lebenswichtige Aufgaben: Sie versorgt alle Teile der Pflanze mit Wasser und Nährstoffen, die sie dem Boden entzieht, und sie gibt der Pflanze festen Halt, bildet sozusagen ihr Fundament. Dadurch bindet die Wurzel die Pflanze an einen  bestimmten Ort, die Pflanze bleibt also, wenn sie nicht von Menschen verpflanzt wird, meistens während ihrer ganzen Lebensdauer an jener Stelle, wo sie einmal ihre Wurzeln geschlagen hat. Die Verwurzelung hat auch viele Gemeinsamkeiten mit den Begriffen wie Beständigkeit, Heimat, Bodenständigkeit, Verlässlichkeit, Treue. Ein bestimmter Baum wird Generationen von Menschen überleben, und ich werde ihn immer an der gleichen Stelle wiederfinden.

Bei den Tieren und im Besonderen bei den Menschen ist diese Stabilität nicht gegeben. Durch ihre Bewegungsfreiheit wechseln sie den Standort und den Lebensraum nach Belieben, manchmal innerhalb eines enger umgrenzten Gebietes, häufig aber auch über Landesgrenzen und Kontinente hinweg. Und doch kann man bei ihnen oft von einer „Verwurzelung“ sprechen, wenn es sie immer wieder an einen bestimmten Ort zurückzieht. Solche Orte, an denen wir uns verwurzelt fühlen, können mit Kindheitserinnerungen, mit besonderen Begegnungen oder mit wichtigen Ereignissen in Zusammenhang stehen. Im übertragenen Sinne können wir uns auch bei Menschen, etwa in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde oder in einem Verein, bei Gleichgesinnten oder in einer Glaubensgemeinschaft verwurzelt fühlen.

Gerade die Verwurzelung in einer Glaubensgemeinschaft, in der Kirche, kann in vielen Lebenssituationen ausserordentlich wichtig sein. Wenn ich selber in Christus verwurzelt bin, kann ich in guten Zeiten ein Zeuge des Glaubens, eine Quelle der Hoffnung und ein Zeichen der Solidarität und Liebe für andere sein. Und in schlechten Tagen darf ich darauf vertrauen, dass meine Glaubensschwestern und –brüder mich ebenso unterstützen werden. Bereits der Apostel Paulus hat im Kolosserbrief seine Gemeinde ermahnt. „Ihr habt Christus Jesus als Herrn angenommen. Darum lebt auch in ihm! Bleibt in ihm verwurzelt und auf ihn gegründet, und haltet an dem Glauben fest, in dem ihr unterrichtet wurdet. Hört nicht auf zu danken!“     (Kol. 2. 6-7)

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats Februar 2011

Gesetze, Gebote und Verbote bestimmen unser Leben. Was immer wir tun oder lassen, wo immer wir uns bewegen oder stehen – wir werden von Vorschriften und Bestimmungen gelenkt, oft auch eingeschränkt, aber wir vertrauen auch, dass mit ihnen unsere Freiheiten umschrieben und garantiert werden. Bundesverfassung, Zivilgesetzbuch, Strafgesetzbuch, Obligationenrecht, Strassenverkehrsgesetz, Militärgesetz sind nur einige wenige Beispiele in einem wahren Dschungel von Gesetzen. Wer nicht selber Jurist ist, wird kaum noch einen Ueberblick über alle Gesetze haben. Sogar die Kirche hat all ihre Bereiche in einem Gesetz, dem CIC (Codes Iuris Canonici) mit 1752 Artikeln geordnet.

Zehn Gebote hat Gott den Israeliten am Gottesberg durch Mose gegeben, und zwar als Bundesurkunde und als Weisungen, auf Steintafeln verewigt, damit jenes Volk, das der Herr aus dem Sklavenhaus Aegypten herausgeführt hatte, in Freiheit lebe. Darum ist der Alltag im Judentum durch und durch geprägt vom Gesetz Gottes, auch die Gebete (Psalmen) weisen immer wieder darauf hin, z.B. die folgenden Stellen:

  • Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie erquickt den Menschen.
    Das Gesetz des Herrn ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise.
    (Ps 19,8)

  • Wäre nicht dein Gesetz meine Freude, ich wäre zugrunde gegangen in meinem Elend. (Ps 119,92)

  • Mein Herz ist bereit, dein Gesetz zu erfüllen bis ans Ende und ewig.
    (Ps 119,112)

Besonders die Schriftgelehrten und Pharisäer waren bestrebt, das Gesetz in allen Teilen peinlich genau einzuhalten. Jesus stellt in der Bergpredigt klar, dass er keinen Buchstaben des Gesetzes aufheben will. Im Gegenteil: Jesus fordert eine noch grössere Gerechtigkeit als jene der Schriftgelehrten und Pharisäer, um in das Himmelreich zu kommen. „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: … - Ich aber sage euch: …“  und jedes Mal verschärft Jesus die Aussage des Gesetzes. Darum gilt für alle, die in der Nachfolge Jesu Christi stehen, für alle Christinnen und Christen: Für die Erfüllung des Gesetzes genügt nicht die rein äusserliche Tat; auf die innere Haltung, auf das Herz, kommt es an. Wie? Dies erfahren wir in den Sonntagsevangelien im Monat Februar, wenn uns die Bergpredigt abschnittweise verkündet wird.

Giovanni Gadenz, Diakon

 

Wort des Monats Januar 2011

Durch ihn und auf ihn hin ist alles erschaffen (Kol.1,16)

„alles“: alles im Himmel und auf Erden – das Sichtbare und das Unsichtbare.
Alles Erschaffene ist in ihm - zu einem Leib verbunden, zu einem organischen Ganzen komponiert und lebendig.
Jesus ist das Haupt der Schöpfung – aber das will natürlich nicht heißen, dass wir Geschöpfe alle kopflos und nur Glieder seien!

Wir haben schon alle auch unseren eigenen Kopf  – denn sonst – ohne Kopf, ohne Hirn – fänden ja Seine Impulse unsererseits keinen adäquaten Empfang! - Und ohne die wenigstens rudimentäre Anlage aller anderen Glieder auch in uns – wie sollten wir uns denn wechselseitig ineinander einfühlen können?! 

Eines gilt freilich: Jedes Geschöpf ist insofern ein unaustauschbares Glied am mystischen Leib, als es für spezielle Sendungen auch ganz spezielle Begabungen hat! 

„Empathie“ – Mitfühlen-Können ist eine Grundbegabung in allen Geschöpfen – nicht nur in den Menschen – wirklich in der ganzen Kreatur! Empathie hält den Blutkreislauf unter uns im Fluss.
Was allerdings heute geradezu kategorisch ausgeblendet wird, ist jedes Nachdenken über das Einwirken von Gottes Wort – das Einwirken des zentralen Impulsgebers in unser Hirn – in unser Bewusstsein – in unser Leben!
Die Empathie, die Gott uns entgegenbringt, schenkt uns Selbstbewusstsein im Jetzt – und sie macht uns auch hellhörig für das, was kommt!
Im neuen Jahr wollen wir ein Leib und eine Seele sein im ``Leib Christi``- also ganz konkret in der Eucharistischen Gemeinschaft des Pfarrlebens. Ich wünsche Ihnen dafür Segen Gottes im neuen Jahr!

Pfr. Donsy Adichiyil

 

Wort des Monats Dezember 2010

Das rote Paket

Anna freut sich auf die Ferien bei ihrer Grossmutter. Sie weiss so viele tolle Sachen zu machen. Im Dorf sind die Menschen traurig, mürrisch und unglücklich. Die Grossmutter hat eine Idee. Sie zeigt Anna ein rotes Paket. Am Morgen gehen sie mit dem Paket ins Dorf. Dort treffen sie den Förster. Anna streckt ihm das Paket entgegen mit den Worten: „ Es ist für sie. Aber machen sie es nicht auf, sonst geht verloren, was drinnen ist. Glück und Zufriedenheit.“ Der Förster strahlt vor Freude. Verschenken wir noch mehr solcher Pakete, will Anna von der Grossmutter wissen. Nein, eines ist genug. So geht das Paket durch viele Hände. Niemand öffnet es, aber alle erfüllt es mit Zufriedenheit. Am Schluss kommt es zu Anna und der Grossmutter zurück.

Das diesjährige Adventsweekend der Schönstatt - Jugend steht unter dem Thema: Freude schenken. Diese Geschichte war die Idee dazu.

Wer freut sich nicht, wenn er ein Paket erhält. Gerade auch an Weihnachten. Von wem ist es? Was ist drin? Die Spannung steigt, man möchte es sofort öffnen. Was ist, wenn man ein Paket erhält, das man nicht öffnen darf?
Auf was kommt es bei einem Paket an? Auf die Grösse?  Auf die Qualität?

Ich denke, es zählt schon viel, dass diejenige Person, die etwas schenkt, an einen denkt. Auch etwas Kleines, das von Herzen kommt, kann Freude bereiten. Ein Lächeln, das man unerwartet erhält, kann sehr viel bewirken. Ein freundliches Wort zu einem Menschen. Sich für jemanden Zeit nehmen, auch wenn man eigentlich keine Zeit hat. Dies alles sind Geschenke, die man in diesem Sinne nicht öffnen kann und doch bekommt man sie. Versuchen wir doch öfters, Dinge zu schenken, die man nicht öffnen kann. Von diesen Geschenken kann man auch mehrere am Tag verteilen.

Claudia Anliker

Leiterin Schönstatt - Jugend

 

Wort des Monats November 2010

Nun haben wir sie wieder, jene feuchten, kalten und grauen Nebeltage, die niemand mag und die allen ein Begriff sind, wenn wir sagen: „Grau wie im November“! Wir finden, es werde überhaupt nie richtig Tag und die trübe Aussicht drücke auch im übertragenen Sinn auf unsere Stimmung. Und auf den Strassen und Autobahnen, im Flugverkehr und für die Schifffahrt ist es nicht ungefährlich, wenn infolge des Nebels die Sicht nur wenige Meter beträgt und die Orientierung schwierig ist.

Doch auch der Nebel gehört zur Schöpfung! Nebel gehört zu jenem Wasser, dem Gott seinen Platz „oben am Gewölbe“ oder „am Firmament“ zugewiesen hat; darum spendet auch der Nebel Feuchtigkeit. Im Nebel spüren wir in besonderer Weise, wie eingeschränkt unser Blick ist, wie rätselhaft uns die Umwelt erscheint und wie alleine und isoliert wir uns fühlen. Diese Erfahrung kann durchaus auch auf unser Leben übertragen werden. Hin und wieder haben wir aber das Glück, dass wir einer solchen Nebellage entfliehen können, wenn wir z.B. auf einen Berg steigen und dort plötzlich im warmen Sonnenschein stehen. Die Augenblicke, in denen wir langsam aus der Nebeldecke in das zauberhafte Licht treten und jenen grauen Schleier hinter uns lassen, bleiben oft unauslöschlich in unserer Erinnerung zurück.

Ungefähr so können wir uns wohl auch den Uebergang vom irdischen Leben in die Herrlichkeit Gottes und in sein ewiges Licht vorstellen. Der Apostel Paulus braucht in seinem ersten Brief an die Korinther ein ähnliches Bild, wenn er schreibt: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.“ (1 Kor 13,12)

Im Glauben an die Frohe Botschaft Jesu vom Reich Gottes vertrauen wir darauf, dass unsere Verstorbenen alle Nebel des irdischen Lebens hinter sich gelassen haben und in das Licht Gottes eingetreten sind, so wie wir es an Allerseelen, an allen grauen Novembertagen, aber auch an allen (sonnigen) Tagen des Jahres im bekannten Gebet für sie erbitten dürfen:

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe.
Und das ewige Licht leuchte ihnen.
Lass sie ruhen in Frieden. Amen.    

 

Giovanni Gadenz, Diakon und Gemeindeleiter a.i.

Wort des Monats Oktober 2010

Mit dem Monat Oktober verbinden wir je nach Herkunft oder Konfession ganz unterschiedliche Dinge: In Bayern denkt man wohl zuerst an das Oktoberfest, Katholiken denken bestimmt auch an den Rosenkranzmonat mit der besonderen Marienverehrung.

Die Römer nannten ihren achten Monat "mensis october". Mit dem Julianischen Kalender wurde 45 v. Chr. der Monat zwar an die zehnte Stelle verschoben, den Namen Oktober  behielt er aber. Karl der Grosse führte im 8. Jahrhundert deutsche Monatsnamen ein und nannte den Oktober "Weinmonat", um auf den Beginn der Weinlese hinzuweisen.

Im Alten Testament waren Brot und Wein als Speise und Trank aus dem Leben der Menschen nicht wegzudenken. Der gefallene Mensch durfte sich an der Frucht des Weinstocks trösten und der Wein sollte sein Herz erfreuen, wie es im Psalm (104,15) steht. Zum Festmahl gehört der Weinbecher unverzichtbar dazu, über ihn wird ein besonderes Dankgebet gesprochen. Beim endzeitlichen Mahl wird Gott für alle Völker "ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen" geben (Jes 25,6). Diese Verheissung Gottes erfüllt sich in Jesus Christus, dem wahren Weinstock (Joh 15,11).

So stand in der Feier der Eucharistie die Kelchkommunion bereits vor der Kommunion in der Gestalt des Brotes im Zentrum. Ursprünglich wurde in der Liturgie roter Wein verwendet, seit langem wird jedoch im Westen weisser Wein bevorzugt, damit die Kelchwäsche leichter gesäubert werden kann. Der Wein für die Eucharistiefeier muss „von der Frucht des Weinstocks“ (vgl. Lk 22,18) stammen und naturrein, d.h. ohne Beimischung von Fremdstoffen sein. Sowohl das Brot wie auch der Wein müssen in einwandfreiem Zustand sein und der Wein darf nicht zu Essig geworden sein (vgl. AEM 284f.), denn schliesslich spricht der Priester als Begleitgebet zur Gabenbereitung folgende Worte über den Kelch:

Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, 
Schöpfer der Welt. 
Du schenkst uns den Wein, 
die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit.
Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht,
damit er uns der Kelch des Heiles werde.

Giovanni Gadenz, Diakon und Gemeindeleiter a.i.

Wort des Monats September 2010

Kennen Sie dieses vorsintflutliche Gerät noch? Wissen Sie, wozu man es gebraucht hat oder immer noch brauchen könnte? Wüssten Sie sogar, wie man dieses Ding bedient? Das Gerät ist ein Episkop. Der Begriff stammt aus der griechischen Sprache und bedeutet: darauf sehen, darauf schauen. Denn durch eine raffinierte Anlage von Lampe, Spiegel und Objektiv wird eine Vorlage (Foto, Buchseite, Plan, Karte usw.) nach dem Prinzip der Auflichtprojektion auf die Leinwand gebracht. Episkope werden auch als Aufsichts-Projektoren bezeichnet.

Episkopos heisst in der griechischen Sprache aber auch der Bischof, weil sein Amt als Vorsteher der Diözese viel mit Überblick und Aufsicht zu tun hat. Als Vorsteher und Vater seines Bistums muss der Bischof viel beobachten, beaufsichtigen und besuchen; er hat die volle Lehr-, Heiligungs- und Leitungsgewalt inne und ist der erste Spender der Sakramente. 

Am 8. September wird unser neuer Diözesanbischof vom Domkapitel gewählt. Wir alle sind aufgerufen, um eine gute Bischofswahl zu beten. Bis der Name des Gewählten bekannt gegeben wird, dauert es allerdings noch eine Weile: zuvor muss er die Wahl annehmen, dafür hat er eine Bedenkfrist von sieben Tagen, und dann muss er vom Papst bestätigt werden. Erst dann erfahren wir seinen Namen und kann die Bischofsweihe und seine Amtseinsetzung geplant werden.

Möge der Heilige Geist dem neuen Bischof eine gute Sicht, einen guten Überblick über seine Diözese schenken, damit er alle seine Rechte und Pflichten zur Ehre Gottes, zur Stärkung der Kirche und zum Wohle aller Gläubigen wahrnehmen kann.        

Giovanni Gadenz, Diakon und Gemeindeleiter a.i.

Wort des Monats August 2010

Ferienende und Neubeginn – alles hat seine Zeit

In wenigen Tagen gehen für die meisten Kinder und Erwachsenen die Sommerferien zu Ende. Hoffentlich war es für alle – auch für Sie – eine schöne, spannende und auch entspannende und erholsame Zeit, so dass Sie wieder mit neuen Kräften in Ihren Alltag zurückkehren.

Neubeginn und Alltag: welche Erwartungen verbinden Sie mit der kommenden Zeit, mit dem jetzt beginnenden Lebensabschnitt? Schülerinnen und Schüler sind bestimmt offen und bereit, viel neues Wissen aufzunehmen und Erfahrungen zu sammeln, die sie weiter bringen und später im Leben auch anwenden können. Wer im Berufsleben steht, erhofft sich gewiss Erfüllung, oft auch ein berufliches Weiterkommen und dass sich seine Pläne Schritt für Schritt erfüllen – schliesslich haben wir ja nicht von ungefähr einen bestimmten Beruf gewählt oder sind einer Berufung gefolgt! Dankbar und mit Freude dürfen wir nun diesen so wichtigen Platz wieder einnehmen. So wie wir zu Beginn der Ferien ganz befreit für eine bestimmte Zeit ausbrechen aus unserem Alltag und aus festen Strukturen, so kommen wir jetzt sozusagen wieder „nach Hause“ zurück, entweder in unsere bekannte Umgebung oder sogar in einen ganz neuen Lebensabschnitt. Und wer nicht mehr selber beruflich gebunden ist, wird bestimmt teilnehmen an den Anfängen und Entwicklungen, an den Veränderungen und Fortschritten seiner Kinder und Angehörigen oder Freunde.

Ob wir diesen Wandel mit Freude, Sorge oder Wehmut zur Kenntnis nehmen und ihn selber  mit vollziehen, immer ist es gut, wenn wir an die Weisheit des Kohelet im Alten Testament denken: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.“ (Koh 3,1)

Gott möge alle unsere Schritte, unseren Neuanfang oder Wiedereinstieg begleiten und unseren nächsten Zeitabschnitt segnen.

Giovanni Gadenz, Diakon und Gemeindeleiter a.i.

Wort des Monats Juli 2010

Reden ist Silber…

immerhin! Meistens geht dieser erste Teil des bekannten Sprichwortes unter, wenn es dann im zweiten Teil heisst: …Schweigen ist Gold! Wer beachtet schon das Silber, wenn nicht weit daneben Gold funkelt? Ich will dem Gold und damit auch dem Schweigen den hohen Wert als Tugend in keiner Weise absprechen: es gibt durchaus Situationen, wo es sinnvoller ist, nichts zu sagen. 

Daneben hat aber das Reden durchaus eine Berechtigung, wenn wir dies am rechten Ort oder im richtigen Augenblick tun. Ich denke ganz spontan an den Begriff „Theologie“ (d.h. Reden von Gott) und frage mich, ob ich denn auch „von Gott schweigen“ könnte? Wie könnte ich meinen Auftrag erfüllen, wie könnte ich die Frohe Botschaft vom Reich Gottes „schweigend“ weiter tragen? 

Wenn wir die Heilige Schrift aufschlagen, spricht Gott selber auch immer wieder: als Schöpfer, mit den ersten Menschen, mit Mose und mit den Propheten, durch die ganze Heilsgeschichte wirkt er  immer wieder durch sein Wort bis hin zu Jesus Christus, dem Fleisch gewordenen Wort Gottes. Und Jesus spricht auch: zu seinen Jüngern, zu der Menschenmenge, zu den Pharisäern und Schriftgelehrten, zu Pilatus… immer wieder beginnen die Evangelienabschnitte mit der Einleitung: „In jener Zeit sagte Jesus zu… / sprach Jesus: …“ 

So lasst auch uns miteinander reden, wenn wir einander etwas zu sagen haben! In der kommenden priesterlosen Zeit sind wir in unserer Pfarrei mehr denn je gefordert, miteinander zu reden, sei es durch  das Zusammenstehen, im alltäglichen Gespräch als Christinnen und Christen, aber auch im gemeinsamen Beten und Feiern. Halten Sie unserer Kirche und Ihrer Pfarrei die Treue und zeigen Sie, dass Ihnen das „Reden von Gott“ immerhin Silber wert ist. 

Giovanni Gadenz, Diakon und Gemeindeleiter a.i.

Wort des Monats Juni 2010

In diesem Monat heisst es für mich von Ihnen Abschied zu nehmen. Nach bald acht Jahren verlasse ich die Pfarrei St. Peter und Paul in Utzenstorf. Es war für mich eine gute Zeit. Ich freue mich auf den Sommer und hoffe, dass er sonniger und wärmer wird als es der Mai gewesen ist. Drei Dinge möchte ich mir ganz besonders und vermehrt vornehmen: Beten, Lesen und Wandern. Viele von Ihnen dürfen sich auf bevorstehende Sommerferien freuen und wahrscheinlich freuen Sie sich auch auf ganz bestimmte Dinge in dieser Zeit.

Von einem Ehepaar habe ich einen schönen Brief bekommen mit einem sehr schönen Gebet aus Afrika. Dieses Gebet hat mich sehr angesprochen und passt sehr gut zu meiner Sommerzeit nach dem Weggang in Utzenstorf. Ich hoffe, dass auch Sie daran Gefallen finden.

Pfarrer Andreas Gschwind

Verweilen 

Lass mich langsamer gehen, Herr.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens 
durch das Stillwerden meiner Seele.
Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit.

Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.

Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen, um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln,
einen Hund zu streicheln, ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.

Lass mich langsamer gehen, Herr, und gib mir den Wunsch, 
meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse zu meiner wahren Bestimmung.

Amen. 

Wort des Monats Mai 2010

In der katholischen Kirche gilt der Monat Mai in ganz besonderer Weise als "Marienmonat", mit einer je nach Gegend mehr oder weniger ausgeprägten Marienverehrung und mit speziellen Marienandachten. Seit dem Mittelalter sind solche Maiandachten bekannt, die ursprünglich die Aufgabe hatten, römischen und germanischen Maifeiern eine christliche Prägung zu geben. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert erfuhr die Marienverehrung eine Steigerung, indem man während des ganzen Monats Mai der Gottesmutter tägliche oder häufige Gebete „weihte“.

Papst Paul VI. hat in seiner Enzyklika „Mense maio“ vom 1. Mai 1965 die besondere Verehrung Mariens in diesem Monat gewürdigt als „…eine teure Gewohnheit Unserer Vorgänger, diesen Marienmonat zu wählen, um das christliche Volk zu öffentlichem Gebet einzuladen, sooft die Nöte der Kirche oder eine drohende Weltgefahr dies verlangten.“

Die Welt ist heute nicht weniger in Gefahr als in früheren Zeiten und niemand würde wohl abstreiten, dass auch die Kirche gegenwärtig eine grosse Not erlebt – Grund genug, uns wieder auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria zu besinnen und sie als unsere Fürbitterin bei Gott anzurufen, vielleicht gerade einmal mit dem wunderbaren Hymnus "Ave maris stella": 

1

Ave, maris stella,
Dei Mater alma
Atque semper Virgo
Felix caeli porta.

2

Sumens illud Ave
Gabrielis ore,
Funda nos in pace,
Mutans Evae nomen.

3

Solve vincla reis,
Profer lumen caecis,
Mala nostra pelle,
Bona cuncta posce,

4

Monstra te esse Matrem,
Sumat per te preces,
Qui pro nobis natus
Tulit esse tuus.

5

Virgo singularis,
Inter omnes mitis,
Nos culpis solutos,
Mites fac et castos.

6

Vitam praesta puram
Iter para tutum,
Ut videntes Iesum,
Semper collaetemur.

7

Sit laus Deo Patri,
Summo Christo decus,
Spiritui Sancto
Honor, tribus unus.

Amen


Meerstern, sei gegrüsset,
Gottes hohe Mutter,
allzeit reine Jungfrau,
selig Tor zum Himmel!

 

Du nahmst an das AVE
aus des Engels Munde.
Wend den Namen EVA,
bring uns Gottes Frieden.

 

Lös der Schuldner Ketten,
mach die Blinden sehend,
allem Übel wehre,
jeglich Gut erwirke.

 

Zeige dich als Mutter,
denn dich wird erhören,
der auf sich genommen,
hier dein Sohn zu werden.

 

Jungfrau ohnegleichen,
Gütige vor allen,
uns, die wir erlöst sind,
mach auch rein und gütig.

 

Gib ein lautres Leben,
sicher uns geleite,
daß wir einst in Freuden
Jesus mit dir schauen.

 

Lob sei Gott dem Vater,
Christ, dem Höchsten, Ehre
und dem Heilgen Geiste:
dreifach eine Preisung.

Amen

Text: 8. Jh. / Melodie: 11./12. Jh.

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats April 2010

Die Heilige Woche ist eine besonders intensive Vorbereitungszeit auf das Osterfest. Ich habe sie gern, die Karwoche, mit ihren eigenen Liturgien von Palmsonntag an bis hin zum Ostersonntag. Ein wesentliches Zeichen, das manche vielleicht überhören, übersehen oder ganz einfach nicht beachten, sind für mich die Osterglocken, und zwar jene die man hört (oder eben nicht hört) wie auch jene, die man sieht.

Osterglocken – damit meine ich zuerst einmal die Kirchenglocken und die Altarglocken, die am Hohen Donnerstag in der Messe vom letzten Abendmahl zum Gloria kräftig läuten, bevor sie dann bis zum Gloria in der Feier der Osternacht verstummen. Nicht dass es mich freuen würde, wenn es still bleibt, wenn die Glocken nicht klingen, ganz im Gegenteil: wie wehmütig vermisse ich ihren Klang! Aber wenn sie in der Osternacht dann wieder ertönen und uns die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus von den Toten verkünden, dann schwingen auch mein Herz, meine Seele und mein Geist freudig mit.

Auch die andern Osterglocken, die ich meine, möchten Herz und Gemüt erfreuen. Narcissus pseudonarcissus ist ihr wissenschaftlicher Name, und sie sind nicht in den Kirchtürmen, sondern in den Gärten und auf Wiesen zu finden. Ob uns ihr leuchtendes Gelb an Ostern erfreut, dafür haben wir durchaus nicht immer Gewähr, es kann auch sein, dass der Ostertermin nicht mit der Blütezeit der Osterglocke übereinstimmt. Aber eine Botin des Osterfestes und auch des Frühlings ist diese wunderschöne Blume allemal. Danken wir dem Schöpfer, dass er sie uns geschenkt hat und sie zu unserer Freude blühen lässt.

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats März 2010

Fotoaufnahme von Frau Sabine R. Görlich

Papst Benedikt XVI bringt es auf den Punkt, was mit Umkehr in der Fastenzeit gemeint ist:

"Umkehr besteht darin, frei und mit Liebe zu akzeptieren, dass wir in allem von Gott, unserem wahren Schöpfer, abhängig sind, dass wir von der Liebe abhängig sind. Das ist nicht Abhängigkeit, sondern Freiheit. Umkehren bedeutet also, nicht dem eigenen, persönlichen Erfolg nachzujagen - der etwas ist, was vorübergeht -, sondern sich unter Aufgeben jeder menschlichen Sicherheit mit Einfachheit und Vertrauen in die Nachfolge des Herrn einzulassen, damit für jeden, wie die sel. Teresa von Kalkutta immer wieder gern sagte, Jesus "mein Alles in allem" werde. Wer sich von ihm einnehmen lässt, fürchtet nicht, sein Leben zu verlieren, weil er uns am Kreuz geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat."

Wort des Monats Februar 2010

Am 2. Februar feiert die Kirche das Fest Darstellung des Herrn, das weit über diesen Tag und Monat und auch über das menschliche Leben hinaus leuchten will.

Die Wurzeln dieses Festes liegen in der alttestamentlichen Vorschrift, wonach sich die Frauen vierzig Tage nach einer Geburt einer kultischen Reinigung unterziehen mussten. Dabei wurde die männliche Erstgeburt, die Gott geweiht war, im Tempel „dargestellt“. Der Evangelist Lukas schildert mit bewegenden Worten (Lk 2,22-40), wie Maria und Josef mit Jesus in den Tempel kommen und dort dem Greisen Simeon und der Prophetin Hanna begegnen. Die prophetischen Worte, die Simeon beim Anblick Jesu spricht, beziehen sich unmittelbar auf die Zukunft Jesu als das neue Licht der Völker. In sinnvoller Weise hat die Kirche aber die Aussage Simeons in die Komplet, in das Nachtgebet der Tagzeitenliturgie aufgenommen. Durch das tägliche Beten dieser Worte vor dem Einschlafen sollen sich die Betenden auf das Sterben vorbereiten.     

Nun lässt du, Herr,
deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
(Lk 2,29-32)

Die Pilgerin Egeria, die von 381 bis 384 das Heilige Land bereiste, erwähnt in ihrem Reisebericht dieses Fest, "das mit gleicher Freude wie Ostern begangen" wurde, und zwar mit einer Eucharistiefeier und einer feierlichen Prozession. Seit dem 5. Jahrhundert feierte man es in Jerusalem und seit dem 7. Jahrhundert in Rom mit einer Lichterprozession. Später kam die Kerzenweihe hinzu. Während es in der Ostkirche als „Fest der Begegnung“ gefeiert wurde, verstand man es in der Westkirche eher als Marienfest, daher auch die Bezeichnung „Mariä Lichtmess“. Seit der Liturgiereform von 1960 wird das Fest „Darstellung des Herrn“ als Fest des Herrn und als weihnachtliches Fest ausserhalb der Weihnachtszeit gefeiert. 

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats Januar 2010

Eine rührende Geschichte, die zum Nachdenken anregt:

Kurz vor Weihnachten nahm der schwerreiche Vater seinen Sohn mit, für eine Reise aufs Land, um ihm zu zeigen, wie die armen Menschen leben. Sie verbrachten einige Tage auf dem Bauernhof einer “sehr armen Familie”. 

Auf der Heimreise fragte der Vater seinen Sohn: “So, wie hat Dir diese Reise gefallen?”
“Es war super!” antwortete der Sohn.
“Hast Du nun gesehen, wie arme Menschen leben?”, fragte der Vater.
“Oh ja”, erwiderte der Sohn.
“Und nun sag mir, was Du aus dieser Reise gelernt hast,” wollte der Vater wissen. 

Der Sohn antwortete: “Ich habe gesehen, dass wir bloss einen Hund haben – die Bauernfamilie hat deren vier! 
Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht – sie haben einen Fluss, der kein Ende hat. 
Unsere Terrasse reicht bis zum Vorplatz – sie  jedoch haben den  ganzen Horizont.
Wir haben Bedienstete, die uns dienen – sie dürfen sich gegenseitig helfen und dienen.
Wir kaufen unser Essen im Supermarkt – sie aber bauen ihr Essen selber an. 
Wir haben Mauern um unser Grundstück, um uns zu schützen – sie haben Freunde, die sie beschützen. 

Der Vater des Kindes war sprachlos. Dann fügte sein Sohn noch an: “Danke Vater, dass Du mir gezeigt hast, wie arm wir sind!” 

Ist nicht die Perspektive der Dinge eine wirklich schöne Sache?

Diese Geschichte lässt und wundern, was passieren würde, wenn wir DANKE sagen würden für alles, was wir haben, anstatt uns Sorgen zu machen um all die Dinge, die wir nicht haben.

Wort des Monats Dezember 2009

Advent
Das Volk Israel wartete sehnsüchtig auf das Kommen des Erlösers. Die Jungfrau Maria gehörte zu jenen Menschen, die sich in die Worte der Propheten versenkte und das Kommen des Herrn mit ihrem ganzen Sein erwartete. Sie konnte nicht ahnen, wie dieses Kommen von statten gehen sollte. Um so überraschender war für sie der Moment, als der Erzengel Gabriel in ihr Haus eintrat und ihr sagte, dass der Herr, der Erlöser, in ihr und von ihr Fleisch annehmen und sein Kommen durch sie verwirklichen wollte. Wir können uns die Befangenheit der Jungefrau gut vorstellen. Mit einem grossen Akt des Glaubens und des Gehorsams sagt Maria "Ja": "Ich bin die Magd des Herrn". So wurde sie zur "Wohnstatt" des Herrn, zum wahren "Tempel" in der Welt und zur "Tür", durch die der Herr in die Welt eingetreten ist. 

Diese seine Ankunft (Advent) geschah damals vor gut 2000 Jahren. Es gibt nicht nur das endgültige Wiederkommen am Ende der Zeiten. In einem gewissen Sinne möchte der Herr durch uns Menschen ständig auf die Erde kommen, und er klopft an die Tür unseres Herzens: Bist du bereit, mir dein Fleisch, deine Zeit, dein Leben zu geben? Das ist die Stimme des Herrn, der auch in unsere Zeit eintreten möchte, er möchte durch uns ins Leben der Menschen eintreten. Er sucht auch eine lebendige Wohnung, nämlich unser persönliches Leben. Das ist das Kommen des Herrn, und das wollen wir in der Adventszeit aufs neue lernen: Der Herr möge auch durch uns kommen. 

(Papst Benedikt XVI, zu Beginn des Advents 2005)

Wort des Monats November 2009

An Allerseelen ging ich auf den Friedhof. Es war ein stürmischer Tag. Dunkle, schwere Wolken hingen tief über dem Dorf und die Schneefallgrenze war auch nicht mehr fern. Ich war alleine unterwegs – kein Wunder bei diesem Wetter! Vom nahen Wald trieb der Wind eine Menge Blätter vor sich hin.
Ich liess gerne diese Stimmung auf mich wirken und fand, alles passe irgendwie zusammen: der Herbst und dieses Wetter, der Friedhof hier mit den letzten Blumen und dort die fallenden Blätter im Wald, das Leben und das Sterben. Und plötzlich erinnerte ich mich an die letzte Strophe des Gedichts „Der Herbstgang“ von Johann Heinrich Voss:    

Natur, wie schön in jedem Kleide!
Auch noch im Sterbekleid wie schön!
Sie mischt in Wehmut sanfte Freude
Und lächelt tränend noch im Gehen.
Du, welkes Laub, das niederschauert,
Du Blümchen, lispelst: Nicht getrauert!
Wir werden schöner auferstehn!

Tatsächlich: im Sterben der Natur können auch wir unser Sterben üben! Nicht in Schmerz und Trauer über unsere Vergänglichkeit und über unseren Tod, sondern in der festen Zuversicht unseres Glaubens, dass uns durch den Ostersieg Jesu Christi das ewige Leben in der Herrlichkeit Gottes verheissen ist.

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats Oktober 2009

Der Monat Oktober wird in unserer Kirche als Monat der Weltmission und als Monat des Rosenkranzes begangen. Lassen wir die grosse Missionarin der Nächstenliebe, die sel. Mutter Teresa sprechen:

"Gott hat uns für grössere Dinge geschaffen - zu lieben und geliebt zu werden. Jesus kam, um uns die Frohe Botschaft zu bringen, dass Gott uns liebt und dass er will, dass wir einander lieben, wie er jeden von uns liebt. Wann beginnt diese Liebe? In unserer eigenen Familie. Und wie beginnt sie? Indem wir beten. Eine Familie, die zusammen betet, steht zueinander. Und wenn wir zueinander stehen, werden wir einander lieben, wie Gott uns liebt. Lehren Sie ihre Kinder zu beten und beten Sie mit ihnen! Machen Sie den Rosenkranz zu Ihrem Familiengebet! Und wo Maria ist, dort Jesus."

Wort des Monats September 2009

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein. 

Wer jetzt kein Haus hat,
baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist,
wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

 

Wort des Monats August 2009

Kräutersegnung: Im August feiern wir das Fest "Maria Aufnahme in den Himmel" und dabei werden nach altem Brauch Kräuter gesegnet, die in den Wohnungen aufbewahrt werden. Wenn jemand krank wird, werden sie in den Tee gegeben oder es war auch Brauch, sie in das Futter der Tiere zu mischen.

Die Kräuter stehen für das Heilende der mütterlichen Liebe Mariens. Sie drücken den Glauben aus, dass auch die sinnenhafte Schönheit der Schöpfung, zu der unser Leib gehört, kostbar ist und in der himmlischen Herrlichkeit verklärt wird. Durch die Menschwerdung Gottes in Maria ist die ganze Schöpfung geheilt worden und so kann sie uns wieder zum Heile werden, wenn wir ihre Kräfte in der rechten Weise nutzen. Während durch Eva der Mensch vom Baum des Lebens ausgeschlossen wurde, hat ihm Maria den Weg zu den Kräutern des Lebens wieder erschlossen.

Hinter dem Brauch des Kräuter- und Blumensegens an Mariä Aufnahme in den Himmel steht eine Legende: Als man kurze Zeit nach dem Heimgang Mariens ihr Grab geöffnet habe, habe man dort keinen Leichnam gefunden sondern bunte und duftende Blumen. Eine andere Tradition schildert, es habe beim Heimgang Marias nach Lilien geduftet.

Ich wünsche Ihnen noch viele sonnige Sommertage und einen guten Start in den Schul- oder Berufsalltag.

Ihr Pfarrer
Andreas Gschwind

Wort des Monats Juli 2009

"Schöne Ferien!"... Gilt dieser Wunsch in der nächsten Zeit auch Ihnen? Dürfen auch Sie für eine bestimmte Zeit Arbeit oder Schule mit allen Verpflichtungen und Terminen ruhen lassen und sich auf einen Tapetenwechsel freuen? Tun und lassen, was uns selber gefällt, den Tagesablauf selber diktieren ohne jemandem Rechenschaft schuldig zu sein – das gibt uns doch ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit!

Sind wir aber tatsächlich so frei und unabhängig wie wir es uns wünschen oder meinen? Haben wir nicht schon längst geplant, was in unseren Ferien alles „erledigt“ werden muss, wie z.B. die aufgeschobene Gartenarbeit, den Besuch bei Onkel Hans, die Renovation der Küche oder die Fahrt ans Meer mit all den Wartezeiten im Stau?

Bei der Frage: "Wofür will ich meine grössere Freiheit in der Ferienzeit einsetzen?" ist mir einmal mehr bewusst geworden, wie kostbar die Zeit ist – auch in den Ferien. In der Bibel existiert das Wort "Ferien" nicht, "Urlaub" kommt ein einziges Mal vor, im Zusammenhang mit dem Kriegsdienst. Umso mehr ist immer wieder von "Ruhe" die Rede: Ruhe als erstrebenswerten Zustand, um vom Alltag und von der Geschäftigkeit, von Krieg und von allen Lebensstürmen etwas Distanz zu gewinnen, eine Ruhe, die mich zum Wesentlichen in meinem Leben führt. 

Es könnte ja sein, dass ich Zeit finde für eine Begegnung, die mich bereichert oder meinem Leben neue Impulse gibt, dass ich in der Ruhe das Beten oder das Schweigen wieder entdecke, dass ich beginne, zu hören, zuzuhören, innezuhalten, zu betrachten und zu meditieren, dass ich offen werde für Gott und mich erfreue an seiner Schöpfung oder dass ich  beginne, in der Heiligen Schrift dem Wort Gottes nachzuspüren…

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass es Ihnen in den Ferien gelingt, aus dem Alltag auszubrechen und dass Sie viel Zeit und Ruhe finden für Ihre Mitmenschen, für Ihre eigenen Bedürfnisse, aber auch für Gott. – Schöne Ferien!

Giovanni Gadenz, Diakon

Wort des Monats Juni 2009

Jeden ersten Freitag feiern wir eine heilige Messe mit anschliessender Anbetung zu Ehren des Herzens Jesu. Man nennt dies die Herz-Jesu-Freitage. Im Juni feiern wir das Fest des Herzens Jesu am 19. Juni 2009. Was bedeutet das, Herz-Jesu-Verehrung? Viele Menschen heute können damit sicher nicht viel anfangen.

Lassen Sie mich es kurz erklären: Es geht sicher nicht darum, dass wir das Herz als Organ verehren. Das Herz bezeichnet die Mitte des menschlichen Wesens, wo die Liebe wohnt. Wenn wir das "Herz Jesu" verehren, dann verehren wir seine übergrosse Liebe zu uns. In der Eucharistie schenkt uns Jesus im besonderen Masse seine Liebe und in der Anbetung "ruhen wir am Herzen Jesu", wie damals der Apostel Johannes beim letzten Abendmahl. Wir gestalten jeweils die Anbetung mit schönen Liedern und Kerzenlicht. Kommen Sie doch auch und finden Sie so zur wohltuenden Ruhe am Ende einer vielleicht hektischen Arbeitswoche!

Am Freitag, 19. Juni 2009 feiern wir das Herz-Jesu-Fest. Gleichzeitig eröffnet Papst Benedikt XVI in einer feierlichen Vesper das "Jahr des Priesters".

Deshalb wollen wir für die Heiligung der Priester beten und auch, dass wir nach meinem Weggang bald wieder einen Priester für unsere Pfarrei und unseren Pastoralraum erhalten.

Pfarrer Andreas Gschwind

Wort des Monats Mai 2009

Heilig Geist-Fenster in unserer Kirche

Der Mai ist für viele Menschen der schönste Monat des Jahres: Die Natur bricht regelrecht auf. Alles grünt und blüht, die Tage werden deutlich länger und die Temperaturen wärmer.

In dieser Zeit feiern wir in der Kirche auch einen Aufbruch, das Pfingstfest. Fünfzig Tage nach Ostern, der Auferstehung des Herrn, kam ein Brausen wie Wind und Feuer über die Jüngerinnen und Jünger Jesu und sie wurden erfüllt vom Heiligen Geist, den Jesus ihnen zuvor versprochen hat. Dieser Geist ist die Liebe und Kraft Gottes, die sie völlig verwandelte und aufbrechen liess. Was war geschehen? Die Jünger waren nach der Kreuzigung Jesu verängstigt und hatten sich zurückgezogen. Verständlich, denn man hätte auch nach ihrem Leben trachten können. Nach der Auferstehung fanden sie wieder Zutrauen zu ihrem Herrn und Meister. Nachdem Jesus dann endgültig zum Vater heimgekehrt und in den Himmel aufgenommen wurde, versammelten sie sich zusammen mit Maria zum Gebet, bis der Heilige Geist, der versprochene Beistand, auf sie herabkam. Dann geschah das Gewaltige: Aus ängstlichen Menschen wurden mutige Zeugen, die sich in ihren verschiedenen Sprachen verstehen konnten. Das war die Geburtsstunde der Kirche.

Wir sind in dieser Frühlingszeit besonders eingeladen, für ein neues Pfingsten zu beten. Der Geist Gottes weht wo er will und er kommt auch heute zu uns Menschen wie damals, wenn wir uns im Gebet versammeln und ihn mit offenen Herzen ersehnen. Er ist es, der eine neue Gemeinschaft und ein neues Miteinander schaffen kann. Beten wir im Mai zusammen mit der Muttergottes besonders darum, dass dieser Geist wieder lebendig wird und dass dieser pfingstliche Aufbruch auch heute wieder erlebbar wird. Ich freue mich jetzt schon aufs diesjährige Pfingstfest mit dem grossartigen Philippinenchor!

Ihr Pfarrer Andreas Gschwind

Wort des Monats April 2009

"Ostern ist das grösste Fest unserer Gemeinschaft, ein Fest der Freude - der Freude des Herrn. Nichts darf uns so verwirren, und so mit Sorgen und Mutlosigkeit erfüllen, dass es uns die Freude der Auferstehung nimmt."  Sel. Mutter Teresa

Ende März durfte ich am Weltjugendtag in Grenchen teilnehmen, an welchem rund 600 Jugendliche teilgenommen haben. Diese Tage haben mir persönlich enorm gut getan. Das ganze Treffen war geprägt von Fröhlichkeit und von einer tiefen Freude!

Im Jahre 140 schrieb in Rom ein frisch getaufter Sklave namens Hermas, der nach seiner Bekehrung offensichtlich mit grosser Begeisterung Christ war, den Satz: "Der Geist Gottes… verträgt keine Traurigkeit oder Verdrossenheit. Ergib dich also der Fröhlichkeit, die allezeit Gnade findet bei Gott und ihm wohlgefällig ist, und lass es dir in der Heiterkeit gut gehen."

Die Jugendlichen in Grenchen haben mir gezeigt, dass es sie gibt die frohen Christen. Die Mahnung von der sel. Mutter Teresa und des Sklaven Hermas brauchen wir heute mehr denn je. Jeder, der heute ein wenig die kirchliche Situation beobachtet, wird wohl bestätigen müssen, dass sich im kirchlichen Raum die Heiterkeit immer mehr verflüchtigt. Im gleichen Mass, in dem die Freude verloren geht, greifen Frustration, Aggression und Zynismus um sich. Und das schadet der Kirche enorm!

Es muss eine unserer Hauptaufgaben sein, sorgfältig darauf zu achten, dass die Freude nicht verloren geht. Wir haben ja nicht irgendein Produkt anzubieten, sondern unser Geschenk an die Welt von heute ist die Fülle der Freude selbst. Der Herr will, dass seine Freude in uns sei und dass unsere Freude vollkommen werde (Joh 15,11). Hat er nicht auch zugesagt, dass er eine Freude schenken werde, die niemand von uns nehmen wird?! (Joh 16,22)

Die Osterzeit will uns in besonderem Masse daran erinnern, dass wir zur Freude berufen sind. 
Mögen unsere Sorgen noch so gross sein, Jesus möchte nicht, dass wir darin stecken bleiben und den Mut verlieren. Er ist für uns gestorben und auferstanden. Er lebt - er ist mitten unter uns. Durch seine Auferstehung hat er uns die Tür zur Freude geöffnet. Er möchte, dass wir eintreten in Sein Leben und Er will uns mitnehmen in Seine Auferstehung und zwar schon hier und jetzt.

Ich wünsche Ihnen eine frohe Osterzeit

Pfr. Andreas Gschwind

© 2009, Kath. Kirche Utzenstorf, Landshutstrasse 41, 3427 Utzenstorf